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22.11.2023 | 04:45

Black Week im Energy-Sektor: Short Wasserstoff – Long Öl! Shell, BP, Prospera Energy und Plug Power unter der Lupe

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  • Wasserstoff
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Bildquelle: pixabay.com

Es klingt ambitioniert! Um Europa in Sachen Energieversorgung gänzlich neu aufzustellen, müsste die Europäische Union bis zum Jahr 2030 gute 300 Mrd. EUR in alternative Energiequellen, Infrastruktur und Rohstoff-Lieferverträge investieren. Bis 2021 importierte allein Deutschland 45 % seiner fossilen Energie vom bis dahin geschätzten Partner Russland. Nach Kriegsbeginn in der Ukraine wurde dieser langjährige Geschäftspartner von der Liste gestrichen. Heißt aber auch, dass die sehr günstigen Quellen für Mitteleuropa nicht mehr zugänglich sind. Die Preise für Strom, Heizung und Mobilität werden also hoch bleiben, die öffentlichen Kassen sind leer. Aktionäre die auf GreenTech setzten, haben einen Crash im Bereich Wasserstoff zu verkraften, während die fossilen Energiewerte eine Renaissance erleben. Wo liegen die mittelfristigen Chancen?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: PROSPERA ENERGY INC. | CA74360U1021 , ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29 , BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , Shell PLC | GB00BP6MXD84

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Inhaltsverzeichnis:


    Sebastian-Justus Schmidt, Vorstand und Gründer, Enapter AG
    "[...] Warum soll denn ein modularer Elektrolyser mehr kosten als ein Motorrad? [...]" Sebastian-Justus Schmidt, Vorstand und Gründer, Enapter AG

    Zum Interview

     

    Shell und BP – Die Multis bleiben gut im Geschäft

    Das vergangene Quartal liefert griffige Beweise darüber, dass die Geschäfte bei den großen Ölgesellschaften immer noch sehr gut laufen, obwohl die Konjunkturerwartung zuletzt einige Dämpfer bekommen hat. Geopolitische Verzerrungen sorgen aber dafür, dass die Energiepreise hoch bleiben, in Europa stellt sich zudem eine gefährliche Abhängigkeitssitution.

    Der britisch-niederländische Öl- und Gas-Multi Shell (ex Royal Dutch Petroleum) hat im dritten Quartal von höheren Raffineriemargen und gestiegenen Ölpreisen profitiert. Der Überschuss hat sich im Vergleich zum Vorquartal mit knapp 7 Mrd. USD mehr als verdoppelt. Dieser Gewinn lag zwar marginal unter Vorjahr, insgesamt zählt das Jahr 2023 aber zu einem weiteren Rekordjahr für den Konzern. Auch der Umsatz erhöhte sich sequentiell um 2,4 % auf 76,4 Mrd. USD, er lag aber deutlich unter den verzerrten Kriegserlösen aus 2022 als ein Barrel Öl zeitweise über 120 USD gehandelt wurde. Was die Investoren freuen dürfte: Es sollen wieder Aktien im Gegenwert von 4 Mrd. USD zurückgekauft werden.

    Auch beim britischen Konkurrenten BP lief es gut, hier lagen die Erwartungen der Analysten aber deutlich höher. Mit nur 3,3 Mrd. USD Gewinn landeten die Briten 60 % unter dem Vorjahreswert, befragte Experten wollten 4 Mrd. USD sehen. Bei BP war es das Gashandelsgeschäft, was herbe Belastungen brachte. Die hohen Erwartungen schraubte man nur etwas zurück, denn bei einem warmen Winter wird es zu weiteren Abschlägen beim Gaspreis kommen. Die Geopolitik sollte aber sowohl Öl- als auch Gaspreise weiter hochhalten, berechnen Branchenexperten. Auch BP möchte für 1,5 Mrd. USD eigene Aktien vom Markt nehmen. Der Aktienkurs sank jüngst trotzdem um 16 %.

    Während die befragten Analysten auf 12 Monate einen nur um 5 % höheren Shell-Durchschnittskurs von 31,65 EUR erwarten, liegen die Hoffnungen bei BP mit 6,34 EUR und 17 % Potenzial deutlich offensiver im Markt. Offensichtlich werden der gaslastigen BP derzeit mehr Chancen eingeräumt, Shell war aber historisch in Krisenzeiten oft ein Fels in der Brandung.

    Prospera Energy – Immer mehr Öl und Gas aus Westkanada

    Egal welches Konjunkturbild man auch voranstellen möchte, das langfristige geopolitische Bild wird die Energiepreise noch für eine Weile oben halten. In diesem Szenario kann es aber immer wieder zu Verzerrungen und künstlichen Knappheiten kommen. Mutig zeigen sich derzeit kanadische Ölförderer, denn sie haben neben der hohen Binnennachfrage auch den Rohstoff-Pakt mit Deutschland im Auge, den die Bundesregierung im Frühjahr 2023 in Ottawa verhandelt hat.

    In eine gute Positionierung bringt sich derzeit auch Prospera Energy Inc. mit Sitz in Westkanada. Das Unternehmen ist auf die Exploration, Erschließung und Förderung von Erdöl und Erdgas spezialisiert und restrukturiert sich gerade neu. Die jüngere Geschichte des Unternehmens geht auf das Jahr 2002 zurück, als die Projekte noch über 5.000 Barrels Öläquivalent (BOE) aus dem Boden lieferten. Dann wurden die Ölfelder sukzessive von großen Betreibern an immer kleinere, kapitalschwache Explorer weitergegeben. Durch viele Joint-Venture-Strukturen und gegenseitigen Schuldforderungen gerieten die Projekte allmählich in Schieflage.

    Mit neuem Management wird nun eine Strukturbereinigung herbeigeführt. Seismische Untersuchungen bestätigen immer noch Ölvorräte von etwa 400 Mio. Barrel BOE im Gegenwert von etwa 30 Mrd. USD. Prospera hat unter der neuen Führung von CEO Samuel David im Sommer 2023 sein Phase 2-Erschließungsprogramm angekündigt, mit dem die Produktion stark gesteigert werden soll. Diese Phase umfasst die Umstellung von vertikalen Bohrungen auf horizontale Bohrungen, um die beträchtlichen verbleibenden Reserven in den Schwerölfeldern von Saskatchewan zu erschließen. Die Arbeiten werden nun über den Winter bis zum Beginn des Frühjahrstauwetters im nächsten Jahr fortgesetzt. Natürlich möchte Prospera die neuen Erschließungen so schnell wie möglich ans Netz bringen, um von dem aktuell starken Ölpreisumfeld zu profitieren.

    Prosperas derzeitige Bruttoproduktion beträgt 1.100 BOE, weitere 700 BOE kommen sukzessive nach Beendigung der Optimierungen noch bis zum Jahresende hinzu. Die Investitionen pro Barrel sinken bereits von zuvor 38 USD in die Range von 30 bis 32 USD und dehnen den Netto-Cashflow weiter aus. Im dritten Quartal wurde bereits ein operativer Rückfluss von 1,6 Mio. CAD erzielt. Überdies hievte der jüngste Abschluss der ersten Phase der Restrukturierung den Netto-Barwert der Liegenschaften bereits auf ca. 72 Mio. CAD. Prospera konnte sich zuletzt mit 6 Mio. CAD refinanzieren und wird nun die nächsten Phasen in Angriff nehmen. Mit 399 Mio. Aktien ist das Eigenkapital der Firma aktuell nur mit rund 40 Mio. CAD bewertet. Die Wertaufhellung dürfte zügig fortschreiten, somit ist der Einstieg bei rund 0,10 CAD innerhalb der „Tax-Loss-Season“ jetzt recht günstig.

    Plug Power – Ein Ausverkauf mit Ansage

    Völlig unter die Räder gekommen ist der Wasserstoff-Konzern Plug Power unter der Führung von CEO Andy Marsh. Nach mehreren Gewinnwarnungen und Aktionärsklagen wegen irreführender Ausblicke bekam der aufstrebende H2-Marktführer der USA nun die Quittung. Vorausgegangen war ein unterirdischer Quartalsbericht, der die Gewinnschwelle des Unternehmens in weite Ferne rückte. So ist das dritte Geschäftsquartal 2023 erneut mit einem Verlust zu Ende gegangen. Er lag im Berichtszeitraum bei -0,47 USD je Aktie, die Analystenschätzungen hatten noch optimistisch bei -0,305 USD gelegen. Zeitgleich setzte Plug Power nur rund 198 Mio. USD um und verbesserte sich zum Vorjahr damit nur homöopathisch.

    Lieferprobleme in der Fertigung von Brennstoffzellen und hohe Liquiditätsabflüsse ließen den Kurs der Aktie schließlich um weitere 40 % auf ein neues 3-Jahrestief von 3,23 USD abstürzen. Vom Allzeithoch Anfang 2021 ist die Bewertung nun um 95 % gefallen. Wir hatten vor der Überbewertung regelmäßig gewarnt. Dennoch: Wegen der hohen Aufmerksamkeit in diesem GreenTech-Titel sind immer wieder schnelle Trading-Erfolge möglich. Darf man den Analystenschätzungen diesmal Glauben schenken, handelt Plug Power nur noch mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis 2025e von 1. Kompliziert könnte sich die nächste Kapitalrunde darstellen, denn die Kassenbestände sinken. Bleiben sie noch an der Seitenlinie!

    Im Chartvergleich über 6 Monate hat sich die Aktie von Prospera Energy bislang eher seitwärts bewegt, sie bleibt aber unterhalb der Kursentwicklung von Shell, Inplay oder WTI-Öl. Mit einer weiteren Produktionsausdehnung sollte Prospera die Kurslücke zu den Peers schließen können. Quelle: Refinitiv Eikon vom 21.11.2023

    Die Energiemärkte bleiben wegen der geopolitischen Lage angespannt, denn die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ist unverändert hoch. Majors wie Shell oder BP sind Profiteure der aktuellen Versorgungslage, kleinere Ölförderer müssen ihre Finanzierungen sicherstellen. Prospera Energy hat eine 3-jährige Restrukturierung hinter sich gebracht und besitzt jetzt ausgezeichnete Perspektiven.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
    2. Markt – Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander.
    3. Wasserstoff – Technologie zur Nachrüstung von Diesel-Motoren für saubere Verbrennung und Senkung von Abgasemissionen
    4. Erdöl – Fossiler Energieträger, welcher als ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen in der Erdkruste vorkommt.

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