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20.11.2023 | 06:00

BYD, First Hydrogen, Nikola – Mobilität im Wandel, welche Aktien haben langfristig Potenzial?

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Bildquelle: pixabay.com

In den letzten Jahren hat sich die Mobilitätslandschaft drastisch verändert. Traditionelle Verbrennungsmotoren werden zunehmend von umweltfreundlicheren Alternativen wie Elektrofahrzeugen und Wasserstoff-Brennstoffzellen abgelöst. Diese Veränderungen werden auch im Transportwesen weitreichende Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie wir uns fortbewegen. Welche Technologie kann sich durchsetzen? Wir sehen uns drei Unternehmen an, die unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema haben und schauen, welche Unternehmen gut für die Zukunft aufgestellt sind.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , NIKOLA CORP. | US6541101050

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Inhaltsverzeichnis:


    BYD – hohe Bruttogewinnmarge beschert Rekordzahlen

    Der einstige Batteriehersteller BYD hat im Bereich der Elektromobilität mit seinen Blade Batterien Maßstäbe gesetzt. Im Oktober setzte der Konzern insgesamt 301.833 Elektrofahrzeuge ab. Im Vorjahr waren es nur 217.816. In diesem Jahr wurden damit rund 2,4 Mio. Fahrzeuge verkauft, gut 71 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Diese Stärke zeigte sich auch schon bei den Zahlen zum 3. Quartal. Trotz einer schwächeren Nachfrage und verstärktem Wettbewerb wurde ein Rekordgewinn erzielt. Der Nettogewinn stieg um 82,2 % auf 10,41 Mrd. CNY (ca. 1,34 Mrd. EUR). Gleichzeitig erhöhte sich der Umsatz um 38,5 % auf 162,2 Mrd. CNY (20,94 Mrd. EUR), womit die Prognosen der Analysten nicht ganz erreicht wurden.

    Trotzdem konnte der Konzern seine Gewinnprognosen erfüllen. Am Ende lag der Nettogewinn des 3. Quartals bei 10,4 Mrd. CNY (1,34 Mrd. EUR) innerhalb der vorhergesagten Spanne von 9,55 Mrd. bis 11,55 Mrd. CNY (1,23 bis 1,49 Mrd. EUR). Der Gewinn je Aktie betrug 3,58 CNY (0,46 Euro) und lag über den Erwartungen von 2,41 CNY (0,31 Euro). Verantwortlich für diese guten Zahlen ist die hohe Bruttogewinnmarge von 22,3 % in diesem Quartal. Davon können andere Automobilhersteller nur träumen. Einer der Gründe für die Widerstandsfähigkeit von BYD liegt in der vertikalen Wertschöpfungskette, wie der eigenen Batterie- und Halbleiterproduktion.

    Nach den Zahlen gab es Lob von Charlie Munger, dem Mann neben Warren Buffet bei Berkshire Hathaway. Für die Zukunft plant der Konzern vor allem die Internationalisierung. Auch ein Werk in Europa soll entstehen. Bis zum Jahresende will man den Standort bekanntgeben. Derzeit soll nach Medienberichten Ungarn im Rennen um die Fabrik vorne liegen. Auch in Mexiko will man ein Werk bauen. Die Aktie läuft seit Anfang September seitwärts und ist aktuell für 28,91 EUR zu haben. Das liegt deutlich unter dem von Goldman Sachs ausgegeben Kursziel von 40,65 EUR.

    First Hydrogen – Präsentation vor großen Kunden

    First Hydrogen hat sich auf die Entwicklung leichter Nutzfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb spezialisiert. Das Unternehmen strebt einen bedeutenden Marktvorteil an, indem es eine Konstruktions- und Integrationsstrategie anwendet, welche die beste bestehende Technologie und das beste Design einbezieht. Dazu gehören bewährte, getestete und verfügbare Komponenten wie das MAN Fahrgestell oder die Ballard Brennstoffzellen. Der Van, der bereits die Straßenzulassung besitzt und von unterschiedlichen Flottenbetreibern auf Herz und Nieren getestet ist, bietet eine Reichweite von 600 bis 1.000 km je nach Beladung, kann in unter 10 min. betankt werden und ist wartungsarm. In einem Bericht von Rivus, ein Flottenbetreiber, der das Fahrzeuge bereits testen durfte steht: „...insgesamt hat das Fahrzeug während der Tests sehr gut abgeschnitten und erschien viel robuster als ein BEV…".

    Um das Fahrzeug einer größeren Kundengruppe vorzustellen war das Unternehmen auf der Fleet + Mobility Live und hat am 31. Oktober den 1. Track Day abgehalten bei dem 20 große Flottenbetreiber eingeladen waren. Die geladenen Gäste hatten die Möglichkeit den Van auf der Teststrecke Horiba Mira zu testen. Unter den Teilnehmern waren einige der größten Unternehmen Europas und Großbritanniens aus den Bereichen Paketdienste, Supermärkte, Versorgungsunternehmen und einige mehr. Diesen Unternehmen will First Hydrogen die komplette Wertschöpfungskette anbieten. Angefangen beim Fahrzeug, über die Betankungsanlagen bis hin zum grünen Wasserstoff soll alles aus einer Hand erhältlich sein.

    Für die Tankstellen arbeitet man mit dem deutschen Partner FEV Consulting GmbH zusammen. Zur Produktion von grünem Wasserstoff soll in Quebec eine 35 MW Anlage gebaut werden, die pro Tag 15.750 kg Wasserstoff produzieren soll. Insgesamt sollen 3-5 Standorte entwickelt werden, um die verkauften Vans auch mit Wasserstoff versorgen zu können. Die Aktie von First Hydrogen ist nach dem Plug Power Beben unter Druck geraten und notiert aktuell bei 1,65 CAD. Dabei sind die langfristigen Aussichten für Wasserstoff gut, denn sowohl die Regierungen als auch die Industrie wollen die Entwicklung in diesem Bereich vorantreiben. Allein die Wasserstofferzeugung soll 2030 für 230 Mrd. USD Umsatz sorgen.

    First Hydrogen auf dem 9. International Investment Forum

    Nikola – das Geld geht aus

    Nikola hat sich auf LKWs spezialisiert und hatte von jeher das Ziel sowohl Elektro- als auch Wasserstoff-LKWs anzubieten. Am 2. November legte das Unternehmen seine Zahlen zum 3. Quartal vor. Eine Rückrufaktion von rund 200 batterieelektrischen Lastwagen aufgrund von Sicherheitsproblemen belastet das Unternehmen finanziell. Die dafür erforderlichen Maßnahmen sollen etwa 62 Mio. USD kosten. Über eine Wandelanleihe wurden 250 Mio. USD eingenommen, was den Bestand an liquiden Mitteln um 136,2 Mio. USD steigerte. Aufgrund von Stornierungen wurde ein negativer Umsatz von 1,73 Mio. USD vermeldet und der Nettoverlust lag bei gut 425 Mio. USD.

    Positiv sind die 47 Neubestellungen von batterieelektrischen LKWs, oder die 277 Vorbestellungen für den Wasserstoff-Brennstoffzellen-Truck. Allerdings sind die Organe des Unternehmens schon länger nicht mehr so positiv gestimmt. Am 17. November verkündete CFO Anastasiya Pasterick ihren Abschied, obwohl sie erst im März dieses Jahres das Management verstärkt hatte. Im August hatte CEO Michael Lohscheller hingeworfen. Das hängt sicherlich auch mit der Meldung zusammen, dass man im Februar vermelden musste, dass man möglicherweise den Betrieb in 12 Monaten nicht mehr aufrechterhalten könne.

    Für Investoren bietet sich hier aktuell kein Einstieg an, denn die Verluste sind einfach zu hoch. Ende des Jahres dürfte der Nettoverlust über 500 Mio. USD liegen. Als Rettungsanker könnte eine Kapitalerhöhung genutzt werden, was den Aktienkurs unter Druck bringen würde. Die Altaktionäre würden dann deutlich verwässert werden. Derzeit kostet eine Aktie 1,04 USD. Unterhalb von 1 USD würde die NASDAQ Notierung langfristig in Gefahr geraten.


    Wasserstoff- und Elektroantrieb werden in der Zukunft das Herzstück der emissionsfreien Mobilität sein. BYD ist dabei den etablierten Automobilherstellern Marktanteile abzunehmen. Mit der Internationalisierung dürfte die Wachstumsstory weitergehen. First Hydrogen hat sich mit den leichten Nutzfahrzeugen einen aufstrebenden Markt ausgesucht und bietet mit dem Brennstoffzellen Ansatz die Lösung, um die Schwachstellen der Elektrofahrzeuge zu beheben. Das bietet Potenzial. Nikola wird es schwer haben, aufgrund der hohen Verluste seinen Betrieb aufrecht zu erhalten. Wenn überhaupt nur über Kapitalmaßnahmen, die den Aktienkurs belasten dürften.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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