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18.08.2025 | 06:00

Wasserstoff Renaissance – Plug Power, Pure Hydrogen und Nel ASA wollen ein Stück vom 680 Mrd. USD Kuchen

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Bildquelle: pixabay.com

Die globale Wasserstoffwirtschaft steht vor dem Durchbruch. Dieser wird getrieben von milliardenschweren Dekarbonisierungszielen, Unabhängigkeitsstreben von fossilen Brennstoffen und sinkenden Ökostromkosten. Das könnte die Nachfrage bis 2050 verfünffachen. Schon 2035 sollen 60 % des Energiebedarfs aus sauberer Produktion stammen, gestützt durch über 1.500 Großprojekte weltweit. Trotz Lücken zwischen Planung und Umsetzung signalisieren Investitionen von bis zu 680 Mrd. USD in den kommenden Jahren und bahnbrechende Industrieverträge einen irreversiblen Wandel. In diesem Momentum positionieren sich drei Schlüsselplayer strategisch: Plug Power, Pure Hydrogen und Nel ASA.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , PURE HYDROGEN CORPORATION LIMITED | AU0000138190 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235

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Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power - warum der Wasserstoff-Pionier die Kurve kriegen könnte

    Plug Power zeigt endlich handfeste Verbesserungen. Der Umsatz kletterte im 2. Quartal um 21 % auf 174 Millionen USD, angetrieben durch eine explosionsartige Verdreifachung des Elektrolyseur-Geschäfts. Noch wichtiger ist, dass sich die einst desaströse Bruttomarge von -92 % auf -31 % verbessert hat. Das ist ein Quantensprung, auch wenn das Unternehmen weiter Verluste schreibt. Treiber sind das rigorose Effizienzprogramm „Project Quantum Leap“, gesunkene Servicekosten und optimierte Lieferverträge. Dieser operative Fortschritt ist kein Zufall, sondern Ergebnis konsequenten Kostenmanagements. Für Investoren signalisiert dies, dass die fundamentale Wende machbar ist.

    Internationale Großprojekte und starke Partner wie Uline öffnen Plug Power neue Märkte. Über 230 Megawatt (MW) an Elektrolyseur-Projekten sind aktuell in Europa, Australien und Nordamerika in Arbeit. Gleichzeitig schafft die Politik Planungssicherheit. Die US-„One Big Beautiful Bill“ zementiert langfristig Steuervorteile für grünen Wasserstoff. Diese Kombination aus strategischen Allianzen und regulatorischem Rückenwind reduziert Risiken und legt den Grundstein für nachhaltiges Wachstum. Das Unternehmen nutzt seine Pionierrolle, um sich als Systemanbieter für industrielle Wasserstofflösungen zu etablieren.

    Das Management hat früher oft enttäuscht, doch zuletzt zeigten die Organe Vertrauen ins eigene Unternehmen. Auffällige Insiderkäufe, besonders durch den CFO, demonstrieren Überzeugung in den eigenen Turnaround. Zwar bleibt der Cash-Verbrauch hoch, doch die Liquidität ist gesichert. Mit 140 Mio. USD an Barmitteln und zusätzlich über 300 Mio. USD verfügbarer Kreditlinie hat Plug Power Luft für die kommenden Quartale. Staatliche Darlehensgarantien mildern kurzfristige Insolvenzängste. Diese finanzielle Stabilität, gepaart mit der klaren Roadmap zur Bruttomargen-Neutralität bis Jahresende, gibt dem Unternehmen Zeit, seine Pläne umzusetzen. Die Voraussetzungen für den Turnaround sind so gut wie lange nicht. Die Aktie kostet derzeit 1,70 USD.

    Pure Hydrogen - Namensänderung als strategischer Schachzug

    Das australische Unternehmen Pure Hydrogen plant die Umfirmierung zu Pure One, was sich als klugen Schritt herausstellen könnte. Der neue Name spiegelt die erweiterte Ausrichtung wider. Das Unternehmen will nicht mehr nur Wasserstoff, sondern das gesamte Spektrum emissionsarmer Transportlösungen anbieten. Das Unternehmen behält mit „Pure“ seine Markenbekanntheit, während „One“ Führungsanspruch und Innovation signalisiert. Intern stieß der Vorschlag auf breite Zustimmung, die Aktionäre müssen auf der kommenden Hauptversammlung noch zustimmen. Diese bewusste Abkehr von einer einzigen Variante von emissionsfreien Fahrzeugen schafft Spielraum für künftige Diversifizierung, ohne Partnerschaften oder Aktionäre zu verunsichern.

    Das Herzstück bleiben Nutzfahrzeuge, jetzt aber mit größerer Technologieauswahl. Neben Wasserstoff-Brennstoffzellen (HFC) setzt Pure verstärkt auf Batterieelektrik (BEV) und neu entwickelte Hybride. Am 11. August meldete das Unternehmen neue Aufträge über mehr als 3 Mio. AUD für Wasserstoff-Lastfahrzeuge in Australien. Scott Lovatt Transport bestellt zwei TS70‑400 „Taurus“ Prime Mover im Wert von über 2 Mio. AUD, wobei der Abschluss von Fördermitteln abhängt. Heidelberg Materials ordert zudem einen zweiten 8×4‑Betonmischer. Die Auslieferungen sind für 2026 geplant. Die Aufträge deuten auf eine wachsende Nachfrage nach Wasserstoff-LKW im Schwerlastsegment hin. Auch die jüngsten Quartalszahlen zeigten zum 2. Mal in Folge einen positiven Cashflow aus dem operativen Geschäft.

    Die Internationalisierungsstrategie trägt Früchte. In Australien sichern sich namhafte Kunden wie Heidelberg Materials oder Barwon Water Wasserstoff-LKWs. Gleichzeitig eröffnen starke staatliche Anreize in Nordamerika den Markt für HFC-Lösungen. In den USA arbeitet das Unternehmen mit Riverview International zusammen. Dazu kommen Vertriebsabkommen mit Partnern wie GreenH2 LATAM in Mexiko und nun auch in Argentinien mit FRN Enterprise für ganz Südamerika. Dieser regionalspezifische Ansatz, BEV dort, wo Infrastruktur und Förderung passen, HFC wo es sinnvoll ist, maximiert die Marktreichweite und reduziert das Risiko einseitiger Abhängigkeiten. Die Analysten von MST Access sehen ein Kursziel von 0,27 AUD. Die Aktie notiert aktuell bei 0,105 AUD.

    Nel ASA - warum der Wasserstoff-Pionier noch nicht am Ende ist

    Nel steckt tief in der Krise. Die Umsätze haben sich halbiert, die Auftragseingänge sind um 74 % eingebrochen und die Produktion ist teilweise gestoppt. Besonders das Alkali-Geschäft leidet unter ausbleibenden Großprojekten. Viele Wasserstoffvorhaben sind schlicht nicht profitabel, Förderprogramme laufen schleppend an. Doch während die Quartalszahlen alarmieren, bietet die solide Cash-Reserve von 1,9 Mrd. NOK Luft zum Atmen. Diese finanzielle Robustheit gibt dem Management Zeit, den eingeleiteten Sparkurs fortzusetzen und strategische Prioritäten voranzutreiben. Das ist kein Schönreden, sondern eine notwendige Basis für die Wende.

    Hier liegt Nels größte Stärke. Das Unternehmen zählt technologisch weiterhin zur Weltspitze. Die parallele Entwicklung hocheffizienter Alkali- und PEM-Elektrolyseure, gestützt durch eine hochautomatisierte Produktion wie in Herøya, ist ein klarer Wettbewerbsvorteil. Aktuell arbeitet Nel intensiv an der nächsten Gerätegeneration. Fortschritte bei Prototypen und Testläufen sind ermutigend. Zudem zeigen strategische Partnerschaften mit Industriegrößen wie GM oder Reliance, dass führende Player weiter auf Nels Know-how setzen. Diese technologische Tiefe ist entscheidend, um künftige Großaufträge anzuziehen, sobald der Markt anspringt.

    Nels Zukunft hängt weniger von Quartalszahlen ab als vom großen Bild. Der globale Wasserstoffmarkt wächst langfristig, getrieben von Dekarbonisierungszielen und milliardenschweren Förderprogrammen in der EU und den USA. Nel hat sich durch Kapitalerhöhungen gestärkt und mit Fokussierungsmaßnahmen, wie der Ausgliederung der Tankstellensparte, effizienter aufgestellt. Entscheidend wird sein, ob politische Anreize endlich in konkrete Investitionsentscheidungen münden. Die wachsende Pipeline an Vorplanungsstudien deutet darauf hin. Wenn diese Projekte realisiert werden, ist Nel dank seiner Skalierungsfähigkeit und Technologieführerschaft gut positioniert, massiv zu profitieren. Die Wende scheint möglich, aber sie braucht Zeit und ein stabiles Marktumfeld. Die Aktie ist momentan für 2,392 NOK zu haben.


    Der globale Wasserstoffmarkt mit 680 Mrd. USD Investitionen steht vor dem Durchbruch, getrieben von Dekarbonisierung und sinkenden Ökostromkosten. In diesem Momentum positionieren sich drei Player strategisch. Plug Power zeigt mit starkem Umsatzwachstum, sprunghaft verbesserter Bruttomarge und operativer Disziplin glaubwürdige Turnaround-Signale. Pure Hydrogen (künftig Pure One) erweitert klug sein Portfolio um emissionsarme Transportlösungen und erschließt mit regionalen Partnerschaften internationale Märkte. Nel ASA stemmt sich trotz dramatischer Einbrüche in Umsatz und Auftragseingang mit technologischer Führerschaft, starker Cash-Position und Fokussierung gegen die Krise, bleibt aber auf externe Trigger angewiesen. Die Branche bewegt sich unumkehrbar vorwärts, doch das Tempo und der Erfolg der Player variieren erheblich.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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