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28.10.2022 | 04:44

Die große Aufholjagd: Varta, Altech Advanced Materials, BASF – Wer baut die beste Batterie?

  • Batterietechnologie
  • Rohstoffe
  • E-Mobilität
Bildquelle: pixabay.com

Die erste Großstadt in Deutschland macht ernst. Ab Februar 2023 dürfen in München Fahrzeuge mit Diesel-Antrieb der Schadstoffklasse Euro 4 nicht mehr innerhalb des Inneren Rings benutzt werden. Das ist ein großer Schritt, denn rund 140.000 Kraftfahrer sind von diesem Ausschluss betroffen. Sie müssen künftig ihr Fahrzeug an der Stadtgrenze parken, um per ÖPNV in die Innenstadt zu gelangen. Für das Gewerbe und die Gastronomie wird das weitreichende Folgen haben, denn vor Ort-Einkäufe von größerer Art werden für die Besitzer dieser Fahrzeuge extrem umständlich. Die Politik setzt alles auf die E-Mobilität, aber wie steht es eigentlich mit der Entwicklung leistungsfähiger und umweltfreundlicher Batterien?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: ALTECH ADV.MAT. NA O.N. | DE000A2LQUJ6 , VARTA AG O.N. | DE000A0TGJ55 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111

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Inhaltsverzeichnis:


    Varta – Zeit für eine ausgiebige Konsolidierung

    Varta-Aktionäre müssen ein dickes Fell mitbringen. Nach drei Gewinnwarnungen in Folge stürzte das Technologie-Unternehmen aus Ellwangen um ganze 80% ab. Die nun gemeldeten Q3-Zahlen bestätigen die roten Zahlen im operativen Bereich und es wurde auch deutlich weniger umgesetzt. Als Begründung führte der Batteriehersteller verzögerte Kundenprojekte im hochmargigen Segment Microbatteries und dauerhaft hohe Rohstoff- und Energiekosten an. Nach vorläufigen Zahlen rutschte das bereinigte EBITDA auf -2,5 Mio. EUR, nach einem Gewinn von 70,2 Mio. EUR im Vorjahresquartal. Die Erlöse sanken nach neun Monaten um 8% auf 571 Mio. EUR, die Experten wurden abermals negativ überrascht. Aus dem Bereich V4Drive hört man, dass wöchentlich 10.000 Einheiten für Tests ausgeliefert werden. Eine Kooperation mit einem großen Automobilhersteller soll es schon geben. Hier läge die mittelfristige Phantasie für Varta.

    Eine Guidance für 2022/23 gab es aus der neuen Führungsetage noch nicht. Vieles liegt wohl an den Verzögerungen der Auftragserteilung durch den größten Kunden Apple, der ebenfalls einen Rückgang der Nachfrage zu verzeichnen hat. Vartas Produkte sind bei den Kaliforniern stark vertreten. Die Analysten reagierten wenig überrascht, denn sie hatten das Unternehmen bereits in den letzten Monaten kräftig abgestuft. Das mittlere Kursziel der von S&P Global Market Intelligence befragten Experten beträgt 52 EUR mit einer Bandbreite von 26 bis 68 EUR. Die aktuelle Konsolidierung wird wohl noch einige Zeit andauern, denn auch das Jahr 2023 wird konjunkturell keine Verbesserung liefern. Mit 28,50 EUR ist die Aktie nun aber bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,5 angekommen und somit nicht mehr zu teuer, wenn eine Besserung der Zahlen in 2023/24 erreicht werden kann.

    Altech Advanced Materials – Mit frischen Mitteln weiter nach vorne

    Das junge Technologie-Unternehmen Altech Advanced Materials AG (kurz AAM) aus Heidelberg hat nun noch einmal Kapital eigeworben, um die firmeneigene Silumina AnodeT-Batteriematerial-Technologie nach vorne zu bringen. Insgesamt konnte das Unternehmen 4,2 Mio. EUR einsammeln, die schon im August beschlossene Kapitalherabsetzung wird nun bis zum 10. November umgesetzt. Gleichzeitig sollen über eine Wandelanleihe plus Optionsschein weitere 3,5 Mio. EUR mit Bezugsrecht eingeworben werden. Nach Kapitalschnitt und Eintragung der Durchführung der abgeschlossenen Transaktion wird das Grundkapital der Gesellschaft dann bei rund 7,06 Mio. EUR liegen.

    Ziel des Unternehmens ist es, am Markt für Lithium-Ionen-Batterien für die Elektromobilität durch innovatives und leistungsstarkes Anodenmaterial auf Basis von hochreinem Aluminiumoxid (HPA) zu partizipieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Festkörperbatterien für den stationären Batterieeinsatz. Derzeit testet man bei der Muttergesellschaft in Australien die Herstellung von Li-Ionen Batterien im Pouch-Zellen-Bauformat, welche geeignet sind, Hochleistungsanwendungen in der Elektromobilität unter jeglichen thermischen und physikalischen Bedingungen zu testen.

    Im Oktober hat Altech nun einen Auftrag für Ingenieursleistungen für die jüngst gestartete Machbarkeitsstudie zur Realisierung einer 100MWh-Produktionsanlage für Natrium-Aluminiumoxid-Festkörperbatterien vergeben. Auftragnehmer am Standort Sachsen ist die Leadec Automation & Engineering GmbH. Das Projektteam von Leadec hat mit Unterstützung des Fraunhofer IKTS seine Arbeiten am zukünftigen Produktionsstandort Schwarze Pumpe bereits aufgenommen. Im Zuge eines Joint Ventures möchte die Altech Gruppe mit dem weltweit führenden deutschen Batterieinstitut Fraunhofer IKTS eine zügige Kommerzialisierung der revolutionären CERENERGY® Natrium-Aluminiumoxid-Festkörperbatterie (SAS) erreichen.

    CERENERGY®-Batterien sind eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien für die gewerbliche und industrielle Energiespeicherung im stationären Bereich unter Zuhilfenahme regenerativer Quellen. CERENERGY®-Batterien sind feuer- und explosionssicher, haben eine Lebensdauer von mehr als 15 Jahren und funktionieren in allen Klimazonen. Grundstoff dieser Batterietechnologie ist Kochsalz, der große Einsatz von kritischen und umweltbelastenden Materialien wie Lithium, Kobalt, Graphit und Kupfer ist nicht mehr nötig. Gute Meldungen für die Altech-Aktie, sie notiert nach den Kapitalmaßnahmen wieder bei rund 1,50 EUR. Die Heidelberger haben mit ihrer Innovationskraft mittelfristig das Zeug, den Batteriemarkt ordentlich aufzurollen. Man sollte als Anleger daher am Ball bleiben.

    BASF – Geht doch, da staunen die Zweifler

    Auch BASF läuft besser als viele Zweifler gedacht hatten, denn der Umsatz in Q3 übertraf mit 21,9 Mrd. EUR den Vorjahreswert um ganze 12%. Ausschlaggebend für die Steigerung waren deutlich höhere Preise in nahezu allen Segmenten. Es zeigt sich, dass Marktführer die gestiegenen Beschaffungspreise auch an die Abnehmerseite weitergeben können. Lediglich der Bereich Surface Technologies verzeichnete niedrigere Preise infolge gesunkener Edelmetallpreise.

    „Trotz anhaltend hoher Rohstoff- und Energiepreise erzielte BASF im dritten Quartal 2022 ein solides Ergebnis. Unsere kundennahen Downstream-Segmente Surface Technologies, Agricultural Solutions, Nutrition & Care sowie Industrial Solutions steigerten ihre Ergebnisse deutlich“, sagte der BASF-Vorstandsvorsitzende Dr. Martin Brudermüller bei der Vorstellung der Zahlen. Das EBIT vor Sondereinflüssen sank im Jahresvergleich, wie von Experten erwartet, um 517 Mio. auf 1,3 Mrd. EUR. Die Reaktion des Marktes war somit auch kaum spürbar. Im Gegenteil: die Aktie konnte seit ihrem Turnaround bei rund 38 EUR schon wieder 17% zulegen.

    BASF arbeitet im Bereich Catalysts an modernen Batteriematerialien mit dem Ziel einer Reichweitenverlängerung auf 600 km mit nur 15 Minuten Ladezeit zu erreichen. Dabei forscht man vor allem an den Kathodenmaterialien und kooperiert mit internationalen Größen wie CATL. Die richtige Kathode ist von zentraler Bedeutung für die Leistung, Erschwinglichkeit, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit moderner Batterien für Elektrofahrzeuge. BASF ist schon heute der global führende Anbieter für Batteriematerialien und baut seine Marktstellung weiter aus. Auf dem Kurszettel ist der Wert nach der großen Korrektur seit einigen Wochen auch wieder gefragt.


    Die Politik sorgt mit zukunftsweisenden Entscheidungen für eine rasche Umsetzung der Ziele im Bereich E-Mobilität. Somit sind die Zeichen für die industrielle Umsetzung gesetzt. Unternehmen wie Varta und BASF forschen trotz eines bevorstehenden zyklischen Abschwungs weiter, um im nächsten Aufschwung mit Innovationen aufwarten zu können. Konsequent schreitet auch Altech Advanced Materials voran, natürlich geht das mit kleineren Millionen-Budgets nicht über Nacht.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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