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15.01.2026 | 05:00

Doppelte Rendite: Wie Char Technologies die Lücke zwischen ArcelorMittals Kohle-Hunger und Montauks Gas-Gewinnen schließt

  • Biokohle
  • erneuerbares Erdgas
  • Stahlindustrie
  • Regenerative Energie
Bildquelle: KI

Wir erleben einen historischen Wendepunkt für die globale Schwerindustrie. Wir beobachten derzeit nicht nur eine technologische Evolution, sondern eine fundamentale Neubewertung industrieller Assets, getrieben durch zwei parallele Megatrends: Die Dekarbonisierung der Primärstahlproduktion und die monetäre Aufwertung von Abfallströmen zur Energiesicherheit. Während Stahlgiganten wie ArcelorMittal durch regulatorische Daumenschrauben gezwungen sind, ihre Hochöfen neu zu erfinden und Spezialisten wie Montauk Renewables beweisen, welche enormen Bewertungen im Markt für erneuerbares Erdgas (RNG) möglich sind, positioniert sich Char Technologies genau an der Schnittstelle dieser zwei Welten. Das kanadische Unternehmen liefert mit seiner proprietären Hochtemperatur-Pyrolyse die Antwort auf beide Fragen gleichzeitig: Es produziert Biokohle für die Stahlindustrie und RNG für das Energienetz – aus einer einzigen Abfallquelle.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: CHAR Technologies Ltd. | CA15957L1040 , ARCELORMITTAL S.A. NOUV. | LU1598757687 , MONTAUK RENEWABLES INC | US61218C1036

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Inhaltsverzeichnis:


    ArcelorMittal und der Zwang zur „grünen Kohle“

    Für ArcelorMittal, den zweitgrößten Stahlproduzenten der Welt, ist der Klimaschutz kein PR-Thema mehr, sondern eine Frage des betriebswirtschaftlichen Überlebens. Der Druck durch den Europäischen Emissionshandel (EU ETS) und den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) hat eine neue Realität geschaffen, in der jede Tonne ausgestoßenes CO2 die Marge direkt belastet. Die Herausforderung ist handfest: Hochöfen benötigen Kohlenstoff nicht nur als Energiequelle, sondern als chemisches Reduktionsmittel, um Eisenerz in Stahl umzuwandeln. Wasserstoff kann diese Rolle langfristig spielen, doch kurz- und mittelfristig ist Biokohle der einzige praktikable Ersatz für fossile Kokskohle.

    Wie Branchenanalysen zeigen, ist der Markt für hochwertige Biokohle jedoch leergefegt. ArcelorMittal muss gigantische Mengen dieses Materials sichern, um Strafzahlungen in Milliardenhöhe zu vermeiden und die eigenen Ziele zu erreichen. Hier entsteht ein massives Nachfrage-Vakuum. Die Stahlindustrie sucht händeringend nach Partnern, die Biokohle nicht nur im Labormaßstab, sondern industriell und mit konstantem Kohlenstoffgehalt liefern können, um die fossile Kohle ohne Qualitätsverlust im Endprodukt zu ersetzen.

    Montauk Renewables: Der Beweis für den Wert des Gases

    Während die Stahlkocher nach Kohlenstoff suchen, zeigt ein Blick auf Montauk Renewables, wie lukrativ die andere Seite der Gleichung ist: Die Energieerzeugung aus Abfall. Montauk hat sich darauf spezialisiert, Deponiegas und Biogas in Pipeline-fähiges erneuerbares Erdgas aufzubereiten. Der Kapitalmarkt bewertet dieses Geschäftsmodell mit hohen Multiplikatoren, da RNG stabile, wiederkehrende Cashflows liefert und direkt in die bestehende Gasinfrastruktur eingespeist werden kann.

    Investoren schätzen an Werten wie Montauk die Unabhängigkeit von volatilen Rohstoffpreisen, da der „Rohstoff“ Abfall oft kostenlos oder sogar gegen eine Annahmegebühr bezogen wird. Doch Montauk konzentriert sich primär auf die Gas-Seite und lässt das stoffliche Potenzial der Reststoffe oft ungenutzt. Genau hier öffnet sich die Nische für die nächste Generation der Technologieanbieter – Unternehmen wie Char Technologies.

    Char Technologies: Ein Prozess, zwei Einnahmequellen

    Char Technologies hat genau diese Lücke identifiziert und technologisch geschlossen. Das Unternehmen nutzt ein Verfahren der Hochtemperatur-Pyrolyse (HTP), das Holzabfälle und organische Reststoffe unter Ausschluss von Sauerstoff auf über 800° Celsius erhitzt. Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Verfahren ist das Ergebnis: Char Technologies produziert nicht nur RNG, das direkt in die Gasnetze fließt, sondern gleichzeitig hochwertige Biokohle, die exakt die Spezifikationen der Stahlindustrie erfüllt.

    Diese „doppelte Rendite“ revolutioniert die Wirtschaftlichkeit. Aus einer einzigen Tonne Abfall generiert Char zwei hochwertige Produkte für zwei voneinander unabhängige Milliardenmärkte. Dass dieser Ansatz funktioniert, beweisen die jüngsten operativen Fortschritte. Wie das Unternehmen bekannt gab, schreitet die Installation des Brennofens in der Vorzeigeanlage „Thorold Renewable Energy Facility“ planmäßig voran. Diese Anlage dient als Blaupause für die globale Skalierung.

    Wie geht es nach dem jüngst erreichten Meilenstein für die Aktie von Char Technologies weiter?

    Geschäftsmodell validiert: Investoren geben grünes Licht für neue Anlage

    Dass Skalierung bei Char Technologies mehr ist als ein leeres Versprechen, zeigt die Meldung von Mittwoch: Die BMI Group hat ihr Engagement bekräftigt und 10 Mio. CAD für das Biokohle-Projekt am Standort Espanola, Ontario zugesagt. Geplant ist eine Anlage, die jährlich bis zu 50.000 Tonnen Biokohle produzieren soll – das Fünffache der Kapazität der Referenzanlage in Thorold. Auf dem Gelände einer ehemaligen Papierfabrik wird Char Technologies lokale Holzabfälle nutzen, um Biokohle und Synthesegas zu erzeugen. Das Bekenntnis der BMI Group zu den zuvor angekündigten Plänen senkt das Risiko auf Seiten von Char Technologies und ermöglicht Skalierung.

    Das Vertrauen des Marktes und der öffentlichen Hand in das Geschäftsmodell von Char Technologies ist damit validiert. Neben der BMI Group erfolgte bereits eine Förderung der Regierung von Ontario über 2,25 Millionen CAD, um die Kommerzialisierung der Biokohle-Pellets zu beschleunigen. Char positioniert sich damit in einer Nische, die das Beste aus zwei Welten vereint: Die RNG-Cashflows eines Versorgers wie Montauk und die strategische Unverzichtbarkeit für Industriegiganten wie ArcelorMittal. Für Investoren bietet Char Technologies damit den seltenen Zugang zur Schnittmenge von Energiewende und industrieller Dekarbonisierung, ohne das Risiko einer einseitigen Marktabhängigkeit.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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