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21.07.2020 | 07:05

Gazprom, Saturn Oil & Gas, Shell - Gewinner eines Lieferkettengesetzes

  • Lieferkettengesetz
Bildquelle: pixabay.com

In den vergangenen Wochen wurde in den deutschen Medien häufig über ein sogenanntes Lieferkettengesetz berichtet. Ziel eines solchen Gesetzes soll sein, dass deutsche Unternehmen die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt bei der Material- und Produktbeschaffung achten. Die Welt soll besser werden und skrupellose Geschäftspraktiken sollen den fairen Wettbewerb nicht gefährden. Klingt nach einer spannenden Initiative, die den Verbraucher von dem unwissentlichen Erwerb von ethisch und moralisch bedenklichen Produkten schützen kann. Die Umsetzung des Gesetzes steht noch aus, weil Marktteilnehmer eine Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen fürchten. Es gäbe aber auch Gewinner - sogar an der Zapfsäule.

Lesezeit: ca. 2 Minuten. | Autor: Mario Hose
ISIN: US3682872078 , CA80412L1076 , GB00B03MLX29

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Der Autor

Mario Hose

In Hannover geboren und aufgewachsen, verfolgt der Niedersachse die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Als leidenschaftlicher Unternehmer und Kolumnist erklärt und vergleicht er die verschiedensten Geschäftsmodelle sowie Märkte für interessierte Börsianer.

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Gutes Erdöl ist erstrebenswert

Stellen Sie sich vor, Sie hätten beim nächsten Mal an der Tankstelle die Wahl zwischen ‚unbedenklichem‘ und ‚skrupellosem‘ Benzin. Die gute Sorte kommt aus Kanada, wo die Menschenrechte geachtet und Umwelt geschont werden. Der böse Treibstoff kommt z.B. aus einem Land, über das man wenig weiß, außer, dass die Todesstrafe an der Tagesordnung steht. Die Einnahmen aus dem Erdölgeschäft verwenden die skrupellosen Herrscher für Waffenkäufe, nicht um sich zu verteidigen, sondern um die Bevölkerung oder Nachbarn einzuschüchtern. Ihnen fallen wahrscheinlich gerade mehrere Länder ein, auf die diese Beschreibung passen wird.

Interessenskonflikt und Versorgungssicherheit

Spannend wird die Situation eines solchen Lieferkettengesetzes, bei Unternehmen oder Ländern, gegen die bereits ein Embargo besteht, aber dennoch ein Bezug von Produkten oder Rohstoffen notwendig ist. Man kommt relativ schnell in einen Interessenskonflikt und einem Bereich der politischen Auslegung. Würde die Bundesregierung aufgrund eines Embargos gegen Russland auf den Bezug von Erdgas von Gazprom aus Russland verzichten (können)? Ausgeschlossen. Deutschland ist auf absehbare Zeit auf Erdgas aus Russland schlichtweg angewiesen.

Welche Macht hat ein Lieferkettengesetz wirklich?

Die Befürworter eines Lieferkettengesetzes führen plakativ eindeutige Fälle an, bei denen der Betrachter ohne Zweifel zu der Entscheidung kommen wird, was richtig ist und was der Gesellschaft nicht guttut. Kritisch wird es hingegen in Bereichen, die weniger eindeutig sind. Richte ich z.B. mehr Schaden an, wenn ich gewisse Produkte nicht mehr aus Entwicklungsländern mit geringen Standards kaufe und stattdessen die Ware aus zertifizierten Quellen in Industrieländern beziehe? Wer kommt für den Einkommenswegfall der Menschen aus nicht regulierten Märkten auf?

Kann ein deutsches oder europäisches Lieferkettengesetz neue Maßstäbe für Mensch und Natur in schwachen Ländern und Regionen schaffen oder wird gar das Gegenteil verursacht, weil der Verdienstdruck zu hoch ist und die Menschen dadurch zwangsweise in die Arme von skrupellosen Abnehmern aus anderen Teilen der Welt getrieben werden? Wir wissen es nicht. Es ist wäre ein Experiment.

Bedenkenloses kanadisches Erdöl

Beim Thema Erdöl würden Unternehmen wie Saturn Oil & Gas aus Kanada bei einem globalen Lieferkettengesetz der G7 oder G20 Staaten erheblich profitieren. Es ist jedoch aufgrund der Transportwege illusorisch, dass verarbeitetes Erdöl aus der kanadischen Provinz Saskatchewan an eine Tankstelle in München gelangt. Der heimische und benachbarte US-Markt ist für kanadische Unternehmen groß genug, wenn der Import von bedenklichem Rohöl wegfallen würde. Shell aus Europa stand in der Vergangenheit schon häufiger im Fokus von einer kritischen Berichterstattung und wurde von Umweltschutzorganisationen bereits mehrfach hart angegangen. Aber auch solche Konzerne entwickeln sich weiter und lernen dazu. Es wird sich zeigen wohin die Reise geht.


Der Autor

Mario Hose

In Hannover geboren und aufgewachsen, verfolgt der Niedersachse die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Als leidenschaftlicher Unternehmer und Kolumnist erklärt und vergleicht er die verschiedensten Geschäftsmodelle sowie Märkte für interessierte Börsianer.

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Lexikon:

  1. Markt – Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander.
  2. Erdöl – Fossiler Energieträger, welcher als ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen in der Erdkruste vorkommt.

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