19.06.2026 | 04:55
Gewinner und Verlierer der Energiewende: Cameco stark, Nel ASA enttäuscht, American Atomics bringt sich in Position
Der globale Energiemarkt ist im Wandel und die Aktien in den verschiedenen Branchen teils ganz weit oben, teils aber auch recht weit unten. Während die Welt noch immer gespannt auf den historischen Friedensschluss zwischen den USA und dem Iran blickt, ein Deal, der die Straße von Hormus wieder öffnen und die globalen Märkte spürbar beruhigen sollte, vollzieht sich in der Energiewirtschaft ein ähnlich dramatischer Wandel. Investoren erleben derzeit ein Gefühlschaos, denn während etablierte Uranriesen wie Cameco von der Renaissance der Kernkraft profitieren, kämpft Nel ASA nach massiven Auftragseinbrüchen um seine Zukunft. Ganz im Hintergrund versucht eine kleinere Aktie große Wellen in Zukunft zu machen. American Atomics hat sich strategisch positioniert, um den wachsenden Bedarf an nuklearer US-Energie zu bedienen. In einer Welt, die nach dem Krieg nach Sicherheit und Unabhängigkeit verlangt, zeigen Cameco, Nel ASA und American Atomics, wer bei der Neuordnung der Energieversorgung zu den Gewinnern zählen könnte und wer den Anschluss verlieren könnte.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Matthias Schomber
ISIN:
CAMECO CORP. | CA13321L1085 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , AMERICAN ATOMICS INC | CA0240301089 | CSE: NUKE
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Matthias Schomber
Aufgewachsen im hessischen Gießen, entdeckte Matthias Schomber schon in den frühen 1990er Jahren seine Leidenschaft für die Finanzmärkte – in einer Zeit, als der Börsenhandel noch eher ein Metier für echte, eingefleischte Börsianer war. Er arbeitete dort nach seiner Banklehre für ein Privatbankhaus und erlebte auf dem Frankfurter Börsenparkett live und hautnah den Aufstieg und Fall des Neuen Marktes mit und zog daraus Lektionen, die bis heute sein Denken als Trader, Autor und Handelssystementwickler prägen.
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Cameco: Strahlender Gewinner
Cameco gehört zweifellos zu den aktuellen Gewinnern im Energiesektor. Die Nachfrage nach Uran zieht weltweit massiv an, da immer mehr Länder wieder auf Kernenergie setzen, um ihren Energiebedarf zu decken. Davon profitiert der kanadische Konzern enorm. Jüngst baute das Unternehmen seine Position weiter aus und übernahm für rund 115,75 Millionen CAD weitere 2,871 % am Cigar-Lake-Projekt. Verkäufer war TEPCO Resources. Durch diesen Deal hält Cameco nun stolze 57,418 % an dieser bedeutenden Uranlagerstätte.
Auch an der Börse spiegelt sich diese Stärke wider. Die Aktie konnte zuletzt die psychologisch wichtige Marke von 100 USD erfolgreich zurückerobern und verteidigen und liegt aktuell bei knapp 105 USD. Bis zum letzten Hoch bei knapp über 135 ist es zwar noch ein Stückchen, aber der Trend passt. Schließlich lag die Aktie im April 2025, also vor etwas mehr als einem Jahr noch bei knapp 35 USD. Seitdem hat sie sich super entwickelt. Mit langfristigen Lieferverträgen über durchschnittlich 28 Millionen Pfund Uran pro Jahr bis 2030 hat sich das Unternehmen zudem eine hervorragende Planbarkeit gesichert. Analysten sind mehrheitlich positiv gestimmt und rufen Kursziele von bis zu 202 USD auf. Cameco liefert also solide ab und festigt seinen Status als Basisinvestment im Uransektor. Da könnte noch was nach oben gehen für die Aktie.
Nel ASA: Im freien Fall
Vom strahlenden Uranmarkt blicken wir nun auf den derzeit teils wieder boomenden, teils aber auch kriselnden Wasserstoffsektor. Gegenüber Cameco bietet sich bei Nel ASA ein völlig anderes Bild. Der norwegische Konzern befindet sich in schwerem Fahrwasser. Im ersten Quartal 2026 brach der Auftragseingang um heftige 73 % auf nur noch 85 Millionen NOK ein. Das EBITDA blieb mit minus 100 Millionen NOK tief im roten Bereich. Als wäre das nicht genug, verlässt nun auch noch CEO Hakon Volldal das Unternehmen. Er wird spätestens nach seiner sechsmonatigen Kündigungsfrist gehen.
Die Börse reagierte prompt und schickte das Papier auf Talfahrt. Die Aktie verlor auf Monatssicht über 20 % und notierte zuletzt im Bereich von 0,21 bis 0,23 Euro. Immerhin verfügt Nel ASA noch über liquide Mittel in Höhe von 1,4 Milliarden NOK. Zudem gibt es Hoffnung auf eine neue alkalische Druckelektrolyse-Plattform, die die Produktionskosten drastisch senken soll. Ohne greifbare neue Großaufträge bleibt die Lage für Anleger jedoch äußerst angespannt. Besser mal abwarten und von der Seitenlinie aus zuschauen!
American Atomics: Der Angreifer
Während Nel ASA in der Krise steckt und Cameco bereits ein etablierter Riese ist, lohnt sich ein Blick auf einen aufstrebenden Akteur. American Atomics positioniert sich recht clever in einer Marktnische, die durch geopolitische Spannungen extrem an Bedeutung gewonnen hat. Das Unternehmen verfolgt eine klare "Rocks to Reactor"-Strategie. Ziel ist es, die amerikanische Lieferkette für den nuklearen Brennstoffkreislauf wieder aufzubauen.
Ein tieferer Blick in die jüngste Unternehmenspräsentation zeigt ein durchdachtes Konzept. American Atomics setzt auf ein Hub-and-Spoke-Modell. Im Zentrum steht der geplante Bau einer zentralen Uranmühle in den USA, der gemeinsam in einem Joint Venture mit CVMR realisiert werden soll. Das Vorzeigeprojekt für die Exploration liegt im Big Indian District im Lisbon Valley in Utah. Während dort auf der Westflanke historisch rund 78 Millionen Pfund Uran abgebaut wurden, will American Atomics nun die noch kaum explorierte Ostflanke erschließen. Das Management geht von spiegelbildlichen Vorkommen aus. Eine wichtige Zulieferquelle für die geplante Mühle soll zudem das Blue Streak Projekt in Colorado werden.
Genau zu diesem Blue Streak Projekt gab es am 1. Juni erfreuliche Nachrichten. Das Unternehmen veröffentlichte eine erste Mineralressourcenschätzung. Die historischen Daten aus der Pickett Corral Mine zeigen Grade von 0,29 % Uran und 1,92 % Vanadium. Kurz darauf, am 3. Juni, folgte ein strategischer Coup. Dr. Tomas J. Philipson wurde zum Vorsitzenden des Beirats ernannt. Als ehemaliger Leiter des Council of Economic Advisers im Weißen Haus bringt er ein enormes politisches Netzwerk mit. Seine Erfahrung passt perfekt zu den Plänen von American Atomics, die Unabhängigkeit der US-Uranversorgung zu stärken. Schließlich meldete das Unternehmen am 5. Juni den erfolgreichen Ticker-Wechsel an der OTCQB zu NUKUF sowie die DTC-Berechtigung (FAST). Das erleichtert US-Investoren den Handel und sollte dazu führen, die Liquidität der Aktie zu erhöhen.
Wiederholt sich die Geschichte?
Oftmals wiederholt sich an der Börse die Geschichte. Blicken wir auf den Chart von American Atomics, so notiert die Aktie derzeit in etwa auf dem Niveau, von dem aus im April 2025 der rasante Anstieg auf knapp 1 CAD startete. Für ein klares charttechnisches Kaufsignal muss das Papier nach oben hin die Marke von 0,35 CAD knacken. Gelingt dieser Ausbruch, ist ein zügiger Anstieg in Richtung 0,60 bis 0,70 CAD durchaus realistisch. Die jüngsten fundamentalen Entwicklungen und die strategische Positionierung in den USA sollten jedenfalls eine solide Basis für eine solche Aufwärtsbewegung liefern.

Fazit:
Der Energiemarkt bleibt dynamisch und anspruchsvoll. Cameco ist das nahezu perfekte Basisinvestment für alle, die auf Sicherheit und Marktmacht im boomenden Uransektor setzen wollen. Die Kanadier liefern starke Zahlen und strategisch kluge Zukäufe. Nel ASA hingegen bleibt vorerst ein riskantes Restrukturierungsszenario. Der fehlende Auftragseingang und der Chefwechsel erfordern von Anlegern viel Geduld und starke Nerven. American Atomics wiederum bietet eine erfrischend andere Perspektive. Das Unternehmen steht noch am Anfang, agiert aber strategisch klug im politisch gewollten Aufbau einer US-Uranlieferkette. Wer ein gewisses Risiko nicht scheut, findet hier einen hochspannenden Wert mit Aufwärtspotenzial.
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