Menü schließen




02.08.2021 | 04:33

Royal Dutch, Saturn Oil + Gas, BP: Die richtige Öl-Perle finden!

  • Öl
  • Energie
Bildquelle: pixabay.com

Die Weltkonjunktur gewinnt langsam wieder an Fahrt, wenngleich weiter Gefahr durch die Corona-Pandemie besteht. Die Vereinigung ölexportierender Staaten und seine Partnerländer (OPEC+) haben sich angesichts der Erholung der Weltkonjunktur auf eine deutliche Steigerung der Ölproduktion geeinigt. Ab August wird die Öl-Allianz ihre Tagesproduktion bis auf weiteres um jeweils monatlich 400.000 Barrel erhöhen. Sollten die Marktbedingungen es zulassen, wird die aktuell noch bestehende Produktionskürzung damit im September 2022 auslaufen. Da die Preise bislang deutlich über 70 USD bleiben, wird das Öl offensichtlich auch nachgefragt. Die Industrie läuft also scheinbar wieder auf Hochtouren. Wo liegen die Chancen für Anleger?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: SATURN OIL+GAS O.N. | CA80412L1076 , ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29 , ROYAL DUTCH SHELL B EO-07 | GB00B03MM408 , BP PLC DL-_25 | GB0007980591

Hole Dir die spannenden Kommentare direkt als Newsletter per E-Mail.

Jetzt kostenlos abonnieren

Inhaltsverzeichnis:


    Royal Dutch Shell – Dividendenerhöhung und Aktienrückkauf angekündigt

    Zu Beginn der Corona-Pandemie in 2020 hatte die Allianz OPEC+ die Tagesproduktion um rund 9,7 Mio. Barrel gekürzt. Dadurch gelang es, die Ölpreise zu stützen, die wegen des Einbruchs der Weltkonjunktur stark gefallen waren. Inzwischen wurde der Ölhahn nach und nach wieder aufgedreht. Die Produktionskürzung liegt nun noch bei etwa 5,7 Mio. Barrel am Tag. Auch dank des Förder-Limits ist der Preis für Rohöl seit Jahresbeginn um rund 40% gestiegen. Die OPEC geht davon aus, dass 2022 wieder ein weltweiter Öl-Bedarf herrscht wie vor der Corona-Krise. Das würde eine Nachfrage von rund 100 Mio. Barrel am Tag bedeuten, 45% davon liefert das Kartell.

    Eine der größten privaten Ölgesellschaften ist die britisch-niederländische Royal Dutch Shell. Im vergangenen Quartal zeigte Royal Dutch Shell mit einem Milliardengewinn wieder seine alte Stärke. Aus alter Tradition lässt man die Aktionäre an diesem Erfolg teilhaben, die Dividende wird wieder erhöht und ein Aktienrückkauf über 2 Mrd. USD steht an. Wegen des Ölpreisverfalls im letzten Jahr hatte auch Shell erstmals seit dem zweiten Weltkrieg die Dividende gekappt. Die Rahmenbedingungen für die Öl-Industrie haben sich aber nachhaltig geändert. Die Öffentlichkeit erwartet von den Öl-Multis heute verantwortliches Wirtschaften und einen Umbau der Geschäftsmodelle zu mehr Umweltschutz und Innovationen, um den Welt-Energiehunger zu stillen.

    Mit dem Anstieg der Preise für Öl und Gas schreibt Shell inzwischen wieder deutlich schwarze Zahlen, wenngleich die seit der Pandemie gestörten Lieferketten noch immer nicht die alten Absatzniveaus ermöglichen. Der Nettogewinn drehte aber schon mal von -18 auf 3,4 Mrd. USD. Damit kann Shell auch wieder an die Schuldentilgung denken. Die A-Aktie des Ölriesen konnte sich vom Oktobertief aus betrachtet glatt verdoppeln und konsolidiert nun seit vier Monaten auf hohem Niveau. Die Dividendenrendite beträgt nach der Anpassung nun wieder 3,6%. Das macht Royal Dutch wieder zu einem Basisinvestment.

    Saturn Oil & Gas – Ein ganz neuer Player am Ölmarkt

    Der kanadische Ölförderer Saturn Oil & Gas hat den 'Doppelten Rittberger' geschafft. Im letzten Jahr wollte wegen der aufkommenden Pandemie niemand mehr in Öl investieren, die damals kleine Saturn nutzte daher die Gunst der Stunde und sondierte den kanadischen Markt nach passenden Expansionsmöglichkeiten. Dass dabei eine Ölfirma mit 20-fachem Ausstoß herauskommt, hat zum damaligen Zeitpunkt wohl niemand laut gedacht.

    Saturn Oil & Gas landete im Mai 2021 einen historischen Deal und übernahm die mit 6.700 Barrel Tagesproduktion 20-mal so große Oxbow-Liegenschaft. Wegbereitend war natürlich der in 2020 fortwährend tiefe WTI-Preis zwischen 30 und 50 USD je Barrel. Damit haben die Diskontierungsmodelle einen moderaten Kaufpreis ermöglicht, der nun Mitte 2021 auch in die Realität umgesetzt wurde. Die vollzogene Akquisition hat aus Saturn Oil & Gas nun ein völlig neues Unternehmen gemacht, mit hohen Cashflows und einer dauerhaften Möglichkeit der Eigenfinanzierung von Projekten.

    Jahr für Jahr werden die Akquisitionskosten von 93 Mio. CAD planmäßig abgetragen, schon Mitte 2023 könnte dabei eine komplette Entschuldung anstehen. 378 Bohrplätze warten auf Erschließung, das ist gegenüber der vorherigen Pipeline an Projekten eine Steigerung von 180%. Da sich neben den Investitionen in die Fördersysteme auch die Infrastruktur in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat, erfolgt die Eröffnung von neuen Bohrstellen nun sehr effizient und schnell. Rückläufige Förderquoten in älteren Feldern lassen sich somit mit wenig Aufwand schnell überkompensieren.

    Die mittelfristige Planung sieht Förderquoten von 8.000 BPD (Barrels pro Tag) vor, aktuell liegt das Verhältnis Öl zu Gas bei 95 zu 5. Mit dieser Förderrate werden die Schulden bis Ende 2022 um 70 Mio. CAD gesenkt, das entspricht 60% der aktuellen Ausleihungen. Ein erheblicher Teil der Finanzplanung stützt sich auf getätigte Terminverkäufe, somit ist auch der Eintritt des bilanziellen Quantensprungs bereits gut berechenbar.

    Das Management von Saturn Oil & Gas macht deutlich, dass man sich nun in der aktiven Rolle der Branchenkonsolidierung sieht und geeignete Ergänzungen immer im Auge behält. Die Börse hatte in den letzten Wochen die Finanzierungs-Details eingepreist, den neuen Wert haben die Investoren aber wohl noch nicht erkannt. Denn sowohl die Sum-of-the-Parts-Bewertung als auch die Diskontierung der zukünftigen Finanzmittelüberschüsse liefern einen inneren Wert je Aktie von 0,40-0,50 CAD. Wer also aktuell ordert, kann bei hoher täglicher Liquidität in aller Ruhe 75% Discount auf den NAV einheimsen. Die analytische Bewertungs-Lücke sollte sich dann auch noch im Jahr 2021 schließen.

    British Petroleum (BP) – Langsam macht sich der der BREXIT bemerkbar

    Beim britischen Öl-Multi BP läuft es leider nicht so gut. Der Stoxx50-Wert gehörte zu den größten Index-Verlierern der letzten vier Wochen. Grund war sicherlich die Ausweitung der Fördermengen durch die Vereinigung OPEC+ sowie der leicht rückläufige Ölpreis im Juli. Seit ein paar Tagen sieht es wieder etwas besser aus, denn einen leichten Auftrieb erhielten die Ölpreise zuletzt von einem schwächeren Dollar. Die US-Währung reagierte auf Hinweise der amerikanischen Notenbank Fed, wonach aufgrund der aktuellen Inflationsdynamik nicht mehr dauerhaft mit niedrigen Zinsen gerechnet werden kann.

    Nach einem sehr guten ersten Quartal dürften bei BP wieder einige Belastungsfaktoren am Horizont lauern. Denn der BREXIT wirkt nun auf die Bilanzen britischer Großkonzerne. Der Energiekonzern hat in Großbritannien vereinzelt Tankstellen vorübergehend schließen müssen, da es wegen ungeklärter Visa- und Zollbestimmungen mittlerweile an LKW-Fahrern mangelt. Außerdem sind die industriellen Lieferketten auch bei Petroleumprodukten dadurch belastet, dass etliche Mitarbeiter wegen Kontakten zu Corona-Infizierten in Quarantäne bleiben mussten. Betriebe und Behörden stehen mittlerweile am Rande ihrer Belastungsgrenzen, denn das Vereinigte Königreich erlebt mit stark steigenden Infektionszahlen gerade mit voller Wucht die 4. Pandemie-Welle.

    BP lässt sich voraussichtlich am 03.08.2021 in die Bücher schauen, man darf gespannt sein, mit welchen Maßnahmen Großkonzerne auf die veränderten Regeln mit der EU reagieren und wie negativ sich die überbordende Bürokratie auf die Bilanzen niederschlägt. Die Pandemie verschärft diese Punkte noch zusätzlich. Die BP-Aktie erreichte ihr Hoch im Juni bei 3,94 EUR und hat seither um 15% konsolidiert. Wegen der hohen Unsicherheiten sollte man aktuell wohl eher an der Seitenlinie stehen.


    Die hier betrachteten Öl-Werte bilden ein Spektrum von Groß und Klein im internationalen Öl-Geschäft ab. Bei den Multi-Konzernen ist das Ergebnis von vielen politischen und öffentlichen Themen getragen, mit Saturn Oil & Gas entsteht ein neuer Stern am Rohstoff-Himmel.


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) ggf. künftig Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen halten oder auf steigende oder fallende Kurse setzen werden und somit ggf. künftig ein Interessenskonflikt entstehen kann. Die Relevanten Personen behalten sich dabei vor, jederzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente des Unternehmens kaufen oder verkaufen zu können (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei unter Umständen den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.

    Die Apaton Finance GmbH behält sich im Übrigen vor, künftig entgeltliche Auftragsbeziehungen mit dem Unternehmen oder mit Dritten in Bezug auf Berichte zu dem Unternehmen, über die im Rahmen des Internetangebots der Apaton Finance GmbH sowie in den sozialen Medien, auf Partnerseiten oder in Emailaussendungen berichtet wird einzugehen. Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.kapitalerhoehungen.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Carsten Mainitz vom 29.05.2026 | 05:30

    Cleantech-Unternehmen auf der Überholspur! Wie weit laufen die Kurse von Pure One, Nel und Plug Power noch?

    • Wasserstoff
    • Elektromobilität
    • Energie
    • Öl und Gas

    Das hohe Preisniveau von Öl- und Gas im Zuge des Iran-Konflikts verleiht Aktien von Cleantech-Unternehmen weiterhin deutlichen Rückenwind. Die Papiere von Nel und Plug Power haben zuletzt deutlich zugelegt, auch wenn Analysten dieser Entwicklung mehrheitlich skeptisch gegenüberstehen. Aber wie heißt es so schön: der Markt hat immer recht. Wenn die Analysten von Trim Capital recht haben, sollten Anleger Pure One auf dem Zettel haben. Die Experten trauen dem australischen Cleantech-Unternehmen in den nächsten beiden Jahren eine Umsatzvervielfachung zu und bescheinigen den Anteilsscheinen Tenbagger-Potenzial.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Nico Popp vom 27.05.2026 | 05:00

    Energiesicherheit in Südostasien: Importabhängigkeit belastet Toyota und Intel – dynaCERT profitiert

    • Energiekrise
    • Öl
    • Südostasien
    • Vietnam
    • Industrie
    • Logistik

    Die Länder Südostasiens stehen unter Druck: Geopolitische Instabilitäten im Nahen Osten, eskalierende Treibstoffkosten und regulatorische Vorgaben zur Dekarbonisierung zwingen etablierte Industriegiganten dazu, ihre Produktionsstandorte und Wertschöpfungsketten auf den Prüfstand zu stellen. Vietnams Wirtschaft, die im vergangenen Jahr ein robustes Wachstum von rund 8 % verzeichnete, offenbart in der aktuellen Krise eine große Verletzlichkeit. Da verarbeitetes Rohöl fast vollständig aus Kuwait importiert werden muss, führten Transportunterbrechungen zu Engpässen, in deren Folge sich Diesel seit Februar um 70 % und mehr verteuerte. Dieser Preisschock trifft die exportorientierte verarbeitende Industrie direkt und verteuert auch die Logistik. So wurde etwa die Bahn teurer. Da zudem das Stromnetz unter erheblichen Kapazitätsengpässen leidet, rücken agile Lösungsanbieter in den Fokus, die sofort Entlastung bieten.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Stefan Feulner vom 25.05.2026 | 05:10

    Generac, HPQ Silicon Inc., Quanta Services - Stromnetz-Boom treibt neue Super-Gewinner an

    • Energie
    • Batterietechnologie

    Der globale KI- und Infrastrukturboom treibt gleich mehrere Zukunftsbranchen in eine neue Wachstumsphase. Milliarden fließen in Rechenzentren, Stromnetze und Notstromversorgung, während der Bedarf an leistungsfähigeren Batteriesystemen für Drohnen, autonome Systeme und Industrieanwendungen explodiert. Gleichzeitig entstehen enorme Chancen beim Ausbau kritischer Energieinfrastruktur. Besonders Hochleistungsakkus, moderne Energietechnik und spezialisierte Infrastruktur-Dienstleister könnten zu den großen Gewinnern eines Megatrends werden, der erst am Anfang steht.

    Zum Kommentar