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15.07.2025 | 06:00

Wasserstoff am Scheidweg: Plug Power, Pure Hydrogen, Nel ASA zwischen Chance und Krise – Ihre Profit-Strategie

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Bildquelle: pixabay.com

Die Wasserstoffbranche steht 2025 an einem kritischen Wendepunkt. Trotz massiver politischer Förderung und wachsendem globalen Marktvolumen kämpfen Unternehmen mit Wirtschaftlichkeitslücken und regulatorischen Hürden. Die Kluft zwischen Ambition und Umsetzung wird zur Existenzfrage. Nur wer Innovation, Skalierbarkeit und Infrastrukturanbindung meistert überlebt die bevorstehende Marktbereinigung. In diesem Spannungsfeld entscheidet sich, wer die Milliardenchancen des grünen Wasserstoffs wirklich nutzt – oder zurückbleibt. Wir sehen uns Plug Power, Pure Hydrogen und Nel ASA an und analysieren ihren Weg.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , PURE HYDROGEN CORPORATION LIMITED | AU0000138190 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235

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Inhaltsverzeichnis:


    Bernd Krüper, President & Director, dynaCERT Inc.
    "[...] dynaCERT hat mit dem Gerät HydraGEN eine Lösung auf den Markt gebracht, die zur Nachrüstung von Dieselmotoren entwickelt wurde, um die Umwelt zu schützen und die zugleich wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. [...]" Bernd Krüper, President & Director, dynaCERT Inc.

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    Plug Power - Aufschwung mit Hürden

    Plug Power lieferte im 1. Quartal solide Zahlen. Der Umsatz stieg um 11 % auf 134 Mio. USD, angetrieben von Elektrolyseuren, Material-Handling und Kryotechnik. Trotzdem bleibt Profitabilität die große Baustelle. Der Verlust pro Aktie lag bei 0,21 USD, was zwar besser als im Vorjahr war, aber unter den Erwartungen der Analysten lag. Die Bruttomarge verbesserte sich deutlich von -132 % auf -55 %, dank Kostensenkungen und effizienteren Lieferketten. Doch bis in die schwarzen Zahlen ist es noch ein weiter Weg. Für Investoren bleibt das ein kritischer Punkt, auch wenn die Richtung stimmt.

    Die Liquiditätssituation hat sich entspannt. Plug Power reduzierte den Cash-Burn um die Hälfte, platzierte erfolgreich Aktien im Wert von 280 Mio. USD und sicherte sich eine Kreditlinie über 525 Mio. USD. Zum Quartalsende standen rund 300 Mio. USD bereit. Entscheidend ist eine staatliche Kreditgarantie von 1,66 Mrd. USD für den Bau von bis zu 6 grünen Wasserstoffanlagen in den USA. Diese Projekte sind zentral für die geplante Kapazitätssteigerung auf 500 t Wasserstoff pro Tag bis Ende 2025. Das schafft Perspektive, benötigt aber weiter hohe Investitionen.

    Operativ fokussiert sich das Unternehmen auf 3 Säulen: Material-Handling, Elektrolyseure und Wasserstoffversorgung. Mit "Quantum Leap" peilt es jährliche Einsparungen von über 200 Mio. USD an, um auf den Pfad der Profitabilität zu kommen. Die Branche wächst zwar durch die Energiewende und US-Förderung, doch politische Unsicherheiten und neue Zölle auf chinesische Importe trüben die Aussichten. Kurzfristig wird die Marge weiter im Fokus stehen. Die Frage bleibt: Kann Plug Power groß genug werden, bevor das Geld knapp wird? Zuletzt waren mehr Investoren davon überzeugt, auch der CFO Paul Middleton, der im großen Stil Aktien kaufte. Die Aktie konnte seitdem bis auf 1,62 USD klettern.

    Pure Hydrogen - mehr als Fahrzeuge im Fokus

    Die letzten Wochen brachten handfeste Fortschritte für das australische Pure Hydrogen. Nachdem das Unternehmen im Halbjahr bis Dezember 2024 bereits einen Umsatzsprung von 715 % auf 1,65 Mio. AUD meldete, legte das folgende Quartal bis Ende März 2025 deutlich nach. Mit 2,164 Mio. AUD übertraf der Umsatz das vorherige Halbjahr um rund 500.000 AUD. Damit gelang es Pure Hydrogen erstmals einen positiven Cashflow aus operativer Tätigkeit von etwa 398.000 AUD zu generieren. Das ist ein wichtiges Signal für die finanzielle Stabilität im Wachstum.

    Parallel zur operativen Konsolidierung treibt Pure Hydrogen seine globale Präsenz voran. Neben dem etablierten Engagement in Nordamerika sicherte sich das Unternehmen im Juli einen strategischen Distributor für den gesamten südamerikanischen Markt. Die Partnerschaft mit FRN Enterprise aus Argentinien öffnet Türen für Fahrzeuge und Infrastruktur. Gleichzeitig nutzt es in Nordamerika die Insolvenz von Nikola geschickt. Durch Kooperationen mit ehemaligen Nikola-Händlern erschließt es das US-Netzwerk, begünstigt durch günstige Zollbedingungen für australische Fahrzeuge. Erste Demo-Touren in Kalifornien laufen bereits. Zuvor hatte bereits der Rahmenvertrag mit GreenH2 LATAM über 44 Mio. AUD gezeigt, dass das Equipment-Geschäft international zieht. Die Zahlungseingänge erreichten im April über 1,3 Mio. AUD, ein klares weiteres Indiz für die Umsetzungskraft.

    Taurus Hydrogen Fuel Cell Prime Mover

    Rechtlich bedeutsam war die Erteilung des 15-jährigen PCA-Status für das Windorah Gasprojekt in Queensland durch die Regierung – ein Meilenstein für die geplante Ausgliederung der Gasassets unter "Eastern Gas". Zudem nutzt Pure Hydrogen clever staatliche Förderinstrumente. Für 2025 erwartet das Unternehmen etwa 1,1 Mio. AUD aus australischen Forschungszuschüssen, nachdem bereits in den Vorjahren insgesamt 1,86 Mio. AUD flossen. Diese Mittel stützen die Entwicklung emissionsfreier Technologien. Auch die 40 % Beteiligung an der Turquoise Group hat Wertsteigerungspotenzial, denn das Unternehmen produziert Graphenpulver, das neue Wundermaterial und Wasserstoff. Anfang Juli schoss die Aktie um gut 60 % nach oben und konsolidiert seitdem bis auf aktuell 0,094 AUD.

    Nel ASA - Wasserstoff-Pionier im strategischen Spannungsfeld

    Der norwegische Wasserstoff-Spezialist Nel ASA bleibt ein zentraler Name im aufstrebenden, aber herausfordernden Markt für grüne Energielösungen. Aktuell bewegt sich das Unternehmen zwischen vielversprechenden strategischen Initiativen und anhaltenden operativen Baustellen. Während globale Dekarbonisierungsziele und politische Förderprogramme in Europa und den USA langfristig Rückenwind bieten kämpft Nel kurzfristig mit der Umsetzung in konkrete, profitable Geschäfte. Die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen diese Diskrepanz deutlich.

    Nel hat wichtige strategische Partnerschaften geschmiedet, vor allem mit dem südkoreanischen Industriegiganten Samsung E&A, der mit 9,1 % zum größten Einzelaktionär aufgestiegen ist. Diese Allianz soll Nels Elektrolyseur-Technologie über Samsungs globale Netzwerke vermarkten und neue Märkte, insbesondere in Asien, erschließen. Parallel fließen substanzielle EU-Fördermittel in die Industrialisierung neuer Druckalkaline-Elektrolysetechnologie und den Ausbau der Produktionskapazitäten in Norwegen auf bis zu 4 Gigawatt. Auch in den USA wird mit einer neuen PEM-Elektrolyseur-Fabrik expandiert. Diese Initiativen zielen darauf ab, durch Skalierung die Kosten zu senken und die Wettbewerbsposition zu festigen.

    Trotz dieser positiven Signale zeigt die aktuelle operative Performance Schwächen. Deutliche Umsatzrückgänge, besonders im Kerngeschäft mit Alkaline-Elektrolyseuren, und das Ausbleiben neuer Großaufträge belasten die Bilanz. Mehrere bedeutende Projekte wurden storniert, was Unsicherheit schürt. Zwar verschafft die solide Liquidität und der bestehende Auftragsbestand Luft zum Atmen, doch der Weg zur Profitabilität ist steinig. Gleichzeitig wächst der Druck durch Wettbewerber wie Thyssenkrupp Nucera oder Plug Power, die ebenfalls massiv investieren. Die Aktie von Nel ASA notiert momentan bei 0,231 EUR.


    Die Wasserstoffindustrie steht 2025 vor einer marktbestimmenden Zäsur: Nur wer Skalierung, Profitabilität und politische Volatilität meistert, überlebt. Plug Power stabilisiert dank staatlicher Milliardenkredite, neuer Kreditlinien und reduziertem Cash-Burn seine Liquidität, kämpft jedoch weiter mit roten Zahlen und muss beweisen, dass es auch Gewinne machen kann. Pure Hydrogen punktet durch erstmals positiven operativen Cashflow, globale Expansion nach Amerika und klugen Einsatz von Subventionen. Nel ASA leidet trotz strategischer Partnerschaften und EU-Förderung unter schwacher operativer Performance, Umsatzrückgängen und Projektstornierungen. Die Diskrepanz zwischen Zukunftsinvestitionen und heutiger Rentabilität ist eklatant.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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    Kommentar von Armin Schulz vom 18.08.2025 | 06:00

    Wasserstoff Renaissance – Plug Power, Pure Hydrogen und Nel ASA wollen ein Stück vom 680 Mrd. USD Kuchen

    • Plug Power
    • Pure Hydrogen
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    • Wasserstoffantrieb
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    • Nutzfahrzeuge

    Die globale Wasserstoffwirtschaft steht vor dem Durchbruch. Dieser wird getrieben von milliardenschweren Dekarbonisierungszielen, Unabhängigkeitsstreben von fossilen Brennstoffen und sinkenden Ökostromkosten. Das könnte die Nachfrage bis 2050 verfünffachen. Schon 2035 sollen 60 % des Energiebedarfs aus sauberer Produktion stammen, gestützt durch über 1.500 Großprojekte weltweit. Trotz Lücken zwischen Planung und Umsetzung signalisieren Investitionen von bis zu 680 Mrd. USD in den kommenden Jahren und bahnbrechende Industrieverträge einen irreversiblen Wandel. In diesem Momentum positionieren sich drei Schlüsselplayer strategisch: Plug Power, Pure Hydrogen und Nel ASA.

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    • Wasserstoff
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    Die Brennstoffzelle gilt seit Jahren als Hoffnungsträger im Antriebsbereich, konnte sich im Automobilsektor aber bislang nur begrenzt etablieren. Während Batterien den Massenmarkt prägen, punkten Brennstoffzellen vor allem im Schwerlast- und Fernverkehr mit Reichweite und kurzen Tankzeiten sowie in stationären Systemen. Plug Power arbeitet an Infrastrukturprojekten, während dynaCERT mit Wasserstoffsystemen bestehende Antriebe effizienter macht und so als Brücke in die nächste Ära dienen kann. Parallel gewinnen Small Modular Reactors (SMRs) von Anbietern wie Oklo und NuScale an Bedeutung, da sie eine stabile, CO2-arme Energieversorgung für die Industrie sowie Wasserstoffproduktion versprechen. Für Anleger eröffnen sich Chancen in zwei Zukunftsmärkten: Nachhaltige Mobilität und Skalierbare Energielösungen – beide mit politischem Rückenwind und hohem Wachstumspotenzial. Wie sollten Anleger mit ihrem Depot verfahren?

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    Kommentar von Nico Popp vom 07.08.2025 | 05:00

    Wasserstoff-Wende? Schlechte Nachrichten aus Afrika: First Hydrogen, thyssenkrupp nucera, BASF

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    Wie der Spiegel berichtet, könnte die Herstellung grünen Wasserstoffs in Afrika für den Export nach Europa teurer sein als gedacht. Darauf deuten Untersuchungen von Forschenden der TU München, Oxford und der ETH Zürich hin. Demnach könnten 2030 nur 2 % von rund 10.000 untersuchten Standorten in 31 afrikanischen Ländern zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren. Der Grund liegt in der Finanzierung. Die Finanzierungskosten liegen je nach Land in Afrika zwischen 8 und 27 % - zu viel, um konkurrenzfähig zu sein. Statt der geplanten Preisgarantien von 3 EUR je kg Wasserstoff müsste die EU 5 EUR garantieren, damit Wasserstoff zuverlässig aus Afrika nach Europa fließt. Was bedeutet das jetzt für die europäische Wasserstoff-Wirtschaft?

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