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17.11.2025 | 06:00

Wie European Lithium, Hensoldt und Volkswagen die Supply-Chain-Krise meistern und für Potenzial in ihrem Depot sorgen

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Bildquelle: pixabay.com

Die globale Tech- und Rüstungsindustrie steht unter Spannung. Die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen aus begrenzten Quellen wird zum strategischen Alptraum. Jüngste Handelsbeschränkungen treiben die Preise, gefährden Lieferketten und zwingen Europa zum raschen Umdenken. Parallel warnen Studien vor einer drohenden Lithium-Lücke, die den E-Auto-Boom abrupt beenden könnte. Der Wettlauf um sichere Versorgung und technologische Souveränität ist in vollen Gange – und bietet zugleich historische Chancen. Wir sehen uns daher mit European Lithium, Hensoldt und Volkswagen drei Unternehmen an, die direkt in diesen stürmischen Märkten aktiv sind.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: EUROPEAN LITHIUM LTD | AU000000EUR7 , HENSOLDT AG INH O.N. | DE000HAG0005 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039

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Inhaltsverzeichnis:


    European Lithium - mit strategischen Projekten und voller Kasse

    European Lithium hat sich von einem reinen Lithium-Explorer zu einem breit aufgestellten Akteur für kritische Rohstoffe entwickelt. Das Portfolio umfasst zwei zentrale Säulen: das Tanbreez-Seltenen-Erden-Projekt in Grönland und das Wolfsberg-Lithiumvorhaben in Österreich. Beide Projekte adressieren die drängende Abhängigkeit des Westens von chinesischen Lieferketten. Während Wolfsberg als erste vollständig genehmigte Lithiummine Europas gilt, besticht Tanbreez durch seine immense Größe und hohe Gehalte an wertvollen schweren Seltenen Erden, die für Hochtechnologie- und Verteidigungsanwendungen unverzichtbar sind. Diese strategische Positionierung macht das Unternehmen zu einem interessanten Baustein im globalen Rohstoffpuzzle.

    Die finanzielle Ausgangslage ist robust. Durch geschickte Teilverkäufe von Aktien der Beteiligung Critical Metals Corp. spülte European Lithium in jüngster Zeit erhebliche Mittel in die Kassen. Diese Transaktionen, die ohne eine Verwässerung der eigenen Aktie erfolgten, brachten dem Unternehmen insgesamt über 180 Mio. AUD ein. Der kombinierte Barmittelbestand von European Lithium und Critical Metals beläuft sich aktuell auf etwa 325 Mio. AUD. Diese finanzielle Stärke erlaubt es dem Management, selbstbewusst in die Zukunft zu blicken und parallel ein Aktienrückerwerbsprogramm zu starten.

    Die Verbindung zu Critical Metals (CRML) ist ein entscheidender Werttreiber. European Lithium hält nach wie vor einen signifikanten Anteil von etwa 50 % an dem NASDAQ-notierten Unternehmen, der allein rechnerisch höher bewertet ist als die eigene Marktkapitalisierung von 323 Mio. AUD. Diese Bewertungsdiskrepanz bietet aus Sicht der Unternehmensführung erhebliches Potenzial. Die finanziellen Zuflüsse aus den CRML-Verkäufen fließen direkt in die Weiterentwicklung der eigenen Projekte und unterstreichen die Rolle als strategischer Finanzierer und Aktionär. Damit ist das Unternehmen gut aufgestellt, um seine ehrgeizigen Pläne voranzutreiben. Aktuell notiert die Aktie bei 0,19 AUD.

    Hensoldt - robustes Wachstum in turbulenten Zeiten

    Die europäische Rüstungsindustrie boomt nach wie vor – und der Sensorspezialist Hensoldt zieht kräftig mit. In den ersten 9 Monaten des Jahres legten sowohl der Umsatz als auch der Auftragseingang kräftig zu. Besonders beeindruckend ist das Verhältnis von neuen Aufträgen zu Erlösen, das auf 1,6 bis 1,9 hochschnellte. Vereinfacht gesagt flatterten für jeden umgesetzten EUR bis zu 1,90 EUR an neuen Aufträgen ins Haus. Angetrieben wird diese Dynamik vor allem durch Großaufträge im Kerngeschäft, etwa für hochmoderne Radarsysteme. Die Folge ist ein prall gefülltes Auftragsbuch, das die Werkshallen auf absehbare Zeit gut auslasten wird.

    Trotz dieser robusten Nachfrage hat die Konzernführung ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2025 nun etwas moderater ausgestaltet und peilt etwa 2,5 Mrd. EUR an. Auch für das kommende Jahr rechnet man mit einem verhaltenen Wachstum von rund 10 %. Doch das ist kein Grund zur Sorge. Mittel- bis langfristig hält Hensoldt unbeirrt an seinen ehrgeizigen Zielen fest und strebt weiterhin ein Wachstum von 15–20 % pro Jahr an. Parallel soll die Profitabilität kontinuierlich gesteigert werden. Für 2025 sieht man die bereinigte EBITDA-Marge bei mindestens 18 %. Die leichte Dämpfung der kurzfristigen Erwartungen zeigt aber auch, dass der rasante Kapazitätsausbau auch operative Hürden mit sich bringt.

    Wie bewerten die Analysten die Lage? Insgesamt überwiegend positiv. Zwar wurden nach den jüngsten Meldungen einige Kursziele leicht gesenkt, das durchschnittliche Kursziel liegt aber weiterhin bei soliden 96 EUR. Die Spannweite der Einschätzungen reicht von konservativen 72 EUR bis zu optimistischen 127 EUR. Die Mehrheit der Analysten rät weiterhin zum „Halten“ oder „Kaufen“. Als Gründe nennen sie das stabile operative Fundament, den rekordhohen Auftragsbestand und die strategisch wertvolle Positionierung im europäischen Verteidigungssektor. All das, so ihre Überzeugung, wird den langfristigen Wachstumskurs tragen. Derzeit ist die Aktie für 84,15 EUR zu haben.

    Volkswagen - gemischte Signale, aber leiser Optimismus

    Die jüngsten Zahlen von Volkswagen zeigen ein bekanntes Bild. Einerseits starke operative Kräfte treffen auf erhebliche Sonderbelastungen. Im 3. Quartal erzielte der Konzern ein operatives Ergebnis von 3,3 Mrd. EUR, was einer Marge von 4,1 % entspricht. Allerdings schlugen hier bereits US-Zölle mit 800 Mio. EUR zu Buche. Betrachtet man die ersten 9 Monate, wird die Diskrepanz deutlich. Während der Umsatz leicht auf 238,7 Mrd. EUR wuchs, brach das operative Ergebnis um 58 % ein. Treiber dieser Entwicklung waren neben den Zöllen auch negative Preis- und Mixeffekte. Positiv sticht dagegen der Auftragseingang hervor, der um 17 % zulegte, bei batterieelektrischen Modellen sogar um 64 %.

    Trotz der gedämpften Erwartungen bestätigte der Konzern seine Prognose für 2025 von gleichbleibenden Umsätzen und eine operative Marge zwischen 2–3 %. Die Führung deutete jedoch an, dass das obere Ende dieser Spanne wahrscheinlicher ist. Das würde für das 4. Quartal ein operatives Ergebnis von 2,7–4,4 Mrd. EUR bedeuten. Ein wichtiger Vertrauensanker ist der freie Cashflow, der im 3. Quartal 3 Mrd. EUR erreichte. Sollte dieser Trend anhalten, könnte das Jahr 2025 tatsächlich mit einem positiven Cashflow abgeschlossen werden. Diese Disziplin gibt Anlass zur Hoffnung, auch wenn externe Faktoren wie die Chipversorgung weiterhin Risiken bergen.

    Für 2026 zeichnen sich potenzielle Margengewinne ab. Eine bereinigte operative Marge von 4,5 % in den ersten 9 Monaten 2025, anstehende Restrukturierungen mit einem Kostenvorteil von 2,2 Mrd. EUR und eine geringere Margenbelastung durch Elektrofahrzeuge im kommenden Jahr sind konstruktive Elemente. Zudem signalisiert der Finanzvorstand, dass die Investitionsausgaben ihren Höhepunkt überschritten haben. Der Fünfjahresplan von 165 Mrd. EUR wird als Obergrenze verstanden. Diese strikte Kostenkontrolle, gekoppelt mit der Priorisierung von Cashflow, könnte den Konzern 2026 in ein nachhaltig positives Fahrwasser bringen. Die Herausforderungen in China und mögliche Sondereffekte bleiben jedoch ständige Begleiter. Momentan kostet eine Aktie 97,64 EUR.


    Die globale Tech- und Rüstungsindustrie navigiert durch eine Phase strategischer Neuausrichtung, angetrieben durch Lieferkettenrisiken und den Wettlauf um kritische Rohstoffe. European Lithium positioniert sich mit seinen Projekten in Österreich und Grönland als strategischer Baustein für die Rohstoffsouveränität Europas. Der Sensorspezialist Hensoldt profitiert von einem prall gefüllten Auftragsbuch und robustem Wachstum im europäischen Verteidigungssektor. Der Autoriese Volkswagen kämpft derweil mit Margendruck, zeigt aber mit einer strengen Cashflow-Disziplin und einer erholten Elektrofahrzeug-Nachfrage langsam wieder Kurs auf nachhaltige Profitabilität.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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