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01.11.2022 | 07:18

Halloween der Energiepreise: Shell, BP, Saturn Oil + Gas, Nel ASA – Ist das schon der Gipfel?

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Bildquelle: pixabay.com

Es klingt ambitioniert! Um Europa in Sachen Energieversorgung gänzlich neu aufzustellen, müsste die Europäische Union bis zum Jahr 2030 gute 300 Mrd. EUR in alternative Energiequellen, Infrastruktur und Rohstoff-Lieferverträge investieren. Bis 2021 importierte allein Deutschland 45% seiner fossilen Energie vom bis dahin geschätzten Partner Russland. Nach der Invasion in der Ukraine wird dieser Geschäftspartner wohl von der Liste gestrichen. Heißt aber auch, dass die sehr günstigen Quellen für Mitteleuropa nicht mehr zugänglich sind. Die Preise für Strom, Heizung und Mobilität werden also hoch bleiben. Welche Aktien können von diesem Szenario profitieren?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , Saturn Oil + Gas Inc. | CA80412L8832 , Shell PLC | GB00BP6MXD84 , BP PLC DL-_25 | GB0007980591

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Inhaltsverzeichnis:


    Dr. Thomas Gutschlag, CEO, Deutsche Rohstoff AG
    "[...] Die Dominanz Chinas ist unter anderem ein Grund dafür, weswegen wir uns so stark auf dem Wolfram-Markt engagieren. Hier sind rund 85% der Produktion in chinesischer Hand. [...]" Dr. Thomas Gutschlag, CEO, Deutsche Rohstoff AG

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    Shell und BP – Ist die Öl-Rally nun vorbei?

    Das Wort „Übergewinn-Besteuerung“ macht die Runde. Auch wenn es den Öl-Multis nicht gefallen wird, so sieht die Öffentlichkeit die aktuell hohen Energiepreise als „Windfall-Profit“ für die Ölkonzerne. Während diese immer neue Milliarden-Rekorde an Gewinn einfahren, drängt es die privaten Haushalte an die Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit. Ob Gasumlage oder nicht, selbst die Preisdeckelung für Haushalte und Unternehmen kostet den Steuerzahler mehrere hundert Milliarden. Warum also nicht die Übergewinne der Ölförderer abschöpfen? Leicht ist dieses Unterfangen nicht, denn rein rechtlich gibt es hierfür keine Grundlage. Im umgekehrten Fall müsste sich ein Staat ja auch an den Sonderverlusten beteiligen, die die Ölkonzerne in der Zeit der Ausbreitung der Pandemie in 2020 erlitten hatten, als der Öl-Terminpreis im April unter Null gefallen war. Aktuell brillieren die Öl-Multis natürlich unter den Sanktionsbedingungen gegenüber Russland.

    US-Präsident Joe Biden wie die EU-Kommission kritisieren die aktuellen Rekordgewinne der Energiekonzerne, nachdem etwa Shell ihren zweithöchsten Gewinn aller Zeiten bekannt gegeben und gleichzeitig ihre Dividende erhöht hat. Zudem soll es Aktienrückkäufe geben, anstatt einer dringend nötigen Preissenkung an den Zapfsäulen. Bidens Äußerungen wurden von führenden Vertretern der Ölindustrie natürlich umgehend zurückgewiesen. Alle Vorschläge der Demokraten, sogenannte Windfall-Profit-Steuern für Energieunternehmen zu erheben, sind wiederholt gescheitert, selbst als die Partei beide Kammern des Kongresses kontrollierte.

    Shell kündigte zuletzt an, in den nächsten drei Monaten weitere Aktien im Wert von 4 Mrd. USD zurückzukaufen, so dass sich die Rückkäufe in diesem Jahr auf insgesamt 18,5 Mrd. USD belaufen. Das Unternehmen plant überdies, seine Dividende für das vierte Quartal um 15% zu erhöhen. Sowohl Shell und BP sind charttechnisch an ihren Höchstständen. Da der Ölpreis mittelfristig eher leicht sinken sollte, dürften auch die üppigen Gewinne bald Geschichte sein. Analysten stufen beide Unternehmen überwiegend positiv ein und sehen im Schnitt noch bis zu 20% Kurs-Potenzial. Heute berichtet BP zum dritten Quartal, die Zahlen dürften ähnlich gut wie bei Shell aussehen.

    Saturn Oil & Gas – Das Bild zeichnet sich immer besser

    Egal welches Konjunkturbild man auch voranstellen möchte, das langfristige geopolitische Bild wird die Energiepreise noch für eine Weile oben halten. In diesem Szenario kann es aber immer wieder zu Verzerrungen und künstlichen Knappheiten kommen. Mutig zeigte sich der kanadische Ölförderer Saturn Oil & Gas, der in einer unsicheren Zeit seine Förderung innerhalb von nur zwei Jahren durch Zukäufe ordentlich ausbauen konnte. Mitte September erreichte die Tageskapazität schon den Level von 12.000 Barrel (boe/d). Mittlerweile kann die Gesellschaft 50% ihres Cashflows in die Tilgung der Kredite stecken, die für die Akquisition der zusätzlichen Viking-Felder in Saskatchewan aufgenommen wurden. Das bringt die aktuelle Verschuldung von etwa 200 Mio. CAD spätestens im Jahr 2024 an die Nulllinie, sofern die WTI-Preise bei etwa 80 USD oder darüber verbleiben sollten.

    Aufgrund von Forward-Geschäften kann Saturn seine Planungen heute bereits mit hoher Sicherheit aufstellen. Denn man konnte im zweiten Quartal einen Teil seiner erwarteten Produktion bei Spot-Preisen zwischen 95 und 115 USD auf Termin verkaufen. Was als Sicherung der Einnahmen für die Bedienung der Kredite gedacht war, erweist sich nun als Sondergewinn in den folgenden Quartalen. Aktuell profitiert das Unternehmen von den ungehedgten Förderanteilen, die zu hohen Spotmarktpreisen verkauft werden können. Das bringt die laufenden Überschüsse in ungeahnte Höhen und setzt gleichzeitig Mittel frei, die zur weiteren Erschließung eingesetzt werden können.

    Die vorliegenden Perspektiven könnten daher gar nicht besser sein. Stabile Ölpreise und steigende Förderraten gehen Hand in Hand. Die Zielmarke für die durchschnittliche Tagesausbeute in 2023 wird mit ca. 13.400 Barrel (boe/d) taxiert, das erzeugt für das Gesamtjahr ein bereinigtes EBITDA von ca. 252 Mio. CAD. Mit rund 59,7 Mio. Aktien ist die aktuelle Marktkapitalisierung nur bei 170 Mio. CAD. Perspektivisch ist Saturn Oil aktuell nur mit etwa dem 1,7-fachen Free Cashflow des Jahres 2023 bewertet. VTC Research schätzt für das zweite Halbjahr 2022 bereits einen operativen Cashflow von über 100 Mio. CAD und berechnet folgerichtig aus den nächsten vier Jahren ein DCF-Kursziel von 7,19 CAD je Aktie. Gestern erfolgte der charttechnische Ausbruch über die Marke von 2,82 CAD, die nächsten Quartalszahlen kommen am 8. November. Das Unternehmen wird sich in den nächsten Tagen auf der Rohstoffmesse in München präsentieren und danach in Europa auf Roadshow gehen. Vieles deutet darauf hin, dass Investoren die exzellente Story immer noch nicht verinnerlicht haben.

    Nel ASA – Immer mehr Aufträge, aber es dauert

    In Konkurrenz zu den fossilen Rohstoffen entwickelt sich das Thema Wasserstoff international immer weiter nach vorne. Einer der Protagonisten in Europa ist die norwegische Nel ASA. Während die vorhergehenden Quartale tendenziell enttäuschten, präsentierten sich die Norweger im letzten Bericht sehr zuversichtlich. Die Geschäfte laufen zwar noch schleppend, aber unter dem neuen CEO Hakon Volldal kann das Unternehmen einen Großauftrag nach dem anderen an Land ziehen.

    Im Großen und Ganzen enttäuschten die letzten Quartalszahlen noch etwas. Denn der operative EBITA-Verlust erhöhte sich im dritten Quartal von 113 auf 214 Mio. NOK. Zeitgleich verschlechterte das Unternehmen sich bei den Erlösen von 229 auf 183 Mio. NOK, Analysten hatten im Vorfeld Umsätze von 296 Mio. NOK erwartet. Beim Auftragseingang in Q3 konnte NEL jedoch einen Anstieg von 456% gegenüber dem Vorjahresquartal auf 775 Mio. NOK verzeichnen, das dürfte die noch knappen Kapazitäten auf einige Quartale auslasten. Immer wieder betont wird seitens des Managements, dass man sich mehr öffentliche Unterstützung für die H2-Klima-Offensive wünscht.

    Der Nel-Kurs reagierte gelassen auf die Zahlen, fiel zwar in den ersten Stunden, konnte sich aber in den letzten Tagen wieder um über 13% auf 1,23 EUR emporschwingen. Aktuelle Brokerschätzungen sehen eine breite Range in den Kurszielen zwischen 9 und 28 NOK, dennoch werden die kurzfristigen Ziele derzeit eher zugunsten einer verbesserten Langfristperspektive gesenkt. Anleger sollten bei dem volatilen H2-Wert immer auf das Momentum in der Branche achten, das zeigt aktuell wieder leicht nach oben. Aber günstig ist weltweit kein einziger Wasserstoffwert, denn es gibt keine bewertbaren Gewinne vor dem Jahr 2025.


    Die Energiemärkte bleiben angespannt, denn die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ist unverändert hoch. Shell und BP sind Profiteure der aktuellen Versorgungslage, der Wasserstoffexperte Nel ASA hat noch einen langen Weg zur Profitabilität vor sich. Saturn Oil & Gas aus Kanada kann mit einem KGV von 1,5 auf Basis 2023e aufwarten, sofern die Schätzungen des Managements eintreten.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
    2. Dividende – Die Ausschüttung an Aktionäre einer Aktiengesellschaft wird Dividende genannt.
    3. Wasserstoff – Technologie zur Nachrüstung von Diesel-Motoren für saubere Verbrennung und Senkung von Abgasemissionen

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    Das ist doch kaum zu fassen! Die Tesla-Aktie macht wieder von sich reden. Mit verhaltener Erwartung waren die Analysten in die Präsentation der Jahreszahlen gegangen, denn viele negative Gerüchte rankten sich um Elon Musks Elektroschmiede: Weniger Umsatz? Autos auf Halde? Es kam, wie wieder niemand erwartet hatte. Elen Musk lieferte und verhöhnte gleichzeitig alle Shorties, die seine Aktie noch zum Jahreswechsel unter 100 USD drücken wollten. Dieser Zock ging gehörig daneben, denn Tesla konnte sogar bessere Zahlen als erwartet liefern und für die Aktie gab es kein halten mehr. Mit plus 70% in nur 4 Wochen gehört die Tesla-Aktie mittlerweile zu den Shooting-Stars seit Jahreswechsel – den Leerverkäufern dürfte die Lust gehörig vergangen sein. Doch die Vielfalt an interessanten Aktien ist groß, wo lauern die Chancen für E-Anleger?

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    Nordex, Manuka Resources, American Lithium – Die Profiteure der Knappheit

    • Energie
    • Rohstoffe
    • Klimawende

    Täglich begleitet uns neben dem tobenden Krieg in der Ukraine die Diskussion über die Energiewirtschaft der Zukunft. Dass der Weg über erneuerbare Energien wie Windkraft und Photovoltaik führt, ist bereits beschlossene Sache. Ebenso ist die Abkehr vom Verbrennungsmotor zu mit Batterie betriebenen Elektromotoren in trockenen Tüchern. Doch die Probleme bei der Umsetzung kommen in den nächsten Jahren auf uns zu. Woher erhalten die Produzenten die bereits heute knappen Rohstoffe? Ein weiter zentraler Punkt ist die Energiespeicherung. Auch hier wird ein Rohstoff vermehrt nachgefragt, der aktuell vor allem in Russland und China produziert wird.

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    • Seltene Metalle
    • e-Mobilität
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    Einer der größten norwegischen Finanzdienstleister erhöht seinen Aktienanteil in Plug Power, dem us-amerikanischen Wasserstoffbrennzellen-Unternehmen. Der Grund: Nikola Motors hat das Unternehmen ausgewählt, um seine neue E-Mobility Flotte mit sauberen Brennstoffzellen aufzurüsten. Auch Freyr Battery hat ähnliche Ambitionen. Hier ist es der polnische Hersteller von Batteriesystemen für schwere Nutzfahrzeuge Impact Clean Power Technology, der ein Agreement mit Freyr geschlossen hat für die Abnahme sauberer Batterien. Beiden großen Deals ist eins gemeinsam: die Nachfrage an seltenen Erden, wertvollen Metallen, um die grünen Technologien zu verwirklichen. Genau hier kommt Auxico Resources ins Spiel, ein Mineralexplorationsunternehmen mit Fokus Afrika...

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