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12.09.2023 | 04:45

Jetzt wird´s gefährlich! Wasserstoff-Absturz: Nel und Plug Power abwärts, dynaCERT gibt Gas!

  • Wasserstoff
  • Dekarbonisierung
  • Alternative Energien
  • Klimawende
Bildquelle: pixabay.com

Während die Aktienmärkte zuletzt neue Höchststände erreichten und nun etwas konsolidieren, herrscht im Wasserstoff-Sektor breite Tristesse. Denn seit dem letzten Hype Anfang 2021 tendieren die Titel immer weiter abwärts. Der Inflation Reduction Act der Joe Biden Administration und die EU-Wasserstoff-Offensive hatte der Branche nur kurzfristig Anschub verleihen können. Zuletzt markierten die Protagonisten neue, mehrjährige Tiefs. Dennoch gibt es auch positive Zeichen. Wir prüfen das Chance-Risiko-Verhältnis.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: DYNACERT INC. | CA26780A1084 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

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Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power – Ist die Überbewertung nun in den Köpfen angekommen?

    Der amerikanische Platzhirsch im Geschäft mit Wasserstoff-Elektrolyseuren, Plug Power, konnte in den letzten Monaten einige Großaufträge vermelden. Das verhalf dem Aktienkurs zwischen Mai und August zu einem Bewertungssprung von über 80 %. Dann veröffentlichte das Unternehmen seine Halbjahreszahlen. Trotz deutlich gestiegener Umsätze weiteten sich die Verluste dramatisch aus. Anleger fragen sich, wann die erwarteten Skaleneffekte denn eigentlich spürbar werden? Denn trotz Umsatzverdoppelung in 2023 auf rund 1,4 Mrd. USD, bleiben die operativen Verluste bei etwa 700 Mio. USD. Ein Erreichen der Gewinnschwelle wird nun erst im Laufe des Jahres 2025 erwartet.

    Angesichts eines Kurs-Umsatz-Verhältnisses von 6 sind die Analysten auf der Plattform Refinitiv Eikon noch von erstaunlich guter Laune geprägt. 30 Experten bewerten das Zahlenwerk und resümieren zu 70 % mit einer Kaufempfehlung. Der erreichbare 12-Monats-Zielkurs liegt mit 16,60 USD rund 100 % über dem aktuell gehandelten Kurs. Das koreanische Konglomerat SK Group ist der größte Einzelaktionär von Plug Power. Sie beteiligten sich im Jahr 2021 mit 10 % des Aktienkapitals bei 29,90 USD und entwickeln mit dem US-Partner derzeit die erste koreanische Giga-Factory für Wasserstoff. In Kanada ist die SK Group an einem weiteren 5 Milliarden-Projekt beteiligt. Man kann nur hoffen, dass das Megaprojekt Nujioqonik auch einige Aufträge für Plug Power bereithält, denn derzeit kommt Wachstum nur über öffentliche Auftraggeber. Die negative Energie-Effizienz in der Umwandlung von Wasser holt noch keinen privaten Investor hinter dem Ofen hervor. Wir erwarten daher weitere Bewertungs-Abschläge für Plug Power bis zum Jahresende.

    dynaCERT – Ein Deal folgt dem nächsten

    Ebenfalls in Kanada befindet sich das Technologie-Unternehmen dynaCERT (DYA). Derzeit überrascht das Unternehmen aus Toronto fast wöchentlich mit neuen Technologiepartnerschaften und Großbestellungen. Zusammen mit seinem Partner Cipher Neutron konnte man Mitte August einen neuen Auftrag mit Strategic Resources zur Produktion von Grünem Wasserstoff besiegeln. Es geht um die Lieferung von Anionen-Elektrolyseuren an die metallurgische Anlage des BlackRock-Projekts, welches sich im Besitz von Strategic Resources in Saguenay, Quebec befindet. Das H2-Projekt ist ein Vorläufer für die Produktion von grünem Stahl. Die Kooperationsvereinbarung wird Strategic in die Lage versetzen, seinen Wasserstoffentwicklungsplan zu beschleunigen und auf die Herstellung nahezu emissionsfreier Eisenmetallprodukte für den Einsatz in Elektrolichtbogenöfen und Stahlgießereien hinzuarbeiten. Der gepachtete Industriestandort im Hafen von Saguenay bietet einen idealen Platz für den Einsatz der AEM-Elektrolyseure für Grünen Wasserstoff von Cipher Neutron.

    In der letzten Woche meldete dynaCERT die Gründung eines Finanzierungs-Teams für die Umsetzung des „Stream 2“-Programms, des Green Freight Program von Natural Resources Canada, einer Abteilung der kanadischen Regierung. Das Programm bietet qualifizierten Käufern finanzielle Unterstützung von bis zu 50 % im Erwerb von Klimaschutz-Technologien, zu denen auch die HydraGEN™-Technologie von dynaCERT zählt. Ein weiterer Schritt in der Dekarbonisierung Kanadas zugunsten künftiger Generationen. Mit einer finalen Zusage durch VERRA wird ebenso erwartet, dass die Produkte von dynaCERT die begehrte Umweltzertifizierung bekommen, damit Nutzer für ihre Einsparungen Emissions-Gutschriften erwerben können. Bei der Umrüstung förderfähiger Technologien muss es sich um dauerhafte Änderungen handeln, welche nachweislich den Dieselverbrauch von mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen senken und die Treibhausgasemissionen durch die Umstellung des verwendeten Kraftstoffs auf eine kohlenstoffärmere Alternative verringern.

    Die Aktie von dynaCERT wird derzeit aktiv im Bereich 0,19 bis 0,22 CAD gehandelt. Vermutlich sind das bereits erste Vorpositionierungen auf den zu erwartenden Newsflow der nächsten Wochen. Mit einer Marktkapitalisierung von 76 Mio. CAD werden nur die bereits erbrachten Entwicklungs-Investitionen bezahlt, die erwarteten Einnahmen aus diversen Dekarbonisierungs-Projekten könnten in Zukunft aber ein Vielfaches ausmachen.

    Der Wasserstoff-Sektor liegt derzeit schwach im Markt. Dennoch rangiert die dynaCERT-Aktie im 12-Monats-Vergleich in der Kursentwicklung deutlich vor seiner Peergroup. Quelle: Refintiv Eikon vom 11.09.2023

    Nel ASA – Der Chart ist erst mal kaputt

    Mit einer scharfen Initial-Bewegung sank der Nel ASA-Kurs in der letzten Woche unter die wichtige Marke von 1,00 EUR. Lange hatte sich der Preis über der Unterstützung halten können, doch wegen anhaltender Schwäche setzten nun dynamische Verkäufe ein. Operativ läuft es hingegen gar nicht so schlecht, denn das Orderbuch zeigt per Jahresmitte immerhin 2,97 Mrd. NOK an und in der Kasse befinden sich noch 4,1 Mrd. NOK, um die nötigen Vorfinanzierungen zu stemmen.

    Leider ist der beliebte Publikumswert mit einer Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. EUR immer noch mit dem 15-fachen Umsatz bewertet. Für viele Investoren dürfte die Einstellung auf deutlich niedrigere Bewertungen daher noch eine Zeit andauern. Aus technischer Sicht ist der Chart nun angeschlagen, die nächste wahrnehmbare Unterstützung kann erst bei etwa 0,70 EUR ausgemacht werden. Bis dahin heißt es Anschnallen oder schlichtweg "Verkaufen". Auf der Plattform Refinitiv Eikon sind sich die 26 Analysten gänzlich uneinig, das Spektrum geht von „Strong Buy“ bis „Sell“. Vermutlich brauchen die Experten noch ein paar Monate Zeit, um das deutlich schwächere Wachstum der Branche adäquat bewerten zu können. Vorsicht an der Bahnsteigkante!


    Der Wasserstoff-Sektor ist eine der schwächsten Branchen des ersten Halbjahres 2023. Die Verluste ziehen sich durch alle Segmente, zu hoch waren die Wachstumserwartungen in 2022 angesetzt worden. Plug Power und Nel ASA sollten weiter konsolidieren, hingegen kann die kanadische dynaCERT bereits deutlich Fortschritte im operativen Geschäft vermelden.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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