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18.11.2021 | 05:00

LKW und Wasserstoff als Milliarden-Geschäft: Daimler, Clean Logistics, Nikola

  • LKW
Bildquelle: pixabay.com

Wasserstoff war das Thema des vergangenen Herbstes: Aktien wie NEL kletterten immer weiter. Doch dann kam die Ernüchterung: Neben Tesla und BYD schwenkten auch immer mehr klassische Autobauer auf Elektroautos mit Akkus um. Wasserstoff-Aktien brachen ein. Doch aus der Welt ist die Technologie damit noch lange nicht. Der Energieträger bleibt für Schiffe, LKW und sogar Flugzeuge ein Hoffnungsträger. Ein deutsches Unternehmen hat erst kürzlich sogar schon einen Wasserstoff-Bus auf die Straße gebracht. Was Wasserstoff für Nutzfahrzeuge bedeutet und wie Anleger profitieren können, erklären wir am Beispiel von drei Aktien.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: Clean Logistics SE | DE000A1YDAZ7 , DAIMLER AG NA O.N. | DE0007100000 , NIKOLA CORP. | US6541101050

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Inhaltsverzeichnis:


    Dirk Graszt, CEO, Clean Logistics SE
    "[...] Wir können Busse und LKW vollständig klimaneutral umbauen. Dabei gehen wir modular und inkrementell vor. So können wir mit allen gängigen Fahrzeugtypen arbeiten und zudem auf neue Technologie und Innovation reagieren [...]" Dirk Graszt, CEO, Clean Logistics SE

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    Daimler und die LKW: Diese Geschichte ist noch nicht zuende

    Daimler ist ein Konzern mit verschiedenen Sparten. Neben den beliebten PKW, die inzwischen in eigentlich allen Modellreihen auch elektrisch zu haben sind, hat Daimler auch eine LKW-Sparte. Der Bereich Trucks & Buses trägt aktuell etwas mehr als 20% zum Gesamtumsatz des Konzerns bei und soll schon bald gesondert an die Börse kommen. Daimler Trucks dürfte eigenständig eine höhere Bewertung bekommen, als im Konzern integriert, argumentiert man bei den Schwaben. Tatsächlich zeigen Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, dass sich ein solcher Ansatz durchaus lohnen kann, etwa waren die Ausgliederungen von Siemens Energy und Siemens Healthineers überaus erfolgreich. Doch was hat Daimler Trucks eigentlich zu bieten?

    Die operative Marge bei Trucks & Buses lag zuletzt bei 6%, im Gegensatz zu satten 14,3% bei PKW. Immerhin plant Daimler, die Marge bei seinen Nutzfahrzeugen in absehbarer Zeit auf 7% zu steigern. Doch reicht das für einen Erfolg? Die Abspaltung scheint unter den Voraussetzungen kein Selbstläufer zu sein. Zwar ist Daimler bei LKW gut positioniert und verfügt mit dem Actros über einen wahren Blockbuster, doch steht die LKW-Sparte vor Umwälzungen. Der Wasserstoff-Antrieb muss kommen, sonst wird es immer schwieriger, die Klimaziele zu erreichen. Daimler selbst plant, Brennstoffzellen-LKW ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in größeren Stückzahlen auf den Markt zu bringen. So ganz hat man sich von klassischen Antrieben und der Batterie aber noch nicht verabschiedet und plant bisher einen Technologie-Mix. Inwiefern die Mobilitätswende bei Nutzfahrzeugen ohne klaren Fahrplan und ein Bekenntnis zu einer Schlüsseltechnologie gelingen kann, bleibt offen. Daimler Trucks muss profitabler werden und mehr aus der bisher guten Marktstellung machen. Ein First Mover rund um Wasserstoff zu sein, stünde den Schwaben gut zu Gesicht.

    Clean Logistics bringt Wasserstoff schon auf die Straße

    Ein solcher First Mover ist das deutsche Unternehmen Clean Logistics. Die Norddeutschen haben im Sommer weniger als ein Jahr nach dem Auftrag einen bestehenden Bus mit Verbrenner-Motor zu einem Wasserstoff-Fahrzeug konvertiert. Dasselbe macht Clean Logistics auch mit LKW und fokussiert sich dabei auf die gängigsten Modelle auf dem europäischen Markt. Der Plan von Clean Logistics: LKW, die bisher vier Jahre nach Kauf allmählich auf dem Zweitmarkt abgewrackt wurden, will das Unternehmen auf Wasserstoff umbauen und ihnen so einen neuen Lebenszyklus von zehn Jahren schenken. Am Ende steht ein Fahrzeug, das CO2-neutral ist, weniger gewartet werden muss und Fahrern trotzdem dasselbe „Look-and-Feel" bietet, als klassische LKW.

    Zu großen Konzernen, wie etwa Daimler, grenzt sich Clean Logistics durch einen modularen Ansatz und flexible Prozesse ab. Während die Großen neue Modelle und Modellreihen von langer Hand planen und dabei mitunter ein wenig holzschnittartig vorgehen, ist bei Clean Logistics alles im Fluss. In China kommen neue Bauteile auf den Markt, die Vorteile versprechen? Clean Logistics importiert diese und probiert sie aus! Verspricht ein neuer Ansatz Erfolg, wird er schnell zum Standard. Wie das Unternehmen konkret vorgeht und warum die Zeit bei Wasserstoff-Antrieben drängt, hat CEO Dirk Graszt jüngst in einem Interview verraten: „Um jedoch die Klimaziele zu erreichen, die bis 2030 vorsehen, dass wir 48% des CO2 im Bereich Mobilität einsparen, müssten wir im Güterverkehr zwischen 220.000 bis 250.000 Fahrzeuge über 7,5 Tonnen emissionslos auf die Straße bringen. Aktuell sind in Deutschland nur zehn solcher Fahrzeuge zugelassen", fasste Graszt die Situation zusammen. Die Aktie von Clean Logistics steht ebenso wie das Geschäft am Anfang. Die Ideen hinter Clean Logistics sind allerdings überzeugend. Nicht auszuschließen ist zudem, dass ein großer LKW-Anbieter seine verkorkste Wasserstoff-Strategie nachträglich mittels Zukäufen korrigieren muss.

    Nikola: Was bleibt nach dem Skandal?

    Ein Unternehmen, das lange Zeit als Übernahmekandidat galt, war Nikola. Doch dann folgte der Wasserstoff-Skandal: Nikola hatte in einem Werbevideo getrickst und seine Prototypen von Bergen rollen lassen. Inzwischen ist der Ex-Chef des Unternehmens angeklagt und feilscht um den Ort der Anklage. Das Unternehmen selbst kündigte an, für sein Fehlverhalten nur eine niedrige dreistellige Millionen-Strafe zu erwarten. Also alles gut beim selbsternannten Pionier für Wasserstoff-LKW? Der Kurs ist seit mehr als einem Jahr stark unter Druck. Zwar gibt es immer wieder kleine Lichtblicke, doch gehören derartige Gegenbewegungen zu jedem Abwärtstrend. Das Unternehmen hat Vertrauen verspielt.


    Um auf Wasserstoff-LKW zu setzen, sollten Anleger besser auf Unternehmen setzen, die auch aus dem Logistik-Sektor kommen. Daimler ist Platzhirsch und dürfte auch wenn der Start ins Wasserstoff-Zeitalter eher ruckelig ist, am Ende Marktanteile haben. Ebenfalls aus der Logistik kommt das Team von Clean Logistics. Auch hier baut man keine Luftschlösser, sondern die beliebtesten Modelle der Branche klimaneutral um. Die so gewonnenen Erfahrungen dürften bald einen Wert für sich haben – der Klimawandel ist in vollem Gange. Praktikable Lösungen sind eher heute als morgen gefragt.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
    2. Markt – Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander.

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    • Nikola
    • Mobilität
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    • Elektrofahrzeuge
    • Brennstoffzelle
    • Wasserstoff
    • Wasserstoffantrieb
    • Wasserstoff Tankstelle
    • Nutzfahrzeuge
    • grüner Wasserstoff
    • Van
    • Truck
    • LKW
    • PKW

    In den letzten Jahren hat sich die Mobilitätslandschaft drastisch verändert. Traditionelle Verbrennungsmotoren werden zunehmend von umweltfreundlicheren Alternativen wie Elektrofahrzeugen und Wasserstoff-Brennstoffzellen abgelöst. Diese Veränderungen werden auch im Transportwesen weitreichende Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie wir uns fortbewegen. Welche Technologie kann sich durchsetzen? Wir sehen uns drei Unternehmen an, die unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema haben und schauen, welche Unternehmen gut für die Zukunft aufgestellt sind.

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    Die Energiewende hat gerade erst begonnen. Der Abschied von den fossilen Brennstoffen ist beschlossene Sache. Neben Elektrifizierung soll grüner Wasserstoff für die Energie von morgen sorgen. Gewonnen aus regenerativen Energiequellen wie Wind- und Solarstrom. Hier gilt es bereits heute die Infrastruktur von morgen zu planen und umzusetzen. Am 12. Juli präsentierten die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber ihren Plan für ein Wasserstoffnetz für Deutschland, das eine Länge von 11.200 km haben soll. Neben der Anbindung von Industriestandorten soll auch die Ladeinfrastruktur für Fahrzeuge geschaffen werden. Denn vor allem die Transportbranche ist für den Ausstoß von CO2 verantwortlich. Wer sich als Anleger früh richtig positioniert, kann von dem kommenden Wasserstoffboom profitieren.

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