15.09.2026 | 05:10
Neue Angriffspunkte gegen Krebs! Warum Vidac Pharma, BioNTech und Evotec Aufmerksamkeit verdienen!
Krebszellen nutzen ausgeklügelte Schutzmechanismen, entziehen sich dem Immunsystem und programmieren ihren eigenen Stoffwechsel um. Diese Mechanismen werden nun verstärkt zur Zielscheibe von Biotechgesellschaften. BioNTech sitzt auf mehr als 16 Milliarden EUR Cash und treibt die nächste Generation von Immuntherapien voran. Evotec skaliert die Wirkstoffentwicklung über starke Allianzen, hat aber Anlegervertrauen zerstört. Die Skepsis lastet auf dem Aktienkurs. Äußerst spannend sind die Entwicklungen bei Vidac Pharma. Das Unternehmen fokussiert sich auf die metabolische Umprogrammierung entarteter Zellen. Es stehen die Ergebnisse einer vermeintlich wegweisenden Phase-2b-Studie an. Welcher Ansatz besitzt die größten Chancen?
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Carsten Mainitz
ISIN:
VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Carsten Mainitz
Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.
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Vidac – Die Spannung steigt
Vidac Pharma greift Krebszellen an ihrer verwundbarsten Stelle an, dem Zellstoffwechsel. Im Fokus steht dabei die metabolische Umprogrammierung von Tumoren. Krebszellen nutzen den sogenannten Warburg-Effekt. Die Zellen decken ihren enormen Energiebedarf über den beschleunigten Abbau von Zucker. Dadurch entziehen sie sich dem Immunsystem und sichern ihr Überleben.
Vidac setzt direkt an dieser Schnittstelle an. Die Wirkstoffkandidaten der Gesellschaft trennen ein spezifisches Enzym von den Mitochondrien der Krebszelle. Damit wird nicht nur die exzessive Energieversorgung gekappt, sondern auch das blockierte Selbstzerstörungssignal reaktiviert. Dieser hochpräzise Mechanismus verspricht eine effektive Tumorbekämpfung bei minimalen Nebenwirkungen.
Im Mittelpunkt stehen vor allem Hautkrebsvorstufen und Krebserkrankungen der Haut. Der führende Kandidat VDA-1102 wird dafür als Salbe entwickelt. Zu den Anwendungsgebieten gehören die aktinische Keratose, eine durch Sonnenschäden verursachte Hautkrebsvorstufe, und das kutane T-Zell-Lymphom. Dabei handelt es sich um eine Krebserkrankung bestimmter Immunzellen, die sich in der Haut zeigt.
Da der Warburg-Effekt bei vielen Krebsarten auftritt, adressiert Vidac auch andere Tumorgebiete. Der Wirkstoffkandidat VDA-1275 richtet sich gegen ein breites Spektrum harter, solider Tumore. In präklinischen Labor- und Tierstudien wird der Wirkstoff gezielt untersucht bei Darmkrebs, Leberkrebs, Lungenkrebs und Prostatakrebs.
Bei Vidac Pharma rückt ein entscheidender Meilenstein näher. Die Phase-2b-Studie mit dem Hoffnungsträger VDA-1102 gegen Hochrisiko-Aktinische Keratose, eine Vorstufe des weißen Hautkrebses, ist mit 39 Patienten vollständig rekrutiert. Nach einer dreimonatigen Nachbeobachtung könnten im Herbst die Ergebnisse vorliegen.
Flankierend sichert das Unternehmen seine Pipeline ab. Neben einem erteilten Patent in Kanada stärkt die Aufnahme der Tochtergesellschaft Eutopos Pharma in das Straßburger Biotech-Netzwerk Quest for Health die europäische Präsenz. Dieser Schritt könnte Türen zu EU-Fördermitteln, führenden Klinikzentren und strategischen Pharmapartnern öffnen. Am 30. September wird Vidac den Halbjahresbericht veröffentlichen.
BioNTech - Milliardenpolster trifft klinische Realität
BioNTech steht vor einem kostspieligen Umbau. Krebsmedikamente sollen zum neuen Wachstumsmotor werden, das bisherige Impfstoffgeschäft schrumpft. Aus dem „alten“ Geschäft konnte sich die Gesellschaft während der Corona-Pandemie ein üppiges Kapitalpolster aufbauen, was zur Jahresmitte bei 16,6 Mrd. EUR lag. Die Mainzer setzen auf mehrere Technologien, von mRNA-Therapien bis zu Antikörpern, die Wirkstoffe gezielt zu Tumorzellen transportieren.
Ein Hoffnungsträger ist Pumitamig, auch BNT327 genannt, den BioNTech gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelt. Der Kandidat soll die Immunabwehr gegen Krebs stärken und zugleich die Blutgefäßversorgung des Tumors hemmen. Anfang August liefen im Entwicklungsprogramm bereits sieben zulassungsrelevante Studien.
Dass Kapital allein keinen Studienerfolg garantiert, zeigte jüngst der Abbruch einer Phase-2-Studie mit der individualisierten mRNA-Therapie Autogene Cevumeran bei operiertem Darmkrebs. Ein unabhängiges Überwachungsgremium hielt einen Überlebensvorteil für unwahrscheinlich. Für Anleger stellt sich die spannende Frage, ob und wann aus der Forschungspipeline wirksame, zulassungsfähige Produkte werden.
Evotec - Große Forschungschancen, angeschlagenes Anlegervertrauen
Evotec hat sich als Forschungs- und Entwicklungspartner der Pharmabranche positioniert. Neben bezahlten Forschungsleistungen können erfolgreiche Projekte zusätzliche Meilensteinzahlungen auslösen. Ein Erfolgsbeispiel konnte im Frühjahr im Rahmen der Zusammenarbeit mit Bristol Myers Squibb geliefert werden. Der Beginn einer ersten klinischen Studie mit BMS-986506 gegen fortgeschrittenen Nierenkrebs brachte den Hamburgern 10 Mio. USD ein.
Neue Perspektiven bietet zudem die jüngst angekündigte Kooperation mit Plectonic. Plectonic Biotech ist ein deutsches Spin-off der Technischen Universität München, das sich auf die Entwicklung neuartiger Immuntherapien gegen Krebs spezialisiert hat. Gemeinsam wollen die Partner Immunzellen gezielter und schlagkräftiger gegen solide Tumoren einsetzen.
An der Börse überwiegt dennoch die Skepsis. Die Aktie notiert auf Jahrestief bei rund 2,90 EUR. Auch die jüngste News konnte Anleger nicht begeistern. Die 100%ige Tochtergesellschaft Evotec Biologics bringt das Antikörperprogramm für das US-Verteidigungsministerium gegen Orthopoxviren in die klinische Phase I.
Chancen auf eine deutliche Erholung bestehen dennoch. Evotec berichtete zuletzt über zunehmende Vertriebsaktivität, die ab dem vierten Quartal stärker zum Umsatz beitragen soll. Das Umbauprogramm „Horizon“ soll bis Ende 2027 jährliche Einsparungen von 75 Mio. EUR ermöglichen. Analysten bescheinigen dem Titel im Durchschnitt ein Upside von gut 50 %.
Fazit
Vidac setzt am Stoffwechsel der Krebszellen an und eröffnet damit einen spannenden therapeutischen Ansatz, die kommenden Phase-2b-Daten werden zur wichtigen Bewährungsprobe. BioNTech befindet sich auf dem steinigen Weg, die breite Pipeline in erfolgreiche Krebstherapien zu verwandeln, gestützt durch ein riesiges Cashpolster. Evotec braucht vor allem sichtbare Fortschritte bei Umsatz und Profitabilität, um Anlegervertrauen zurückzugewinnen.
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