15.01.2026 | 06:00
Unterbewertet im Umbruch plus Dividende? Die Analyse zu Mercedes-Benz, WashTec und Sixt
Der fundamentale Wandel der Mobilität erzeugt zwei gegensätzliche Realitäten: Während etablierte Hersteller unter massivem Innovationsdruck und schwindenden Margen stöhnen, entstehen in den Nischen des Wandels überraschende Gewinnchancen. Die strategischen Antworten auf diese Zerrissenheit könnten nicht unterschiedlicher ausfallen. Ein Premiumhersteller, ein Ausrüster für die Fahrzeugpflege und ein Mobilitätsdienstleister zeigen exemplarisch, wo die Zukunft des Fahrens auch für Anleger lukrativ werden kann. Daher lohnt ein genauer Blick auf die Wege von Mercedes-Benz, WashTec und Sixt.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
MERCEDES-BENZ GROUP AG | DE0007100000 , WASHTEC AG O.N. | DE0007507501 , SIXT SE ST O.N. | DE0007231326
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Inhaltsverzeichnis:
"[...] 2020 sind die Würfel in der Automobilindustrie endgültig in Richtung Elektromobilität gefallen. [...]" Dirk Harbecke, Executive Chairman, Rock Tech Lithium Inc.
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Mercedes-Benz - warum die Aktie wieder Fahrt aufnehmen könnte
Für langfristig orientierte Investoren zeichnen sich bei Mercedes-Benz interessante Perspektiven ab, die über die aktuellen Herausforderungen hinausweisen. Der Kern des Arguments liegt in der bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit des Luxusgeschäfts. Während der Gesamtabsatz nachgab, legten die hochprofitablen Leuchttürme wie die G-Klasse, Mercedes-Maybach und die AMG-Modelle kräftig zu. Diese Sparte beweist, dass die Fokussierung auf die obersten Preissegmente funktioniert und stabile Margen auch in turbulenten Zeiten liefern kann. Gleichzeitig konsolidiert ein Führungswechsel im Design von Gorden Wagener hin zu Bastian Baudy, dem bisherigen Designleiter von Mercedes-AMG, die Strategie und setzt auf operative Effizienz.
Ein zweiter Treiber ist die anstehende Produktoffensive, insbesondere im elektrischen Segment. Die neue Generation von Fahrzeugen wie der elektrische CLA soll mit großer Reichweite und schnellem Laden punkten. Vor allem aber positioniert sich das Unternehmen mit Partnerschaften, etwa im Bereich des autonomen Fahrens, als ernstzunehmender Technologieanbieter. Sollten diese neuen Modelle beim Kunden ankommen, könnte das dem aktuell flauen Elektrogeschäft einen deutlichen Impuls verleihen und das Wachstumsnarrativ stärken.
Für Value-orientierte Aktionäre spricht zudem die konsequente Kapitalrückführung. Das laufende Aktienrückkaufprogramm im Milliardenumfang stützt den Kurs und erhöht den Gewinn je Aktie. Kombiniert wird dies mit einer weiterhin attraktiven Dividendenrendite von 7,2 %, sofern die Dividende stabil bei 4,30 EUR gehalten wird. Diese Politik signalisiert nicht nur finanzielle Stärke, sondern ein klares Bekenntnis zur Aktionärsvergütung. In der Summe ergibt sich das Bild eines Konzerns, der seine profitable Luxuskernkompetenz nutzt, um die Transformation zu finanzieren und Investoren dabei mitzunehmen. Derzeit ist die Aktie für 59,37 EUR zu haben.
WashTec - vom Hardware-Händler zum digitalen Dienstleister
Das Geschäft mit Autowaschanlagen wirkt auf den ersten Blick ausgereizt. WashTec beweist das Gegenteil. Der Augsburger Marktführer WashTec vollzieht einen klugen Strategiewechsel weg vom reinen Verkauf von Maschinen hin zum Anbieter eines vernetzten Ökosystems. Kunden, ob Tankstellenbetreiber oder Waschstraßen-Ketten, kaufen heute keine Einzelteile mehr, sondern Lösungen für effizientere Abläufe und höhere Umsätze. WashTec bedient diese Nachfrage mit digitalen Plattformen, die den gesamten Waschprozess steuern und optimieren. Dieser Shift eröffnet neue, wiederkehrende Einnahmequellen.
Diese Transformation soll sich konkret in den Zahlen niederschlagen. Das Management strebt ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus von rund 5 % an, vor allem getrieben durch digitale Services und Premium-Angebote wie chemische Versiegelungen. Das eigentliche Ziel ist jedoch die Profitabilität. Die operative Marge (EBIT) soll bis 2027 von aktuell 9-10 % auf 12-14 % steigen. Die aktuellen Quartalszahlen zeigen den Weg. Ein überproportional wachsendes EBIT bei steigender Marge belegt, dass die Strategie erste Früchte trägt. Kosteneinsparungen durch KI-gestützte Prozesse sollen dies weiter befeuern.
Für Aktionäre übersetzt sich diese solide Fundamentallage in eine attraktive Kapitalrückführung. Das Unternehmen pflegt eine verlässliche Dividendenpolitik, zuletzt mit einer Ausschüttung von 2,40 EUR je Aktie. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm, das bis Mai 2026 ein Volumen von bis zu 5 Mio. EUR umfasst. Allein in der ersten Januarwoche 2026 kaufte das Unternehmen über 4.400 eigene Papiere zurück. Diese kombinierte Strategie aus Dividende und Buyback signalisiert das Vertrauen des Managements in die eigene Kursentwicklung und die nachhaltige Cashflow-Stärke des transformierten Geschäftsmodells. Aktuell notiert die Aktie bei 48,80 EUR und kommt damit auf eine Dividendenrendite von rund 5 %.
Sixt – was für die Aktie spricht
Trotz eines herausfordernden makroökonomischen Umfelds zeigt Sixt bemerkenswerte Robustheit. Das Unternehmen wächst weiter profitabel, getrieben von einer hohen Flottenauslastung und einer geschickten Preisdynamik. Besonders das starke Premium-Segment erweist sich als konjunkturresistenter Stabilitätsanker. Gleichzeitig verbessern eine lockere Geldpolitik und staatliche Konjunkturimpulse die Finanzierungsbedingungen und die heimische Nachfrage. Davon profitieren mittelständisch geprägte Unternehmen wie Sixt oft überproportional. Die aktuelle Bewertung bietet weiterhin Spielraum.
Die strategischen Initiativen liefern zusätzlichen Schwung. Die digitale Transformation über die eigene App senkt Kosten und stärkt die Kundenbindung. Im Carsharing-Bereich sorgt eine neue, flexible Tarifstruktur für mehr Attraktivität. International bleibt der Fokus auf der profitablen Expansion in den USA, während man in Asien strategisch selektiv agiert. Selbst in der Elektromobilität verfolgt Sixt einen pragmatischen, nachfrageorientierten Ansatz, der vor überhasteten und kostenintensiven Umstellungen schützt.
Für viele Investoren ist die solide Dividendenpolitik ein weiteres Argument, zuletzt wurden 2,70 EUR ausgeschüttet. Analysten heben die attraktive Dividendenrendite und die starke Konzernbilanz hervor. Diese finanzielle Stärke erlaubt es, Kapital für Wachstum zu reinvestieren und gleichzeitig Aktionäre zu bedienen. Diese Fundamentaldaten spiegeln sich in den Kurszielen von 100-125 EUR der Analysten wider, die überwiegend positiv bleiben und teils deutlich über dem aktuellen Kurs liegen. Das Vertrauen basiert auf der profitablen Marktstellung und der defensiven Qualität des Geschäftsmodells. Bei einem momentanen Aktienkurs von 71,15 EUR liegt die Dividendenrendite bei 3,8 %.
Der Mobilitätsumbruch bietet differenzierte Chancen jenseits der etablierten Autobauer. Mercedes-Benz finanziert mit den hohen Margen seines Luxuskerns die Elektrifizierung und belohnt Aktionäre mit einer üppigen Dividende. WashTec transformiert sich geschickt vom Maschinenbauer zum profitablen Anbieter digitaler Dienstleistungen und schafft wiederkehrende Einnahmen. Sixt überzeugt durch ein robustes, profitables Wachstum im Premium-Verleih und eine solide Bilanz.
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