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28.05.2021 | 05:08

wallstreet:online, flatexDEGIRO, Commerzbank – wer genau hinschaut…

  • Broker
  • Wachstum
  • Investments
Bildquelle: pixabay.com

Ein positives Börsenumfeld, niedrige Zinsen und der Aktienhandel zum Nulltarif sind die Gründe, welche die Kurse von Börsenmaklern und Brokern in den letzten Monaten von Allzeithoch zu Allzeithoch geschickt haben. Zwischenzeitliche Verschnaufpausen sind für die Gipfelstürmer gesund. Die jüngste Kapitalrunde beim nicht-börsennotierten Smart Broker Trade Republic mit einer Bewertung von über 4 Mrd. EUR, zeigt, welches Potenzial Investoren neuen Gebührenmodellen und einer aktiven Anlegerschaft zutrauen. Die drei folgenden Aktien sind unserer Meinung nach noch lange nicht ausgereizt.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Carsten Mainitz
ISIN: DE000A2GS609 , DE000FTG1111 , DE000CBK1001

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Inhaltsverzeichnis:


    WALLSTREET:ONLINE AG – Anteilsaufstockung als Kursturbo

    Die Vergangenheit der Gesellschaft ist beindruckend. Doch das was gerade geschieht, und wo die Gesellschaft hinwill, noch viel mehr. Die wallstreet:online AG hat sich zweifelsohne als feste Größe im deutschsprachigen Markt von Finanzportalen etabliert. Mit dem Launch des Smartbroker Ende 2019 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das stark skalierbare und dynamisch wachsende Transaktionsgeschäft wird schon bald das etablierte Kerngeschäft Werbung in den Schatten stellen, dafür wurden die richtigen Weichen gestellt. Die Kombination aus reichweitenstarken Portalen und Produktinnovationen ermöglicht es, sehr schnell im relevanten Markt zu expandieren.

    Smartbroker ist ein sogenannter Neo Broker. Neo Broker ermöglichen Kunden sehr günstig, teilweise auch ohne Kosten, zu handeln. Wie kann das funktionieren? Ganz einfach – ein anderer zahlt, das sind Plattformen wie gettex oder Broker wie Lang & Schwarz, die eine Vergütung entrichten. Zu den Wettbewerbern von Smartbroker gehören u.a. Trade Republic, justTrade und Gratisbroker. Smart Broker differenziert sich jedoch nochmals, da er niedrige Konditionen und zusätzlich ein breites Produktspektrum anbietet. Smartbroker wird von der Tochtergesellschaft wallstreet:online capital AG betrieben, an der die Berliner bislang rund 73% halten. Nun gab wallstreet:online bekannt, den Anteil an wallstreet:online capital auf mehr als 95% erhöhen zu wollen. Um das Wachstum enger zu verzahnen, übernimmt CEO Matthias Hach auch den Vorstandsposten der Tochtergesellschaft. Der langjährige Vorstand Thomas Soltau bleibt als Co-Vorstand an Bord. Schon in den letzten wenigen Monaten hat der Konzern den Vorstand deutlich erweitert und so die erforderlichen Strukturen für eine schnelle und erfolgreiche Expansion geschaffen.

    Aber was bedeutet das alles für die Aktie? Nun, Smartbroker will bis Ende des Jahres über einen Kundenstamm von 200.000 Anlegern verfügen. Das Mittelfristziel liegt ungefähr doppelt so hoch. Wir denken, dass ist viel zu tiefgestapelt. Derzeit verfügt Smartbroker über mehr als 5 Mrd. EUR an Kundengeldern. Bei einem aktuellen Kurs von 26,50 EUR ist der Konzern mit nahezu 400 Mio. EUR bewertet – das profitable Kerngeschäft Werbung natürlich eingeschlossen. Bedenkt man, dass dem Wettbewerber Trade Republic mit einem Kundenstamm von „über 1 Mio.“ und Kundengeldern von mehr als 6 Mrd. EUR jüngst eine Bewertung von über 4 Mrd. EUR zugestanden wurde, dann könnte der versierte Anleger zu dem Schluss kommen, dass die Aktie von wallstreet:online viel, viel zu günstig ist. Treffer!

    flatexDEGIRO AG – Das ist mal eine Ansage
    Diesen Dienstag veröffentlichte Europas größter Online-Broker für Privatkunden seine neue 5-Jahres-Vision. Und die kann sich sehen lassen. Erst im letzten Jahr übernahm Flatex den Konkurrenten DEGIRO. Mit dieser Aufstellung traut sich die Gesellschaft zu, im Jahr 2026 sieben bis acht Mio. Brokerage-Kunden zu betreuen und 250 bis 350 Mio. Transaktionen pro Jahr abzuwickeln. Das bedeutet, die Gesellschaft will mittelfristig im Schnitt mehr als eine Mio. Kunden pro Jahr akquirieren! Diese Zahl hört sich im ersten Augenblick vielleicht etwas zu ambitioniert an. Zu bedenken ist aber, dass flatexDEGIRO in 18 europäischen Ländern aktiv ist. Die Länder, auf die sich der Konzern hauptsächlich konzentriert, sind jene, die in Bezug auf Online-Brokerage ein enormes Aufholpotenzial haben.

    Die Börse feiert diesen Ausblick. Analysten zeigten sich begeistert und übertreffen sich mit der Anhebung ihrer Kursziele. Der SDAX-Titel notiert aktuell mit rund 105 EUR in Sichtweite des Alltime-High bei 114 EUR von Ende April. Der Börsenwert liegt derzeit bei 2,9 Mrd. EUR. Glaubt man Analysten, bietet das aktuelle Niveau eine phänomenale Kaufgelegenheit. Die jüngsten Einschätzungen von Berenberg und Warburg nennen Kursziele von 165 EUR bzw. 170 EUR. Das bedeutet ein Aufwärtspotenzial von rund 60%!

    COMMERZBANK AG – mit einem strukturierten Plan in die schwarzen Zahlen
    Mitte des Monats lud die Commerzbank ihre leidgeprüften Aktionäre zur Corona-konformen virtuellen Hauptversammlung ein. Nach vielen Jahren der Frustration, scheinen nicht nur die Worte des Managements Mut zu machen, sondern auch die ein oder andere Entwicklung. Fest steht, im Zuge einer grundlegenden Restrukturierung wird der Rotstift an vielen Punkten angesetzt. Bis Ende 2024 wird die Zahl der Vollzeitstellen konzernweit von etwa 39.500 auf 32.000 sinken. In Deutschland wird das Filialnetz fast auf 450 Standorte halbiert. Im laufenden Jahr sollen bereits 200 Filialen dicht gemacht werden. Zudem gibt der Konzern im Ausland 15 Standorte auf.

    Mit all diesen Maßnahmen will die Bank dann im Jahr 2024 rund 20% der bisherigen Kosten einsparen und damit wieder profitabel und wettbewerbsfähig werden. Wer neben Zukunftsmusik auch etwas Handfestes in der Gegenwart braucht, dem sei das Studium der Q1-Zahlen ans Herz gelegt. Denn im ersten Quartal lief es für das Institut wesentlich besser, als von Marktteilnehmern erwartet. Anstatt des von Analysten prognostizierten dreistelligen Millionenverlusts, konnte ein Gewinn in Höhe von 133 Mio. EUR ausgewiesen werden. Anleger sollen den Titel im Auge behalten. Die Aktie ist nicht teuer, insbesondere wenn weitere Erfolge der Restrukturierung sichtbar werden.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Carsten Mainitz

    Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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