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03.01.2025 | 05:55

Automotive-Revolution: BYD führt Elektrowende an, First Hydrogen setzt auf Wasserstoff, Porsche verliert Marktanteile

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Bildquelle: Porsche AG

Die Mobilitätswende ist im vollen Gange. Weltweit tüfteln innovative CEOs und wagemutige Ingenieure an umweltfreundlichen Antrieben und Energiequellen. Der chinesische Autobauer BYD beweist eindrucksvoll, wie seine Strategie aus aggressiver Preispolitik und breiter Modellpalette von Hybrid- bis Elektrofahrzeugen aufgeht. Nur noch wenige Verkaufszahlen trennen ihn vom Platzhirsch Tesla, dann ist BYD die Nummer 1 weltweit. Das innovative Unternehmen First Hydrogen geht sogar noch einen Planungsschritt weiter. Neben seinen mit Wasserstoff betriebenen Nutzfahrzeugen plant es den Bau von mehreren Mini-Reaktoren, um Wasserstoff selbst produzieren zu können. Diese Mini-Reaktoren werden in Zukunft von Tech-Giganten wie Google eingesetzt. Sonst allen voraus, fährt Porsche momentan mit angezogener Handbremse. Der starke Kursverlust aus dem letzten Jahr zwingt das Unternehmen zu einem Strategiewechsel. Auch der bisher größte Absatzmarkt China bricht ein. Worauf die Stuttgarter dieses Jahr setzen, erfahren Sie hier.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Juliane Zielonka
ISIN: First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , PORSCHE AUTOM.HLDG VZO | DE000PAH0038 , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296

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Inhaltsverzeichnis:


    BYD steigert Absatz deutlich und fordert Tesla heraus

    Im vergangenen Dezember 2024 hat der chinesische Autoproduzent BYD einen neuen Absatzrekord aufgestellt. Mit rund einer halben Million verkauften Fahrzeugen, die Elektro- bzw. Hybridantrieb besitzen, konnte der Konzern im eigenen Land eine Steigerung von satten 50,95 % gegenüber dem Vorjahr erzielen.

    Der Verkauf der Hybridantriebe entwickelte sich dabei besser als der Verkauf der reinen Elektrofahrzeuge. Diese schlugen mit 207.734 Einheiten zu Buche, Hybridantriebe mit 301.706 verkauften Einheiten. Auch international baut BYD seinen Vorsprung weiter aus. 57.154 Modelle schafften trotz möglicher Strafzölle den Sprung ins Ausland. Sollte Hauptkonkurrent Tesla nicht mindestens 467.000 Fahrzeuge im letzten Quartal ausliefern, rückt BYD an die Spitze der meistverkauften Autos mit alternativem Antrieb zum Verbrenner - bezogen auf das Jahresvolumen.

    BYD setzt in seiner Vermarktung besonders im Kleinwagensegment auf aggressiven Preiskampf durch Rabatte und steigende Popularität für Hybridantriebe. Auch die schwächelnden Marken wie Volkswagen oder Stellantis verhelfen den Chinesen zu einer stärkeren Marktmacht.

    Besonders positiv verläuft der Absatz in Norwegen. Mit rund 5,7 Mio. Einwohnern profitiert das Land von günstigen Strompreisen und liegt im europäischen Vergleich mit durchschnittlich 19,9 Cent pro Kilowattstunde im preiswerten Segment. Wasserkraft liegt mit 90 % der Stromerzeugung im Land der Fjorde an der Spitze. Durchschnittlich fährt der Norweger rund 40 km pro Tag. Das Land besitzt keine eigene Automobilindustrie, die in irgendeiner Form geschützt werden muss. Gut für BYD in diesem Fall. In den letzten fünf Jahren konnte BYD dort seinen Marktanteil bei Neuwagen auf rund 10 % steigern.

    First Hydrogen setzt auf Mini-Kernreaktoren für Wasserstoffproduktion

    Energieerzeugung und -versorgung ist auch für das Unternehmen First Hydrogen das Thema des neuen Jahres. Das Unternehmen hat zwei Geschäftsbereiche. Zum einen der Bau von Wasserstoff angetriebenen Nutzfahrzeugen. Damit konnte First Hydrogen in den vergangenen Monaten erfolgreiche Pilotphasen abschließen. Die Vans, die für den Lieferverkehr in Städten und deren Umgebung gedacht sind, konnten bisher mit einer einzigen Wasserstoffbetankung eine Strecke von 630 km am Stück fahren. Eine beeindruckende Reichweite im Vergleich zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen der gleichen Bauweise.

    Der zweite Geschäftsbereich ist die Produktion von Wasserstoff. Derzeit plant First Hydrogen den Einsatz kleiner modularer Kernreaktoren (SMR) zur Erzeugung von grünem Wasserstoff in Kanada und der Europäischen Union. SMR steht für „Small Modular Reactor“. Diese kompakten Reaktoren sollen eine stabile und kostengünstige Energieversorgung für die Wasserstofferzeugung sicherstellen. Ein Reaktor erzeugt 300 MW und damit ⅕ eines herkömmlichen AKW. Die Stromkosten aus einem SMR liegen bei etwa 3,6 Cent pro Kilowattstunde.

    Gegenüber herkömmlichen Kernkraftwerken bieten SMRs entscheidende Vorteile: Der Platzbedarf ist geringer, sie können schneller gebaut werden und ihre Stromlieferung ist wetterunabhängig. Damit Wasserstoff in der Fläche als Energielieferant angeboten werden kann, plant First Hydrogen, seine Reaktoren gezielt in Regionen mit begrenzter Netzstromversorgung zu bauen. Das Ziel ist die Versorgung von Tankstellen. Je nach Bedarf kann auch die modulare Bauweise der SMRs den Regionen angepasst werden.

    Die USA, Russland und China planen bereits den Einsatz zur Energieversorgung. Besonders IT-Gigant Google hat berechtigtes Interesse an den SMRs. In Europa führen Polen, Frankreich und Tschechien die Liste der SMR-Pioniere an. Allen voran Frankreich, der die Mini-AKWs als Exportschlager bauen will.

    Auch die EU plant einen SMR-Vorstoß, denn sie passen zu den Klimazielen: mehr Energieunabhängigkeit, weniger CO2-Ausstoß und neue Arbeitsplätze. Die ersten dieser Mini-Kraftwerke sollen bereits 2030 in Betrieb gehen. Die Reaktoren können in Fabriken vorproduziert werden, was die Baukosten senken soll.

    Balraj Mann, CEO von First Hydrogen, erläutert die Strategie: „Die Kernenergie bietet im Gegensatz zur Solar- oder Windenergie eine konstante Energiequelle für die Wasserstoffproduktion. Die Kosten für Strom aus einem SMR würden bei etwa 36 $/MWh (3,6 Cent pro kWh) liegen. Große Technologieunternehmen haben die Notwendigkeit erkannt, sich für die absehbare Zukunft eine kostengünstige Energieversorgung zu sichern, und haben in letzter Zeit erhebliche Investitionen in die Kernenergie getätigt.“ Wer wie First Hydrogen früh genug ein strategisch wertvolles Feld besetzt, kann aus der Nische heraus eine Spitzenposition aufbauen.

    Porsche kämpft an allen Fronten - Aktie auf Talfahrt

    Die Luxus-Sportwagenmarke Porsche steckt in einer tiefen Krise. Die Aktie des Traditionsunternehmens liegt momentan rund 39 % unter ihrem Jahreshoch von 93,60 EUR, bei aktuell 57,34 Euro. Die Probleme liegen zum einen in der verpassten Elektrifizierungsstrategie des Mutterkonzerns Volkswagen. Die bisherigen EVs sind für die Verbraucher zu teuer. Der Sportwagenkäufer hingegen möchte den lauten Sound des Verbrennermotors statt dem leisen Surren der Elektrobatterie. Besonders deutlich werden die Verluste der Porsche AG im wichtigsten Absatzmarkt China. Dort brachen die Verkäufe in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um 27 % ein. Finanzvorstand Lutz Meschke sieht die Ursache in der rasanten Elektrifizierung des chinesischen Marktes, bei der europäische Hersteller ins Hintertreffen geraten sind. BYD hingegen freut es, als lokaler Autobauer die Gunst der heimischen Käufer gewonnen zu haben.

    Nun müssen die Stuttgarter ihre Strategie hart korrigieren. Das Ziel, bis 2030 überwiegend Elektrofahrzeuge zu verkaufen, ist nicht mehr Hauptziel des Konzerns. Der Kunde möchte das Beste aus beiden Welten, deswegen setzt Porsche auf Hybridantrieb. Auch bei BYD ist der gemischte Antrieb führend im Absatz. Ein leichter Hoffnungsschimmer scheint sich mit dem Electro-Macan abzuzeichnen, für den bereits zahlreiche Vorbestellungen aus den USA und Europa vorliegen. Da China zunehmend als Absatzmarkt zum Erliegen kommt, setzt die Porsche AG auf Indien. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht soll dem Charme des deutschen Sportwagens erliegen.


    Der chinesische Autohersteller BYD entwickelt sich langsam, aber sicher zum globalen Marktführer bei alternativen Antrieben im Automotive-Sektor. Mit einem Strategie-Mix aus aggressiver Preispolitik, starkem Fokus auf Hybridantriebe und preisgünstigen Modellen im Kleinwagensegment rückt BYD unaufhaltsam an die Spitze der Elektromobilität. Besonders in Norwegen kann BYD punkten. Das Land hat günstigen Strom und Norweger fahren am Tag im Schnitt bloß 40 km. BYD hat alle Zügel in der Hand, um Tesla vom Thron zu stoßen. First Hydrogen plant den Bau von Mini-AKWs zur Erzeugung von Wasserstoff. Die Kombination aus eigener Wasserstoff betriebener Fahrzeugflotte und Energieproduktion könnte sich als strategisch wertvoller Wettbewerbsvorteil erweisen. Die frühe Positionierung in der Nische der SMR-Technologie bietet die Chance, sich in diesem Wachstumsmarkt als Vorreiter zu etablieren. Besonders in den USA setzen Tech-Giganten wie Google auf diese Form der Energieversorgung. Die Porsche AG kämpft mit Absatzschwierigkeiten. Die Kunden im Zielmarkt China setzen lieber auf andere Hersteller als auf den deutschen Sportwagenhersteller. Auch in anderen Märkten bleibt die Nachfrage nach EVs verhalten. Einzig der EV Macan scheint sich im gehobenen Segment durchzusetzen. Daher hat das Management beschlossen, seine Strategie zu ändern. Im Vordergrund steht der Hybridantrieb, um die Kunden nicht ganz zu vergraulen. Der Rückgang des Aktienkurses um 39 % unterstreicht die Herausforderungen, die das Unternehmen - auch im Hinblick auf den großen Bruder Volkswagen - zu stemmen hat.


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    Der Autor

    Juliane Zielonka

    Die gebürtige Bielefelderin studierte Germanistik, Anglistik und Psychologie. Das aufkommende Internet in den frühen 90ern führte sie von der Uni zu Ausbildungen in Grafik-Design und Marketingkommunikation. Nach Jahren der Agenturarbeit im Corporate Branding wechselte sie ins Publishing und lernte ihr redaktionelles Handwerk bei der Hubert Burda Media.

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