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29.04.2022 | 04:44

BASF, Standard Lithium, Almonty Industries, BYD - Industrie-Aktien im Fokus: Jetzt kommt es darauf an!

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Bildquelle: pixabay.com

Polen und Bulgarien erhalten kein Gas mehr aus Russland, weil sie nicht in harten Rubel bezahlen können. Kunststück: Niemand verfügt über größere Bestände dieser exotischen Währung, weil bislang alle Energielieferungen in ausländischen Devisen bezahlt werden konnten. Das ist eine neue Eskalationsstufe zwischen der russischen Regierung und dem rohstoffhungrigen Mitteleuropa. Mit weiteren Waffenlieferungen wird sich dieses Politikum noch weiter zuspitzen. Wir blicken auf bestehende Abhängigkeiten und die Gefahren für die deutschen Industriewerte.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203981034 , STANDARD LITHIUM LTD | CA8536061010 , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296

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Inhaltsverzeichnis:


    BASF – Starke Abhängigkeit von russischem Gas wird zur Gefahr

    Der Chemiekonzern BASF zieht weitere Konsequenzen aus dem Krieg in der Ukraine. Das Ludwigshafener Unternehmen hat angekündigt, seine Geschäfte in Russland und Belarus fast komplett einzustellen. Ausnahme sollen Aktivitäten zur Unterstützung der Nahrungsmittelproduktion sein. Zur Begründung verwies BASF darauf, dass der Krieg eine weltweite Nahrungsmittelkrise zur Folge haben könne. Derzeit sind 684 Mitarbeiter in den beiden Ländern beschäftigt, diese werden bis zum Jahresende weiter unterstützt, wie es dann weitergeht, weiß heute wohl niemand.

    Seit März hatte der Konzern bereits keine neuen Geschäfte mehr in Russland abgeschlossen. Jetzt kommt auch noch das Aus für die Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien. Der russische Energiekonzern Gazprom hat am Mittwoch offenbar die Gas-Lieferungen über die Jamal-Pipeline nach Polen und Bulgarien eingestellt. Die Pipeline verläuft von Russland über Polen nach Deutschland. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium heißt es, die deutsche Gasversorgung sei derzeit gewährleistet, die Lage werde aber sehr genau beobachtet.

    Der Ludwigshafener Chemieriese ist einer der größten Gasverbraucher in Deutschland. BASF-Chef Martin Brudermüller prophezeit eine Zerstörung unseres Wohlstands, wenn Deutschland die russischen Erdgasimporte stoppt, um Wladimir Putins Krieg in der Ukraine nicht weiter zu finanzieren. Tatsächlich ist Deutschland extrem abhängig von russischem Gas und wird davon nicht so schnell wieder loskommen. Eine gänzliche Loslösung würde Investitionen von über 50 Mrd. EUR verschlingen. Und wer kommt dafür auf? Heute ruft BASF zur Hauptversammlung. Bei einem Kurs von 51 EUR werden immerhin 3,40 EUR oder 6,6% Ausschüttung ausgekehrt. Wie es aber ohne russisches Gas weitergehen würde, weiß heute noch niemand. Spannend wie das Management das Thema heute in seine Rede einflechten wird und was kritische Aktionäre dann anmerken werden. Abwarten!

    Almonty Industries – Das Jahr 2022 könnte spannend werden

    Mit den angeschlagenen Lieferketten geraten seltene und kritische Metalle wieder stark ins Blickfeld. Eigentlich hätte von Seiten der europäischen Regierungen längst ein Notfallplan für bestimmte Rohstoffe entwickelt werden müssen. Nun bei fortschreitenden Kriegshandlungen und immer größer werdender Knappheiten aus der Not heraus agieren zu müssen, wird alles noch mehr verkomplizieren und verteuern. Die Inflationierung über die Rohstoffseite wird also weitergehen!

    Almonty Industries steht kurz vor bahnbrechenden Fortschritten in ihrer koreanischen Liegenschaft Sangdong. CEO Lewis Black hatte bereits im Februar grünes Licht für die KfW-Finanzierung über 75 Mio. USD erhalten, nun liegt es am Unternehmen, die notwendigen Eigenkapitalanteile aufzubringen, um den Minenausbau und den Neustart der Förderung zu finalisieren. Wolfram ist ein Metall für höchste Hitzeanforderungen, es wird sowohl in der Hightech- wie auch Rüstungsindustrie dringend gebraucht. Weitere Verwendungen in der E-Mobilität könnten den Wolframbedarf sogar durch die Decke gehen lassen. Denn der Einsatz von Wolfram ersetzt das hochgiftige Kobalt, gleichzeitig können die Nickel-Anteile in der Batterie erhöht werden. Das steigert die Ladeleistung, die Sicherheit und die Langlebigkeit der Aggregate. Mehr als 80% der Weltproduktion kommt aus China, auch hier sind die Abhängigkeiten der Industriestaaten offensichtlich. Die geographische Nähe der neuen Mine zu den Hightech-Standorten Süd-Korea und Taiwan ist ein strategischer Vorteil für Almonty und kommt den lokalen Hightech-Produzenten wie Samsung oder TSMC als China-Alternative sehr gelegen.

    Die Almonty-Aktie wird aktuell zwischen 0,85 und 0,92 CAD gehandelt, das ergibt eine Marktkapitalisierung von etwa 122 Mio. EUR. Derzeit ist die Nachrichtenlage dünn, aber wenn die ersten Fortschritts-Meldungen aus Korea eintreffen, hebt die Aktie vermutlich deutlich ab.

    Standard Lithium – Die Branchenriesen folgen der chinesischen BYD

    Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen globalen Nachfrage nach E-Autos werden in Zukunft viele leistungsfähige Batterien benötigt. Daher plant so gut wie jeder Automobilhersteller mit eigenen Vorgaben, wie mit der Batteriebeschaffung umgegangen wird. BYD, VW, Daimler und Tesla haben bereits eigene Gigafabriken oder projektieren sie gerade.

    Lithium ist aktuell neben Nickel, Kobalt, Graphit und Kupfer einer der wichtigsten Rohstoff-Bestandteile einer Batterie. Die verfügbaren Produktionsmengen an den Märkten sind jedoch begrenzt. Laut Benchmark Mineral Intelligence dürfte das Defizit von 26.000 Tonnen Lithiumcarbonat im laufenden Jahr auf über 80.000 Tonnen im Jahr 2024 steigen. Bei einem Blick Richtung 2030 wird den Forschern unwohl, denn dann sollen angeblich 50% der heute fahrenden Verbrenner von der Straße verschwunden sein. Das erfordert Investition in Minen, Infrastruktur und Ladekapazitäten von mehreren Billionen USD. Angesichts der aktuellen Staatsverschuldungen und des explodierenden Inflationstrends könnte dies eine Monsterraufgabe für die Staatshaushalte und die Industrie werden.

    Die Platzhirsche unter den Produzenten können durch die Erweiterung ihrer Bergbaustätten einen Teil der aktuellen Zusatznachfrage befriedigen und verdienen aktuell prächtig. Der Explorer Standard Lithium (SLI) ist einer der Unternehmen, dem eine Produktionsaufnahme bis 2024 zugetraut wird. Mit von der Partie im US-Bundesstaat Arkansas ist die deutsche Lanxess-Gruppe. Mit der Technologie der direkten Lithiumextraktion (DLE) ist man aktuell ein weltweit führendes Unternehmen.

    Der chinesische Auto- und Batterie-Hersteller BYD gibt trotz weltweiter Verwerfungen in der Produktion im Inland beeindruckend Vollgas. Im März 2022 wurden erstmals mehr als 100.000 E-Fahrzeuge inklusive Plugin Hybride verkauft, das entspricht knapp einer Vervierfachung im Vergleich zum Vorjahr. Die Zeichen in der Industrie stehen also auf Sturm, wer liefern kann macht Umsätze. Sowohl die SLI- als auch die BYD-Aktie haben nach der letzten Korrektur eindrucksvoll nach oben gedreht. Das Risiko bleibt in diesen Tagen aber hoch. Aktuell werden Techs aber wieder abverkauft. Setzen sie daher enge Stops: Bei SLI liegt dieser bei etwa 5 EUR und für BYD ist die 25 EUR-Marke sehr wichtig.


    Die Volatilitäten an den Börsen sind immer noch schlagend. Viele gute Aktien werden zu Fallen Angels und die Investoren ziehen sich erst einmal zurück. Der Platzhirsch Tesla hat nun in einer Woche 20% an Kurswert verloren, ganze 200 Mrd. USD haben sich hier in Luft aufgelöst. Abseits der teilweise verprügelten Standardwerte bleibt die kleine Almonty aber eine gute Beimischung.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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