18.06.2026 | 05:20
Vergessen Sie reine Dieselmotoren: Mit Nel ASA, dynaCERT und Daimler Truck winken grüne Renditen
Die Logistikbranche erlebt 2026 ihren wohl folgenreichsten Strukturwandel. Während Dieselpreise Rekordmarken erreicht haben und die CO2-basierte Lkw-Maut ab dem kommenden Jahr voll durchschlägt zwingen neue EU-Regularien Spediteure zum radikalen Umdenken. Der Druck auf die Transportbranche ist immens und genau hier entsteht ein einmaliges Investitionsfenster. Drei Akteure adressieren diese Herausforderung mit strategisch unterschiedlichen, doch perfekt aufeinander abgestimmten Ansätzen. Nel ASA liefert die grüne Infrastruktur für morgen, dynaCERT bietet die sofort wirksame Brückentechnologie für heute und Daimler Truck arbeitet am Serienfahrzeug für übermorgen, um vom wachsenden Milliardenmarkt zu profitieren.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Nel ASA – der Chef geht von Bord
Der norwegische Elektrolyseur-Spezialist Nel ASA gerät unerwartet in Turbulenzen. Konzernchef Håkon Volldal gab Mitte Juni seinen Rücktritt zum Jahreswechsel bekannt, um zum Verpackungskonzern Elopak zu wechseln. Die Anleger quittierten die Nachricht mit deutlichen Kursverlusten. In Oslo fiel die Aktie um 2 %, in Deutschland zeitweise sogar fast 9 %. Analysten reagierten mit gesenkten Kurszielen, Berenberg und Citigroup kappten ihre Bewertungen. Das durchschnittliche Rating lautet aktuell auf "Verkaufen". Verwaltungsratschef Arvid Moss betonte zwar, die strategische Ausrichtung bleibe unverändert, doch der Zeitpunkt des Abgangs mitten in der Transformation sorgt für Unruhe.
Erst im Mai hatte Nel nach achtjähriger Entwicklung die kommerzielle Markteinführung seiner neuen alkalischen Druckelektrolyse-Plattform gefeiert. Die Technologie verspricht Vollkosten von unter 1.450 USD pro Kilowatt und soll die Produktion grünen Wasserstoffs deutlich wirtschaftlicher machen. Die Industrialisierung wird vom EU-Innovationsfonds mit bis zu 135 Mio. EUR gefördert, die erste Tranche von 11 Mio. EUR steht noch in diesem Quartal an. Doch die operativen Zahlen trüben das Bild. Der Auftragseingang brach im 1. Quartal um 73 % auf nur 85 Mio. NOK ein, der Umsatz sank um 5 %. Zwei PEM-Aufträge nach Quartalsende über je 7 Mio. USD geben etwas Hoffnung.
Trotz der operativen Schwächen verfügt Nel über eine solide Liquiditätsbasis von 1,4 Mrd. NOK, die nach Unternehmensangaben bis Ende 2026 reichen soll. Der Konzern hat die Kostenbasis strukturell verbessert. Die Personalkosten sanken um 21 %, die Belegschaft wurde um 26 % reduziert. Allerdings prüft das Management derzeit mögliche Wertberichtigungen stillgelegter Produktionslinien in Herøya. Nach bereits 799 Mio. NOK Abschreibungen im Geschäftsjahr 2025 könnte es eine zusätzliche Belastung geben. Die Halbjahreszahlen am 15. Juli werden zeigen, ob der Produktlaunch erste Bestellungen anzieht und der Auftragstrend gedreht werden kann. Bis dahin bleibt Nel ein Titel mit hohem Potenzial, aber erheblichem Risiko. Derzeit ist die Aktie für 2,38 NOK, also 0,216 EUR zu haben.
dynaCERT - der Diesel-Brückenbauer
Die kanadische Cleantech-Firma dynaCERT hat die Nase vorn, wenn es um die Nachrüstung alter Dieselmotoren geht. Nach Jahren der Entwicklung rückt nun die operative Umsetzung in den Fokus. Der jüngste Führungswechsel signalisiert eine klare Neuausrichtung. Kevin Unrath, bisher COO, übernahm am 1. April den CEO-Posten von Jim Payne, der in den Aufsichtsratsvorsitz wechselt. Unrath, mit einem Aktienpaket von 500.000 Restricted Share Units an langfristigen Erfolg gebunden, soll die weltweite Vermarktung beschleunigen. Die Botschaft ist eindeutig. Die Entwicklungsphase ist abgeschlossen, jetzt zählt die konsequente Vermarktung der patentierten HydraGEN™-Technologie in den Kernmärkten vom Schwerlastverkehr über Bergbau bis zur stationären Stromerzeugung.
Die Expansion in Vietnam gewinnt an Fahrt. Mit Unterstützung der kanadischen Handelsvertretung hat dynaCERT strategische Partnerschaften mit der Technischen Universität HCMUT und einem führenden Öl- und Gasunternehmen namens Petrosouth Corp geschlossen. Erste Pilotinstallationen laufen bereits in Logistikzentren in Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Hai Phong. Das Land mit über 3,5 Mio. Diesel-Nutzfahrzeugen bietet einen riesigen Markt für Nachrüstlösungen. Die technische Validierung durch den deutschen TÜV Nord bestätigt dabei Kraftstoffeinsparungen von mehr als 5 % und eine deutliche Reduktion von Schadstoffemissionen. Das ist ein starkes Argument für Flottenbetreiber unter wachsendem Margendruck.
Eine Wandelanleihe über 2 Mio. CAD sichert die Finanzierung der nächsten Wachstumsphase. Die Produktionskapazitäten sind laut Management nicht der limitierende Faktor. Sie können bei steigender Nachfrage schnell hochgefahren werden. Die digitale Plattform HydraLytica™ ermöglicht nicht nur die Echtzeit-Überwachung der Einsparungen, sondern bildet mit ihrer VERRA-Zertifizierung die Grundlage für den Zugang zu lukrativen Carbon-Credit-Märkten. Angesichts steigender Dieselpreise und geopolitischer Unsicherheiten könnte dynaCERTs pragmatischer Ansatz, bestehende Motoren effizienter machen anstatt sie zu ersetzen, genau den Nerv der Zeit treffen. Aktuell notiert die Aktie bei 0,13 CAD.
Daimler Truck – Auftragsboom, aber Gewinne gehen zurück
Die Wasserstoffstrategie von Daimler Truck nimmt konkrete Formen an. Der Mercedes-Benz NextGenH2 Truck mit Flüssigwasserstoffantrieb geht an den Start. Ab Ende 2026 sollen 100 Fahrzeuge bei ausgewählten Kunden im Praxiseinsatz erprobt werden. Die Reichweite soll bei über 1.000 km liegen und das macht das Modell für den Langstreckentransport interessant. Die Serienproduktion soll in den frühen 2030er-Jahre anlaufen. Parallel dazu treibt der Konzern seine Partnerschaft mit Toyota im Brennstoffzellen-Joint-Venture cellcentric voran. Die Integration der Mitsubishi-Fuso-Sparte in die neu gegründete ARCHION Corporation brachte zudem einen erwarteten Mittelzufluss von 1,5 bis 2,0 Mrd. EUR.
Während die Wasserstoff-Lkw noch Zukunftsmusik sind liefern die batterieelektrischen Modelle bereits handfeste Ergebnisse. In Großbritannien stiegen die Neuzulassungen elektrischer Schwerlaster 2025 um 171 %, und der neue eArocs für die Bauindustrie ist seit April bestellbar. Die jüngste Auslieferung von 13 eActros an die österreichische Logistikfirma Brantner zeigt, dass die Nachfrage im kommerziellen Bereich anzieht. Dennoch sind die Zahlen vom 1. Quartal ernüchternd. Der Umsatz sank auf 9,1 Mrd. EUR, das bereinigte EBIT halbierte sich auf 498 Mio. EUR. Die Auftragsbücher füllen sich dagegen rasant. Der Bestelleingang stieg um 50 % auf 114.043 Einheiten, das Book-to-Bill-Verhältnis erreichte mit 166 % einen Rekordwert.
Die wohl bedeutendste Weichenstellung erfolgte Mitte Juni auf der Eurosatory in Paris. Unter der neuen Dachmarke "Daimler Truck Defence" bündelt der Konzern seine militärischen Aktivitäten und peilt bis 2028 einen Umsatz von 1 Mrd. EUR an. Mit der strategischen Partnerschaft mit dem kanadischen Panzerhersteller Roshel werden die militärischen Plattformen Zetros, Unimog, Arocs und FGA mit moderner Schutztechnologie kombiniert. Der Standort Wörth am Rhein soll von dieser Offensive besonders profitieren. Über 100 neue Stellen sind dort geplant. Bereits fixierte Aufträge, darunter ein Rahmenvertrag mit Frankreich über 7.000 Zetros-Lkw und ein kanadischer Vertrag über mindestens 1.500 Logistik-Lkw, untermauern die Ambitionen. Die Bestätigung der Jahresprognose mit einer Umsatzrendite von 6-8 % gibt dem Management Rückenwind für die Transformation. Momentan kostet eine Aktie 42,16 EUR.
Der grüne Logistikwandel ist kein homogenes Investment, sondern bietet drei sehr unterschiedliche Profile. Nel ASA bleibt die riskante Wette auf die Wasserstoff-Infrastruktur von morgen. dynaCERT hingegen liefert mit seiner pragmatischen Diesel-Brückentechnologie eine sofort wirksame Lösung für den heutigen Markt und adressiert damit milliardenschwere Flotten. Daimler Truck wiederum ist der etablierte Gigant, der mit einem Auftragsboom und einer vielversprechenden Verteidigungsoffensive die Transformation finanziert.
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