20.07.2026 | 05:10
GE Aerospace, Strategic Resources, Rheinmetall – Aufrüstung entfacht den Stahl-Turbo
Aufrüstung kostet Stahl, und davon mehr denn je. Mit steigenden Verteidigungsausgaben wächst weltweit der Bedarf an hochfesten Spezialstählen für Panzer, Kriegsschiffe, Militärfahrzeuge, Flugzeuge und moderne Waffensysteme. Gleichzeitig verlangt die Industrie nach klimafreundlich produziertem Stahl und einer sicheren Versorgung mit kritischen Rohstoffen wie hochwertigem Eisenerz und Vanadium. Dieser doppelte Nachfrageboom aus Rüstungsindustrie und Dekarbonisierung könnte Produzenten, Zulieferern und Technologieanbietern in den kommenden Jahren außergewöhnliche Wachstumschancen eröffnen.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Stefan Feulner
ISIN:
General Electric Company | US3696043013 , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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GE Aerospace – Ausrufezeichen im Militär-Segment
Der Luftfahrtkonzern präsentierte kürzlich die Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal und übertraf dabei die Einschätzungen der Analysten. Die US-Amerikaner steigerten ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 31 % auf über 13 Mrd. USD. Parallel dazu verbesserte sich die Ertragslage deutlich. Das bereinigte Ergebnis lag mit 2,02 USD über den im Vorfeld prognostizierten 1,86 USD je Aktie.
Zudem verzeichnete das Unternehmen eine Erhöhung der Free-Cashflow-Marge auf 22,7 %. Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Halbjahr wurde die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 nach oben korrigiert, wobei das Management nun von 7,75 USD je Anteilsschein ausgeht.
Neben der finanziellen Entwicklung meldet das Unternehmen auch operative Fortschritte im Rüstungssektor. GE Aerospace hat einen umfassenden Liefer- und Wartungsvertrag für das britische Militär abgeschlossen. Der Konzern wird die Antriebe für 23 geplante Militärhubschrauber des Herstellers Leonardo bereitstellen. Die Vereinbarung beinhaltet zusätzlich die Lieferung von Ersatzteilen sowie langfristige Instandhaltungsdienstleistungen. Die bestellten Aggregate weisen laut Unternehmensangaben einen reduzierten Kraftstoffbedarf und ein geringeres Eigengewicht im Vergleich zu Konkurrenzprodukten auf. Hervorzuheben ist hierbei die anpassbare Bauweise, die notwendige Instandsetzungsarbeiten direkt am jeweiligen Einsatzort gestattet.
Zur Förderung der lokalen Wertschöpfung plant GE Aerospace, wesentliche Teile der Fertigung und der Überholungsarbeiten an Standorten innerhalb Großbritanniens durchzuführen. Das Ziel des Unternehmens ist es, seinen Marktanteil im militärischen Segment durch internationale Aufträge kontinuierlich zu verbessern.
Strategic Resources – Grüner Stahl, Vanadium und Milliardenpotenzial
Die Transformation der Stahlindustrie zählt zu den größten Herausforderungen der Energiewende. Laut der Internationalen Energieagentur verursacht die Stahlproduktion rund 7 % der weltweiten CO2-Emissionen. Entsprechend wächst die Nachfrage nach hochwertigen Eisenerzprodukten für Direktreduktion sowie nach kritischen Metallen wie Vanadium, das sowohl in hochfesten Stählen als auch in stationären Energiespeichern eingesetzt wird.
Strategic Resources verfolgt dazu ein integriertes Geschäftsmodell, das nicht allein auf den Abbau von Rohstoffen setzt, sondern auf deren Veredelung. Herzstück ist das baureife BlackRock-Projekt in Québec mit nachgewiesenen Erzreserven von rund 127,8 Mio. t. Geplant ist eine Pelletier-Anlage am Tiefseehafen Port Saguenay mit einer Jahreskapazität von 4 Mio. t. Die DR-Grade-Pellets mit mehr als 67 % Eisengehalt sind speziell für moderne Direktreduktions- und Elektrolichtbogenverfahren konzipiert und profitieren vom europäischen CO2-Grenzausgleich (CBAM). Ein vorhandener Hafen, Gasanschluss und günstige Wasserkraft reduzieren zudem Investitions- und Betriebskosten. Die Provinz Québec ist darüber hinaus als Aktionär beteiligt.
Auch in Finnland erzielt Strategic Resources wichtige Fortschritte. Das vanadiumreiche Magnetit-Konzentrat aus dem Mustavaara-Projekt wurde für das 17 Mio. EUR schwere Forschungsprogramm FutSteel der Universität Oulu und des Stahlkonzerns SSAB ausgewählt. Ziel ist die Entwicklung einer wasserstoffbasierten Stahlproduktion. Gleichzeitig prüft das Unternehmen gemeinsam mit Tyfast Energy den Einsatz von Vanadiumoxid für Lithium-Vanadium-Batterien. Sollte die angestrebte Produktion von bis zu 40.000 t Vanadium jährlich realisiert werden, könnte Strategic Resources zu einem der ersten bedeutenden Primärproduzenten Nordamerikas aufsteigen.
Bemerkenswert erscheint auch die Bewertung. Während die Machbarkeitsstudie für BlackRock einen Nachsteuer-Kapitalwert von rund 1,93 Mrd. CAD ausweist, liegt die Börsenbewertung lediglich bei rund 16 Mio. CAD. Gelingt die Umsetzung der Projekte wie geplant, besitzt Strategic Resources erhebliches Aufholpotenzial und könnte zu einem wichtigen westlichen Lieferanten für kritische Rohstoffe und die klimafreundliche Stahlproduktion werden.
Rheinmetall – Skepsis der Analysten bleibt
Der integrierte Technologiekonzern ist bisher ausschließlich für die Herstellung klassischer Rüstungsgüter bekannt. Nun erweitert der Konzern allerdings seine Aktivitäten und verstärkt sein Engagement im Bereich weltraumgestützter Überwachungssysteme. Im Zentrum steht die Entwicklung von Systemen zur maritimen Lageerfassung, die speziell auf die Anforderungen im Nordatlantik und der Arktis zugeschnitten sind. Während Rheinmetall gemeinsam mit ICEYE in Deutschland Kapazitäten für die detailgenaue Aufklärung mittels X-Band-SAR-Satelliten aufbaut, steuert der Partner Space Norway C-Band-SAR-Technologie bei, die sich für die großflächige Überwachung weitläufiger Seegebiete eignet. Die Kombination dieser Technologien soll für eine verlässliche Informationsbeschaffung für moderne Streitkräfte sorgen und stärkt gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen.
Neben neuen Partnerschaften treibt Rheinmetall auch die technologische Entwicklung im Bereich der unbemannten Logistik voran. In Zusammenarbeit mit dem britischen Verteidigungsministerium wurde in Großbritannien der erste fahrerlose Transportverband der britischen Armee getestet. Ausgestattet mit dem sogenannten PATH-Kit, einem System aus Sensoren und künstlicher Intelligenz, absolvierten Logistikfahrzeuge der HX-Baureihe verschiedene Übungsszenarien. Das Schulungsprogramm bereitet britische Soldaten auf den Einsatz dieser autonomen Systeme unter realen Bedingungen vor. Die Technologie zielt darauf ab, logistische Abläufe im militärischen Bereich effizienter und sicherer zu gestalten.
Während die Düsseldorfer neue Geschäftsfelder erschließen, korrigiert die Bank of America die langfristigen finanziellen Aussichten des Unternehmens nach unten. Die Zielsetzung des Managements, bis 2030 einen Konzernumsatz von 50 Mrd. EUR zu erreichen, wird von den Analysten als zu optimistisch eingestuft. Sie gehen vielmehr von Erlösen in Höhe von etwa 35 Mrd. EUR aus. Begründet wird diese Einschätzung mit einer strukturellen Veränderung in der modernen Kriegsführung. Die BofA erwartet, dass Staaten künftig weniger in traditionelle Artilleriemunition investieren und Budgets stattdessen in Bereiche wie Drohnentechnologie und Luftverteidigung umleiten. Dies wirkt sich negativ auf die Wachstumsprognosen für Rheinmetalls Waffen- und Munitionssparte aus. Dennoch rät die Bank weiterhin zum Kauf der Aktie.
Steigende Verteidigungsausgaben, die Modernisierung der Streitkräfte und der wachsende Bedarf an hochwertigen Spezialstählen schaffen ein attraktives Marktumfeld. GE Aerospace profitiert von einer starken Nachfrage nach militärischer Luftfahrttechnik, Strategic Resources positioniert sich als potenzieller westlicher Lieferant von hochwertigem Eisenerz und Vanadium für die Stahlindustrie, während Rheinmetall mit neuen Technologien seine Rolle als einer der führenden europäischen Rüstungskonzerne weiter ausbaut.
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