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20.11.2020 | 05:50

Air Liquide, Linde, Royal Helium: Lufttanker

  • Helium
Bildquelle: pixabay.com

Nachhaltigkeit ist laut PWC ein Schlüsselthema für die Öl- und Gasindustrie. Zum Kern der bestehenden Nachhaltigkeitsstrategien gehörten bislang vor allem das Einhalten regulatorischer Vorgaben in den Bereichen Gesundheit, Mitarbeiterwohl und Sicherheit. Seit einigen Jahren sind erneuerbare Energien stark im Aufwind, Dekarbonisierung lautet das Gebot der Stunde. Das stellt die Nachhaltigkeitsstrategien der Öl- und Gasunternehmen vor neue Anforderungen. Die aktuelle Klimapolitik, der Druck von Aktionären und Öffentlichkeit sowie die Investitionsstrategien großer Finanzinstitute zwingen die Unternehmen, in die Nutzung „grüner“ Energiequellen zu investieren und ihre Emissionen zu reduzieren. Durch verbesserte Technologien und Abläufe wird ökologisch erzeugter Strom dabei immer wettbewerbsfähiger. Das ist einerseits eine Bedrohung, aber auch eine Chance für Geschäftsmodelle der Öl- und Gasbranche. Derer bekannten Vertreter werden auch in absehbarer Zukunft eine wichtige Rolle im globalen Energiemix spielen. Für alle Unternehmen der Branche bedeutet diese Situation einen Spagat: Sie müssen transparente Nachhaltigkeitsstrategien entwickeln, um ihre traditionellen Geschäftsfelder abzusichern, aber gleichzeitig neue Chancen identifizieren und ergreifen, die sich aus dem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft ergeben.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: André Will-Laudien

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Andrew Davidson, CEO, Royal Helium Limited
"[...] Royal Helium verfügt über eines der größten Helium-Landpakete in Nordamerika und ist heute einer der ersten börsennotierten Helium-Titel der Welt. [...]" Andrew Davidson, CEO, Royal Helium Limited

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Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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Air Liquide – Fußabdruck in der Luft

Air Liquide hat 2017 ein Projekt mit dem Ziel gegründet, die Massengut-Lieferkette von Anfang bis zum Ende zu optimieren und startete fünf wichtige Pilotprojekte in Kanada, den USA, Frankreich, Deutschland und China. Sie wurden von den F&E-, Digital- und IT-Teams von Air Liquide unterstützt, welche gemeinsam an der Entwicklung und Industrialisierung maßgeschneiderter digitaler Lösungen arbeiteten.

Durch die digitale Verbindung von Anlagen in der gesamten Lieferkette, von Produktionsanlagen und Lastwagen bis hin zu Tanks an den Kundenstandorten, sammelt und analysiert Air Liquide nach eigenen Angaben Daten, um ihre Kunden stets ein besseres Kundenerlebnis und eine höhere Effizienz zu ermöglichen.

Matthieu Giard, Vizepräsident und Mitglied des Exekutivausschusses der Air-Liquide-Gruppe, die den Geschäftsbereich Industrial Merchant beaufsichtigt, sagte zu gasworld.com: "Industrial Merchant ist gleichzeitig das historische Kerngeschäft von Air Liquide und ein Geschäft, das sich durch die Nutzung von Daten und Digitaltechnik schnell verändert. Die Einführung unseres Programms zur Digitalisierung der Lieferkette für Flüssiggase IBO auf globaler Ebene ist ein neuer und bedeutender Schritt in der kundenorientierten Umgestaltung von Air Liquide. Die Kunden werden nun von einem Service profitieren, der mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit garantiert, und zwar im Rahmen eines Ansatzes, der auch dazu beiträgt, den gesamten Kohlenstoff-Fußabdruck zu reduzieren.“ Wer im Bereich Industriegase nachhaltig investieren möchte, findet Air Liquide als Standardwert im CAC-40 mit einem Marktwert von 66,4 Mrd. EUR. Die Aktie liegt im Jahr 2020 mit 12,2% im Bereich der Indizes.

Linde – Ehre wem Ehre gebührt

Linde ist durch die 18. jährliche Bestätigung weiterhin im Dow Jones SustainabilityTM World Index (DJSI World) und dem DJSI North America erneut als weltweit führendes Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit anerkannt worden. Linde ist das einzige Unternehmen der Chemiebranche, das achtzehn Jahre in Folge in den DJSI World verblieben ist. Der DJSI World ist eine vertrauenswürdige Benchmark für Investoren, die ESG-Faktoren in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Er ermittelt die besten 10% der Unternehmen jedes Sektors unter den größten 2.500 Unternehmen im S&P Global Broad Market Index. Die Unternehmen werden auf der Grundlage einer detaillierten Analyse langfristiger wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Kriterien ausgewählt. Linde erhielt in dem Sektor eine perfekte Bewertung für mehrere Kriterien, darunter Risikobeherrschung, Verhaltenskodizes, Klimastrategie, wasserbezogene Risiken, Mitarbeiterentwicklungsprogramme und philanthropische Aktivitäten.

Linde unterstützt seine Kunden dabei, ihre Umweltleistung zu verbessern und ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Neben dem DJSI World und dem DJSI North America ist das Unternehmen auch Mitglied der FTSE4Good Index Series. Im Juni 2020 wurde Linde bei der Bewertung der ESG-Ratings von MSCI mit einem A ausgezeichnet, ist in den 100 Best Corporate Citizens 2020 enthalten und erhielt eine Auszeichnung der Silberklasse im Sustainability Yearbook 2020, das von S&P Global in Zusammenarbeit mit RobecoSAM herausgegeben wird. Hier wird einem Unternehmen viel Ehre zugesprochen, es war uns ein Anliegen dies in diesem Kontext ausreichend hervorzuheben. Aktienanlage kann also auch richtig nachhaltig sein.

Die Marktkapitalisierung von Linde beträgt jetzt bereits beachtenswerte 111 Mrd. EUR, sie ist damit Nr. 2 im DAX und liefert dem Investor eine Jahresrendite von 11,9% in 2020. Eventuell sind hier noch nicht alle Achtungserfolge wiedergespiegelt.

Royal Helium – Nicht nur in Ballons

Kommen wir zu einem dritten Gasproduzenten in unserer Betrachtung. Die kanadische Royal Helium ist ein reiner Helium-Explorer, d.h. man konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung der primären Heliumproduktion im Süden Saskatchewans. Helium ist einer der am schwierigsten zu transportierenden Substanzen, weil es bis zu sehr tiefen Temperaturen gasförmig bleibt und erst nahe dem absoluten Nullpunkt flüssig wird. Es ist die einzige Substanz, die selbst am absoluten Nullpunkt (0 K bzw. −273,15 °C) unter Normaldruck nicht fest wird.

Neben Neon ist Helium das einzige Element, für welches selbst unter Extrembedingungen bis jetzt keine Verbindungen nachgewiesen werden konnten, die nicht sofort nach der Bildung zerfallen sind. Helium kommt in der Natur nur atomar vor, das häufigste stabile Isotop ist 4He, ein weiteres Isotop ist das auf der Erde extrem seltene 3He. Helium kann nur unter industrieller Drucküberwachung eingesetzt und weiterverarbeitet werden.

Die Projekte von Royal wurden über zwei Jahre lang methodisch auf ihr Heliumpotenzial hin untersucht und von Experten, professionellen Geologen und Ingenieuren überprüft. Royal Helium Ltd. hat die Konstruktions- und Scoping-Studie für eine groß angelegte industrielle Gaserzeugungsanlage in Saskatchewan initiiert, die vom Saskatchewan Research Council durchgeführt werden soll. Sie ist der erste Schritt von Royal zur Bestimmung des wirtschaftlichen Potenzials einer Großanlage zur Trennung und Monetarisierung der Gasströme, die mit Heliumproduktionsbohrungen in Saskatchewan verbunden sind. In Saskatchewan wird Helium zusammen mit großen Strömen anderer Inertgase produziert, für die es einen großen und etablierten nordamerikanischen und globalen Markt gibt. Als inert bezeichnet man Gase, die sehr reaktionsträge sind und sich an nur wenigen chemischen Reaktionen beteiligen. Royal prüft nun, ob es eine Möglichkeit gibt, den gesamten Gasstrom zu monetarisieren. Die Ergebnisse dieser ersten technischen und wirtschaftlichen Studie werden voraussichtlich im Dezember 2020 vorliegen.

Der etwas spekulative Wert hat eine aktuelle Kapitalisierung von nur 14,7 Mio. CAD und ist bei einem Kurs von 0,26 CAD wieder auf seinem charttechnischen Ausbruchsniveau von Juli. Mit Veröffentlichung der aktuellen Studie könnte der Wert wieder schnell Fahrt aufnehmen.


Der Autor

André Will-Laudien

Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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Lexikon:

  1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
  2. Markt – Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander.

Interessenskonflikt & Risikohinweis

Gemäß §34b WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH ggf. Aktien der genannten Unternehmen halten oder auf fallende Kurse setzen und somit ggf. ein Interessenskonflikt besteht. Die Apaton Finance GmbH hat ggf. eine entgeltliche Auftragsbeziehung mit dem Unternehmen, über die im Rahmen des Internetangebots der Apaton Finance GmbH sowie in den sozialen Medien, auf Partnerseiten oder in Emailaussendungen berichtet wird. Näheres regelt unser Interessenskonflikt & Risikohinweis.


Weitere Kommentare zum Thema:

Kommentar von André Will-Laudien vom 03.05.2021 | 04:40

NEL, Plug Power, Fuelcell, Royal Helium – Kaufen oder verkaufen?

  • Wasserstoff
  • Helium
  • Technologie

Wie wird sich die Energiewende in Europa darstellen? Mit dem Wasserstoff ist das so eine Sache. Der Rohstoff gilt als alternativer Baustein einer grünen Zukunft und könnte sich Experten zufolge in den kommenden Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Energieträger entwickeln. Denn Wasser ist umfangreich vorhanden, einzig eine wirklich umweltfreundliche Art und Weise für die Herstellung fehlt noch. Selbst unter besten Bedingungen kostet die Produktion von grünem Wasserstoff etwa 10mal so viel wie russisches Erdgas, welches insgesamt auch noch ziemlich sauber verbrennt. Da haben wir den elektrotechnischen Wirkungsgrad noch gar nicht berücksichtigt.

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Kommentar von Carsten Mainitz vom 25.03.2021 | 05:10

Linde, Royal Helium, Air Liquide – Zwei Wasserstoff, ein Helium. Alles da für eine explosive Mischung!

  • Helium
  • Wasserstoff
  • Energie

Kernfusion ist das Stichwort der Zukunft. Technisch werden dabei zwei Wasserstoffatome zu einem Heliumkern verschmolzen. Was auf der Sonne im großen Maßstab problemlos möglich ist (tatsächlich werden dort jede Sekunde 564 Millionen Tonnen Wasserstoff zu Helium fusioniert), bleibt bei uns leider noch Zukunftsmusik. Das bedeutet: 1. Leider können wir noch keinen Strom aus Kernfusion erzeugen, darum müssen wir die Energiewende weiterhin mit etablierten nachhaltigen Technologien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft schaffen. Dabei wird Wasserstoff als Energiespeicher und Übertragungsmedium eine herausragende Rolle spielen. Und 2. Helium wird auch auf absehbare Zeit nicht anders als durch klassische Förderung im industriellen Maßstab zu erzeugen sein. Folgende drei Unternehmen sollten kräftig von der Energiewende profitieren.

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Kommentar von Stefan Feulner vom 25.01.2021 | 05:20

BYD, Royal Helium, Bayer – es wird immer knapper!

  • Helium

Wer setzt sich langfristig im Kampf um die Krone im Elektroautomobilgeschäft durch? Der Innovationsführer Tesla hat laut Experten einen technischen Vorsprung von zwei bis drei Jahren. Dagegen unterstützt die chinesische Regierung die heimischen Autobauer wie BYD, Nio und Xpeng mit Finanzspritzen, um klimapolitische Ziele im Land zu erreichen. Die ersten Gewinner stehen jetzt schon fest. Durch das Wettrüsten gibt es eine extreme Nachfrage nach den nötigen Rohstoffen. In den nächsten Jahren drohen eine extreme Knappheit und damit dramatisch steigende Preise.

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