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30.11.2020 | 05:50

BYD, dynaCERT, NEL ASA - eine ARTE Reportage geht der Umweltsünde von E-Autos auf den Grund

  • Elektromobilität
Bildquelle: ARTE.tv

Elektroautos, Windräder oder Solaranlagen: Grüne Technologie verspricht uns eine saubere Zukunft. Doch wie viel „Greenwashing“ steckt in den Aussagen von Unternehmen und Politik? Wie steht es wirklich um die Nachhaltigkeitsbilanz von Elektroautos? Die investigative Reportage „Umweltsünder E-Auto?“ von Jean-Louis Perez und Guillaume Pitron für den europäischen Fernsehsender ARTE blickt hinter die Kulissen, zeigt das grüne Musterland Norwegen ebenso, wie dreckige Industriebrachen in China oder Chile. Das Fazit des Films fällt ernüchternd aus: Nicht die grüne Revolution oder der immerwährende Fortschritt sind die Lösung künftiger Probleme, sondern allein der Verzicht. Womöglich gibt es dazwischen allerdings weitere Alternativen.

Lesezeit: ca. 12 Minuten. | Autor: Nico Popp
ISIN: CA26780A1084 , CNE100000296 , NO0010081235

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Jerre Foo, Corporate Development Executive, Silkroad Nickel
"[...] China hat sich zur Produktionshauptstadt der Welt entwickelt, und aufgrund seiner Infrastruktur, Expertise und Fähigkeiten hat sich Silkroad Nickel strategisch positioniert, um mit chinesischen Unternehmen aus der Edelstahl- und Elektrofahrzeugindustrie zusammenzuarbeiten [...]" Jerre Foo, Corporate Development Executive, Silkroad Nickel

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Der Autor

Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Wie uns die „grüne Revolution“ von China abhängig macht

Wenn es nach dem Willen der Autoindustrie geht, werden Elektroautos ein Massenprodukt. Dazu sollen bis 2023 voraussichtlich 225 Mrd. EUR in Elektroautos investiert werden. Die Überlegung der Autobauer ist einfach: Zunächst ist die Herstellung der Fahrzeuge teuer und der Kauf nur Gutsituierten vorbehalten. Doch mit technischem Fortschritt sinken Stückkosten und Elektroautos sind für jeden erschwinglich. Wie die Macher der Reportage die Vertreter der Automobilindustrie zitiert, bietet die Elektrifizierung der Mobilität nur Vorteile. Doch stimmt das wirklich?

Um Elektroautos auf die Straße zu bringen, sind eine ganze Reihe von Rohstoffen nötig: Lithium, Kobalt, Kupfer oder auch Graphit. Auch Windräder oder Photovoltaikanlagen kommen nicht ohne diese kritischen Rohstoffe aus. Gefördert werden diese Rohstoffe in wenigen Ländern der Welt – viele davon haben keinerlei Ansprüche an Umweltschutz oder den Schutz von Arbeitern. „Früher war es das Erdöl, heute sind wir dabei, in eine neue Abhängigkeit zu geraten“, so der Film und richtet seinen Blick nach China. Dort werden rund zwei Drittel des weltweiten Bedarfs an Graphit gefördert.

Graphit ist für Green-Tech-Unternehmen besonders wichtig. Doch die Bedingungen für Arbeiter in den Fabriken Chinas sind schlecht, der Arbeitsschutz nicht mit westlichen Standards vergleichbar, die Zahl der Atemwegserkrankungen hoch. Die Luft ist voller Fluorwasserstoffsäure, was als Kontaktgift gilt und in hoher Konzentration sogar direkt tödlich sein kann.

Wie in der Reportage „Umweltsünder E-Auto?“ zu sehen ist, sind noch viele Kilometer von der Graphit-Fabrik entfernt Rückstände des Rohstoffs nachweisbar und kontaminieren landwirtschaftliche Nutzflächen. „Die Abfälle liegen überall herum, wie Müll“, kommentiert ein Bauer, während im Hintergrund ein Muldenkipper Abraum in eine Grube kippt. „Natürlich ärgert uns das. Sehr sogar. Die übernehmen wirklich gar keine Verantwortung. Wir können nichts tun. Die sind groß. Wir sind klein. Man wehrt sich nicht, sonst legen sie uns Handschellen an. Man muss das mit eigenen Augen gesehen haben, um es zu verstehen.“

Kupfer dank Green-Tech in kommenden 30 Jahren gefragt wie nie

In China gibt es tausende Produktions- und Lagerstätten für seltene Metalle. Im Umkreis dieser Fabriken ziehen Anwohner nicht selten weg und lassen ganze Dörfer zurück. Zwar würden die Behörden Umweltverstöße ahnden, doch gehen diese in der Regel weiter, sobald Vertreter der Zentralregierung kein Auge mehr auf die Produktionsstätten haben. Im Zuge der „grünen Revolution“ erwarten Analysten eine stark steigende Nachfrage nach seltenen Erden. „Bei manchen Seltenen Erden steigt die Nachfrage jedes Jahr um 25%“, zitiert „Umweltsünder E-Auto“ einen chinesischen Branchenkenner.

Neben seltenen Metallen stecken auch große Mengen herkömmlicher Metalle in E-Autos, Windrädern und Co. Ein Windrad besteht aus rund 20 Tonnen Aluminium und bis zu 500 Tonnen Stahl. Ein Elektroauto kann bis zu 80 Kilo Kupfer enthalten - rund vier Mal als bei Verbrennern. Überhaupt ist Kupfer ein wichtiges Metall für Green-Tech-Unternehmen, da Kupfer eine wichtige Rolle bei Leitungsinfrastruktur oder Ladestationen für E-Autos spielt. Olivier Vidal, Forschungsleiter bei CNRS Grenoble, bringt die Dimensionen auf den Punkt: „Seit Beginn der Menschheit haben wir zwischen 800 Mio. und einer Mrd. Tonnen Kupfer produziert. In den nächsten dreißig Jahren werden wir noch einmal genau so viel produzieren, wenn wir das aktuelle Wachstum fortsetzen. Die Nachfrage ist gigantisch.

Bergbau in Chile: Den einen bringt er Arbeit, den anderen den Tod

Um diese Nachfrage zu stillen, kommt es neben China auch in anderen rohstoffreichen Ländern zu bedenkenswerten Entwicklungen. Die Macher der Reportage blicken dazu auf das Kupferbergwerk Chuquicamata im Norden Chiles. Rund einen Kilometer tief hat sich dort schweres Gerät in das Gestein gefressen. Das Projekt gilt als größter Kupfer-Tagebau der Welt und profitiert von der weltweit steigenden Nachfrage. 2020 sollen dort 470.000 Tonnen Reinkupfer raffiniert werden. Auch gibt Chuquicamata vielen Menschen in der Region Arbeit. Die Kehrseite der Medaille: Die Umwelt ist durch Schwermetalle verschmutzt und der Wasserverbrauch in der ohnehin wasserarmen Region groß. Doch da rund 10% der Arbeitsplätze Chiles am Kupferabbau hängen, werden die Umweltschäden ignoriert. Dabei sind diese größer als auf den ersten Blick zu sehen.

Noch im viele Kilometer entfernten Industriehafen der Stadt Antofagasta sind hohe Belastungen mit Schwermetallen in der Luft feststellbar. Vertreter der örtlichen Uniklinik haben diese unter anderem an Schulen und Kindergärten nachgewiesen. Die Zahl der Fälle von Lungenkrebs steigt rasant und betrifft fast jeden zehnten Einwohner der Stadt. Dass Umweltverschmutzungen und Folgen der Minenindustrie nicht ausschließlich im Umfeld der Mine vorkommen, zeigt auch das Beispiel von Tocopilla. Dort steht ein Kohlekraftwerk, das Strom für den gigantischen Tagebau produziert. „Den einen bringt das Kraftwerk Arbeit, den anderen den Tod“, fasst eine Mutter zusammen, deren jugendlicher Sohn an Krebs gestorben ist. Fernando San Roman, ehemaliger Bürgermeister von Tocopilla ergänzt: „Der Bergbauindustrie geht es einzig allein darum, zu produzieren – um jeden Preis.“

Norwegen als Musterland – auch im Verdrängen der Fakten

Konfrontiert man Vertreter des französischen Energieversorgers Engie, der sich in Europa gerne mit seiner nachhaltigen Ausrichtung brüstet, mit den Umweltschäden der von Engie betriebenen Kohlekraftwerke in Chile, so ist die Antwort ausweichend: Man unterstütze Chile bei der Energiewende, warte aber einen geeigneten Zeitpunkt ab, so eine Vertreterin im Film – angesichts der erst kürzlich erfolgten Inbetriebnahme eines neuen Kohlekraftwerks, scheint dieser Zeitpunkt für den europäischen Konzern in Chile noch nicht gekommen zu sein. Chile selbst will bis 2040 aus der Kohleenergie austeigen.

Ein Kontrast zu China oder Chile ist Norwegen, das Musterland der Elektromobilität. Dort sollen bis 2025 alle neu zugelassenen Fahrzeuge emissionsfrei sein. Schon heute sind E-Autos im Land allgegenwärtig. Das liegt auch an umfassenden Förderprogrammen und Subventionen. Wer in Norwegen ein Elektroauto fährt, spart sich Maut und Mehrwertsteuer beim Autokauf, zudem sind Parkplätze in der Regel kostenfrei. Aktuell gibt es in Norwegen rund 400 Stromtankstellen – bis 2025 sollen es 8.000 sein.

Dass dazu große Mengen an Kupfer und anderen Metallen nötig sind, wird in der norwegischen Öffentlichkeit ausgeblendet. Der Film spricht gar von Elektromobilität als Religion. Auch Henrik Schiellerup von der geologischen Kommission Norwegens sieht im Verhalten Norwegens Heuchelei: „Die Politiker wissen, woher die Mineralien kommen, das ist ihnen aber weniger wichtig, als die Idee der Elektrifizierung der Mobilität.“ Der Film „Umweltsünder E-Auto?“ kommentiert das Statement Schiellerups folgendermaßen: „Für die Regierung scheint die Berechnung der CO2-Emissionen an den Grenzen Norwegens zu enden.“

Für Europas Politik ist das E-Auto zur Religion geworden

Dass Regierungen und Entscheider aus der Wirtschaft beim Thema E-Mobilität einer gewissen Pfadabhängigkeit unterliegen, zeigt der Film auch beim Blick in die Vergangenheit. Bereits seit den 1990er Jahren sei die Klimaerwärmung zunehmend als Problem erkannt worden. Da klimaschädliche Gase damals zu einem großen Teil auf den Verkehr zurückzuführen waren, lagen Elektromotoren als Lösung schnell nahe.

Yves Cochet, französischer Grünen-Politiker und ehemaliger Umweltminister, erinnert sich an die damalige öffentliche Diskussion und wie Lobby-Gruppen der Autoindustrie im Rahmen von UN-Gipfeln rund um Klimafragen für die Elektromobilität getrommelt haben. Damals wurde das Elektroauto – obgleich kaum mehr als eine ferne Fantasie – zum Inbegriff einer tugendhaften Welt. Um die Möglichkeiten der Elektromobilität bewerten zu können, sollte die staatliche französische Agentur Adene einen objektiven Bericht verfassen. Damalige Teilnehmer der Diskussionsrunden berichten heute, wie Vertreter der Autoindustrie damals dagegen gekämpft haben, bei der Beurteilung der Elektromobilität die gesamte Lieferkette, also auch die Rohstoffgewinnung, zu betrachten.

Schließlich wurde der Adene-Bericht zur Elektromobilität mit einiger Verzögerung doch veröffentlicht. Das Fazit: „Der Bericht kommt nicht zum Ergebnis, dass E-Autos saubere Fahrzeuge sind.“ Jahre später wird die Agentur noch deutlicher und bezeichnet E-Autos als so schädlich wie klassische Verbrenner.

E-Autos: Die Zukunft – oder doch nur eine Übergangslösung?

Neben dem Rohstoffbedarf für die Herstellung von E-Autos, nennt „Umweltsünder E-Auto?“ auch den aktuellen Energiemix als Argument gegen die Elektromobilität. Noch immer gewinnt auch Europa Energie aus fossilen Brennstoffen. Jean Syrota, ehemaliger Chef des damaligen Versorgers Cogema, machte Elektroautos schon früh für mehr CO2-Ausstoß verantwortlich, als klassische Verbrenner. Doch auch seine Worte wollte die Politik damals nicht hören. Als Grund sieht Nicolas Meilhan, wissenschaftlicher Berater bei France Strategie, den unerschütterlichen Glauben an die Technologie.

„Das Elektroauto ist zur Religion geworden“, so der Berater. „Wenn man nun zugibt, dass es möglicherweise nicht das A und O ist, was in gewisser Weise auch für Solarzellern und Windräder gilt, dann bricht für die Regierung ihr ganzes Reden von der Elektromobilität, die den Planeten retten wird, wie ein Kartenhaus zusammen. In zwanzig Jahren werden wir aufwachen, weil die CO2-Emissionen weiter gestiegen sein werden und das E-Auto nichts verändert haben wird. Die nächste Energiekrise ist also vorprogrammiert“, so Meilhan trocken.

Konfrontiert man allerdings Vertreter der Autoindustrie mit diesen Ansichten, wie die Macher des Films auf dem Genfer Autosalon, trifft man auf wenig Verständnis. Viele Vertreter wollen sich zu Produktionsbedingungen in China oder dem Energiemix in Europa nicht äußern. Lediglich Pascal Ruck, Europachef von Lexus, sieht in der Elektromobilität „wahrscheinlich nur eine Übergangslösung“ und ist sich nicht sicher, ob die Technologie von Dauer sein wird. Derartige Zweifel kommen bei den Regierungen von Frankreich und Deutschland nicht durch. Beide Länder haben ein Großprojekt zur gemeinsamen Batterieherstellung lanciert und 2019 drei Mrd. EUR an Subventionen bereitgestellt.

Wie der Film „Umweltsünder E-Auto?“ deutlich macht, sind derartige Projekte auch von der Hoffnung auf Jobs getrieben – doch die Großmacht China als größter Rohstoffproduzent kritischer Metalle hat ebenfalls beste Voraussetzungen, die Batterieproduktion zu dominieren. Schon heute sind Unternehmen wie BYD als Hersteller von Elektroautos Marktführer. 2018 rollten 250.000 E-Autos bei BYD vom Hof - noch vor zehn Jahren war BYD nicht mehr als ein kleiner Hersteller von Batterien.

„Die Chinesen wissen wie man einen harten Wettbewerb gewinnt“

Dass es Europa dank Subventionen mit China aufnehmen kann, muss auch vor dem Hintergrund der jüngsten Wirtschaftsgeschichte bezweifelt werden. Nach der Jahrtausendwende galten Photovoltaikanlagen als Zukunftstechnologie. Die Regierungen Europas gaben Subventionen, ein blühender Wirtschaftszweig entstand - bis China den Markt mit Dumpingpreisen ruinierte und eine Pleitewelle auslöste.

Arnaud Montebourg, ehemaliger französischer Wirtschaftsminister, bringt die Erfahrungen mit China folgendermaßen auf den Punkt: „Die Chinesen haben die europäische Solarindustrie zerstört und nun haben sie das Monopol. Während die US-Amerikaner ihre Wirtschaft mit Strafzöllen beschützen, haben die Europäer sich ihre Solarindustrie wegnehmen lassen. Sind wir eigentlich bekloppt?“ Auch die französische Magnesiumförderung und -verarbeitung wurde in den vergangenen Jahrzehnten von der chinesischen Konkurrenz verdrängt.

Das Metall, das heute auch in vielen grünen Technologien eine wichtige Rolle spielen könnte, wird längst nicht mehr in Frankreich zutage gefördert. Von ehemals prosperierenden Regionen sind heute nur noch einsame und strukturschwache Dörfer geblieben. „Die Chinesen wissen, wie man einen harten Wettbewerb gewinnt“, so ein ehemaliger Vertreter der französischen Magnesiumindustrie im Film.

Länder wie Chile oder Bolivien müssen Chance um jeden Preis nutzen

Dass die „grüne Revolution“ auch die bestehende Wirtschaftsordnung umkrempeln könnte, glaubt Indra Overland vom norwegischen Institut für Internationale Beziehungen und erwartet einen zunehmenden "Rohstoffnationalismus“. Durch die Chancen des nachhaltigen Wandels seien Länder wie Chile oder Bolivien dazu gezwungen, die Chancen der Zeit um jeden Preis zu ergreifen, um ihre Volkswirtschaften nach vorne zu bringen. Bolivien sitzt nach aktuellen Schätzungen auf 50 bis 60% der weltweiten Lithium-Vorkommen. Da die Nachfrage nach Lithium in den kommenden 15 Jahren, wie im Film dargestellt, um das 20-fache steigen könnte, entsteht für das Land ein gewaltiges Potenzial.

Längst hat man sich in Bolivien dazu entschlossen, seine Rohstoffe, anders als beispielsweise Saudi-Arabien das Öl, nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu verarbeiten. Als strategischen Partner hat Bolivien bereits China gewonnen. Wie der Film folgert, dürfte Länder wie Bolivien der Traum vom künftigen Wohlstand eher antreiben, als die Vision einer ökologischen Zukunft.

„Die Energiewende ist von der Wirtschaft getrieben – das sind keine Wohltäter“

Doch auch beim selbsternannten Nachhaltigkeits-Vorreiter Deutschland läuft mit Blick auf „grüne“ Technologie nicht alles rund. Aktuell wird die erste Generation an Windkraftanlagen demontiert. Jedes Jahr wird 20.000 bis 30.000 Tonnen davon abgebaut - und liegen, wie in Norddeutschland nicht selten, demontiert in der Landschaft. Kritiker ziehen im Film bereits Parallelen zur ungeklärten Suche nach atomaren Endlagern.

Überhaupt scheint es mit Recycling bei Green-Tech nicht weit her zu sein. Zwar werden Rotorblätter und Metalle, wie etwa Aluminium, wiederverwendet, doch liegt der Recycling-Anteil bei Seltenen Erden praktisch bei null, wie der Ingenieur Philippe Bihouix vom Institut Momentum im Film schildert. Der Grund: Das Material aus den Minen Chinas ist noch immer günstiger - zumindest dann, wenn man nur die monetären Kosten berücksichtigt. Umweltaktivist Randy Hayes vom Rainforest Action Network fasst das Dilemma zusammen: „Die Energiewende ist von der Wirtschaft getrieben. Das sind keine Wohltäter.“

Unser Fazit: Innovationen müssen ganzheitlich sein

Unsere Zusammenfassung der ARTE Reportage von Jean-Louis Perez und Guillaume Pitron ist eine weitere Bestätigung, dass innovativer Umweltschutz ganzheitlich betrachtet werden muss, um nicht als politische Mogelpackung in Verruf zu geraten. Zum gleichen Ergebnis sind auch kürzlich die Experten des deutschen Ingenieurverbandes VDI in ihrer Studie „Ökobilanz von Pkws mit verschiedenen Antriebssystemen“ gekommen. Wer die Umwelt schützen möchte, der muss auch berücksichtigen, woher die Energie und Rohstoffe kommen, wie sie abgebaut, verarbeitet und transportiert werden.

Unternehmen, die sich mit Alternativen zu E-Autos mit Batterie als Energiespeicher beschäftigen, das sind dynaCERT und NEL. dynaCERT aus Kanada hat als CleanTech-Unternehmen eine Technologie zur Nachrüstung von bereits vorhandenen Dieselmotoren entwickelt. Die patentierten Geräte tragen den Namen HydraGEN (TM) und produzieren Wasserstoff nach Bedarf an Bord. Anschließend fügen sie dann über die Luftzufuhr den Wasserstoff der Verbrennung im Motor als Katalysator hinzu. Dadurch wird der Wirkungsgrad des Motors erhöht. Der Treibstoffverbrauch und der Ausstoß von Schadstoffen werden laut Messungen deutlich reduziert. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist zudem, dass kein Fahrzeugersatz notwendig ist.

Die Technologie hat bereits auch die Vereinten Nationen überzeugt und das Unternehmen wurde in das Programm „United 4 Smart Sustainable Cities“ aufgenommen. Rund 200 Städte weltweit haben sich bereits dem Programm angeschlossen, einschließlich Hauptstädte in Europa, Asien, dem Nahen Osten, Afrika sowie Nord- und Südamerika, um den Umweltschutz zu fördern.

Das norwegische Unternehmen NEL ASA fokussiert sich auf die Herstellung und den Verkauf von Wasserstoff als Energieträger in der Mobilität. Der Vorteil dieser Speicher-Technologie beim Fahrzeugantrieb mit Elektromotoren ist, dass keine große Batterie benötigt wird. Obendrein dauert der Tankvorgang solange wie bei Benzin oder Diesel. Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Tankstellennetz wie bereits bei bisherigen Kraftstoffen ausreichend ist. In Deutschland versorgen derzeit rund 14.000 Tankstellen den Verkehr. Vor diesem Hintergrund ist Ausstattung von privaten Haushalten mit Ladesäulen, um die Voraussetzung für eine Infrastruktur für E-Autos mit Batteriespeicher zu schaffen, ein zweifelhafter und aufwendiger Weg.


Der Autor

Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Lexikon:

  1. Markt – Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander.
  2. Wasserstoff – Technologie zur Nachrüstung von Diesel-Motoren für saubere Verbrennung und Senkung von Abgasemissionen
  3. Erdöl – Fossiler Energieträger, welcher als ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen in der Erdkruste vorkommt.

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