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23.08.2021 | 04:30

Impfen, Testen, Therapieren! BioNTech, Defence Therapeutics, Dermapharm, Nanorepro

  • Covid-19
  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

Die Impfquote in Deutschland mit vollständiger Zweitimpfung liegt nun bei knapp 59%. Eigentlich war das Gesundheitsministerium für den Spätsommer von einer 70-80%-Quote ausgegangen. Nun ist es anders gekommen. Der Herbst in Deutschland wird dann wohl auch unter veränderten Rahmenbedingungen ablaufen. Die vielen Reiseheimkehrer haben sich schon seit Anfang August einem Test an der Einreisegrenze zu Deutschland zu unterziehen. Vermutlich werden die Infektionszahlen auch wieder ansteigen, was für das gesellschaftliche Leben wieder verpflichtende Tests vorschreibt. Impfen und Testen bleiben also weiterhin Dauerthemen für die Kapitalmärkte.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: DEFENCE THERAPEUTICS INC | CA24463V1013 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , DERMAPHARM HLDG INH O.N. | DE000A2GS5D8 , NANOREPRO AG | DE0006577109

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Inhaltsverzeichnis:


    David Elsley, CEO, Cardiol Therapeutics
    "[...] Wir glauben, dass diese Erkenntnisse von großem Nutzen für den Schutz von Risikopatienten sein könnten [...]" David Elsley, CEO, Cardiol Therapeutics

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    BioNTech – Die ersten Gewinnmitnahmen setzen ein

    Die BioNTech-Aktie ist ein klarer Börsenstar seit Einführung im August 2019. Der Platzierungspreis lag bei 20 USD – letzte Woche erreichte der Kurs die 400 USD-Marke. Damit ist die Firma aus Marburg über 100 Mrd. USD wert. Großaktionäre mit über 47% sind nach wie vor die Brüder Strüngmann. Damit stehen sie in der deutschen Milliardärsliste auf Platz 1 vor den Aldi- und Lidl-Gründern.

    Nach zweijähriger Rallye setzte im August nun eine Korrektur in der BioNTech-Aktie ein. Vom Hoch bei 463 USD ging es bis Freitag auf 348 USD nach unten. Kein Beinbruch, aber die Anleger zeigen auf dieser Basis scheinbar Nervosität, zumal sich die Meldungen über mögliche weitere Nebenwirkungen häufen und die Impfbereitschaft in der Bevölkerung sinkt. Insgesamt kein Beinbruch für den Marktführer, wie wir finden. Sichern sie ihre Gewinne mit einem Stop bei 320 USD ab und bleiben sie investiert.

    Seit 2020 ist auch Dermapharm an Bord

    Mit der Produktion des Corona-Impfstoffes von BioNTech und dem US-Partner Pfizer leistet auch die Dermapharm Holding SE einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Man möchte auch bei der Entwicklung eines COVID-Medikaments dabei sein. Zu diesem Zweck hat sich Dermapharm an einem aussichtsreichen Player beteiligt. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung erwirbt man 24,9% der Anteile an der CORAT Therapeutics GmbH. Das Unternehmen wurde erst im Mai 2020 ins Leben gerufen und verfügt dem Vernehmen nach über einige Patente von Antikörpern zur Behandlung von humanen Infektionserkrankungen. Der Kurs von Dermapharm hat auf die positiven Nachrichten schon ordentlich reagiert und stieg seit Mitte 2020 um 66% auf zuletzt 76 EUR. Damit erreicht die Kapitalisierung auch hier schon stattliche 4 Mrd. EUR. Der Windschatten BioNTech wirkt auch hier äußerst beflügelnd, die Aktie hat noch Potenzial.

    Defence Therapeutics – Auswahlprozess bei AccumTM-Varianten sehr erfolgreich

    Aber nicht nur die COVID-Bekämpfung bietet Anlegern Chancen. Die kürzlich neu vorgestellte Defence Therapeutics (DTC) aus Kanada ist ein junges Biotechnologie-Unternehmen, welches auf Basis seiner proprietären Accum-Plattform die Entwicklung der nächsten Generation von Impfstoffen und ADC-Präparaten (ADC = Antibody Drug Conjugates) vorantreibt. Letzte Woche gab es neue Meldungen zur Wirksamkeit der nach Auswahlprozess besten AccumTM-Varianten. Defence hatte hierzu 43 AccumTM-Varianten getestet, die mit einem niedrigen Konjugationsverhältnis mit T-DM1 konjugiert wurden (1-4 AccumTM pro T-DM1), um die besten Varianten für in vitro-Bewertungen zu ermitteln. Diese Untersuchungen belegen die additive Wirkung der AccumTM-Technologie und dienen als Orientierungshilfe für die Auswahl der optimalen Accum-T-DM1 in vivo-Tests an Brust- und Magenkrebsmodellen.

    Unter den 43 getesteten AccumTM-Varianten hat man die acht besten ausgewählt, um sie vom finnischen Kooperations-Partner HUS Comprehensive Cancer Center in Helsinki eingehender untersuchen zu lassen. Im Ergebnis haben die acht ausgewählten Accum-T-DM1-Konjugate die Wirksamkeit von T-DM1 um mindestens das Fünffache beim Trastuzumab- und T-DM1-resistenten HER2 positiven Brustkrebs-Zelllinienmodell namens JIMT-1 erhöhen können. Bei einer Konzentration von 1,0 ug/ml induziert T-DM1 nur ungefähr 10% der Zytotoxizität im Vergleich mit Accum-T-DM1-Varianten, welche die Zytotoxizität um 40-70 % steigern. Der finnische Partner wird auch einen direkten Vergleich mit dem neuen ADC Enhertu(R) von AstraZeneca und Daiichi Sankyo durchführen.

    Die AccumTM-Plattform wurde von Defence entwickelt und in vitro getestet, um die intrazelluläre Wirkstoffverabreichung bei zahlreichen ADCs, die von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen wurden oder sich in der Entwicklungsphase befinden, zu verstärken. Diesbezüglich hat Defence ein neues Studienprojekt gestartet, bei dem die AccumTM-Varianten beim kürzlich entwickelten ADC Enhertu(R) (fam-trastuzumab-deruxtecan-nxki) von AstraZeneca und Daiichi Sankyo getestet werden. Das wissenschaftliche Team von Defence geht davon aus, dass AccumTM den Transport des Deruxtecan zum Zellkern verbessern und folglich die Wirksamkeit des ADC signifikant verstärken wird. Deruxtecan ist ein Inhibitor, welcher gezielt auf das Zellkernprotein Topoisomerase I wirkt.

    Defence Therapeutics schreitet schnell fort, die Pipeline ist überaus vielversprechend. Der globale Markt für Immuntherapie erreicht in 2021 ein Volumen von über 100 Mrd. USD. Sollte es DTC gelingen, ein innovatives Produkt auf den Markt zu bringen, könnte schon 2022 eine Bewertungs-Vervielfachung eintreten. Man sollte die ersten Bestände jetzt aufbauen.

    Nanorepro – Zurück in den Fokus gerückt

    Die Aktie des Marburger Test-Spezialisten Nanorepro steht seit einigen Tagen wieder im Fokus. Der Grund liegt sicher an der Ankündigung einiger Landesregierungen, die Urlaubsrückkehrer zu einem Test zu verpflichten, um eingeschleppte COVID-Infektionen schnellstmöglich zu erkennen. Die generelle Einführung der 3G-Regel für gesellschaftliche Veranstaltungen, Restaurant- und Stadionbesuche würde zu einem riesigen Bedarf an schnellen Tests führen.

    Zuletzt hatte Nanorepro gemeldet, dass man die endgültige Zulassung für zwei SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltests für den Laien erhalten habe. Sowohl der Antigen-Schnelltest, als auch der Test für zu Hause, können nun mit der CE-Markierung europaweit vermarktet werden. Laut Aussagen des Managements sind für 2021 durchaus 250 Mio. EUR Umsatz drin, auch die 400 Mio. EUR sind als Eventualereignis schon gefallen. Die Kasse soll aus den letzten Test-Verkäufen bereits mit über 80 Mio. EUR gefüllt sein. Bei einem Kurs von 8 EUR liegt die Marktkapitalisierung mit 120 Mio. EUR nur leicht über dem Cashwert der Aktie. Vor 6 Wochen war die Aktie noch unter 6 EUR zu haben, das Hoch lag im März bei über 22 EUR. Nanorepro ist eine heiße Revival-Spekulation für den Spätsommer.


    Die hier vorgestellten Biotech-Unternehmen adressieren den Bereich Immunisierung und Humantherapie im Zusammenhang mit COVID-19. Der Kurse sind bereits sehr stark gestiegen, bieten aber durchaus noch Potenzial. Defence Therapeutics entwickelt eine aussichtsreiche Plattform, die auch bei Krebs wirksam sein könnte. Wer hier Erfolge erzielen kann, schafft erhebliches Aktionärsvermögen.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

    Mehr zum Autor



    Lexikon:

    1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
    2. Kapitalerhöhung – Erhöhung des Eigenkapitals eines Unternehmens
    3. Markt – Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander.

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    Für Biotech-Aktien ist es üblich, dass mehrmals im Jahr neben Zahlen auch Studienergebnisse veröffentlicht werden. Da es bei diesen Werten fundamental meistens nur Aufwendungen und wenig Umsatz zu berichten gibt, konzentrieren sich die Analysten auf die klinischen Erfolge im Wege einer Studie zur Zulassung neuer Wirkstoffe. Das kann manchmal zu erratischen Kursbewegungen führen. So erging es Anfang der Woche Roche und Morphosys, die Kurse rauschten mit schlechten Nachrichten erstmal in den Keller. Wir blicken auf einen heißen Sektor.

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