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21.09.2022 | 06:00

BP, Saturn Oil + Gas, Shell – Öl-Aktien profitieren von der kälteren Jahreszeit

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Bildquelle: pixabay.com

Im September gab es viele für den Ölpreis relevante Nachrichten. Anfang des Monats verkündete Gazprom, aufgrund eines Öl-Lecks kein Gas mehr durch Nord Stream 1 zu schicken. Kurz darauf beschlossen die G7-Staaten eine Preisobergrenze für russisches Öl, die ab Dezember greifen soll. Die OPEC gab am 5. September die Drosselung der Produktion bekannt. Als Grund wurde die Angst vor einer wirtschaftlichen Abschwächung genannt. Die EU beschloss ebenfalls verschiedene Maßnahmen, um der Energieknappheit Herr zu werden, unter anderem ein Solidaritätsbeitrag der Unternehmen für fossile Brennstoffe zur Unterstützung sozial schwacher Haushalte. Auch wenn der Ölpreis zuletzt aus Rezessionsangst etwas nachgegeben hat, so zeigt ein Blick auf die Saisonalitäten, dass der Preis im Dezember wieder anziehen dürfte. Der Winter sorgt für zusätzlichen Bedarf an Öl.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , Saturn Oil + Gas Inc. | CA80412L8832 , Shell PLC | GB00BP6MXD84

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Inhaltsverzeichnis:


    BP – performt trotz sinkendem Ölpreis

    BP ist einer der großen Ölmultis und profitiert damit von der aktuellen Energiekrise überproportional. Die Energiebranche zählt zu den großen Gewinnern 2022, während die Indizes teilweise herbe Verluste einstecken mussten. Ein Ende der Krise, die durch die Inflation zusätzlich angeheizt wird, ist derzeit wohl nur durch eine globale Rezession möglich. Das liegt auch an den ESG-Vorgaben, die die großen Öl-Konzerne dazu veranlasst haben, nicht mehr in die Erschließung neuer Öl-Quellen zu investieren. Demnach sinkt das Angebot sukzessive, während die Nachfrage hoch bleibt, auch weil die Erde immer stärker bevölkert wird.

    Durch die Gewinne bei Öl und Gas kann BP seine Transformation vorantreiben. Das bestätigte CEO Bernard Looney anlässlich der Zahlen zum zweiten Quartal: „Unsere Mitarbeiter haben das ganze Quartal über hart gearbeitet und dazu beigetragen, das Energie-Trilemma zu lösen - sichere, bezahlbare und kohlenstoffärmere Energie. Wir tun dies, indem wir das Öl und Gas liefern, das die Welt heute braucht, und gleichzeitig investieren, um die Energiewende zu beschleunigen.“ Der Gewinn lag im zweiten Quartal bei 9,3 Mrd. USD. Die Dividende wurde um 10% erhöht und ein 3,5 Mrd. USD Aktienrückkaufprogramm initiiert.

    Am 12. September stärkte der Konzern seine Präsenz in den USA, indem die US Tochter den Strom- und Gasversorger EDF Energy Services übernahm. Am 1. November will der Konzern seine nächsten Quartalszahlen vorlegen. Danach kann man abschätzen, wie weit der gefallene Ölpreis die Gewinne hat schmelzen lassen. Dem Aktienkurs konnte die Ölpreiskonsolidierung nichts anhaben. Seit Ende August läuft die Aktie kurz unter ihrem Jahreshoch seitwärts. Momentan zahlt man 5,25 EUR für einen Anteilsschein.

    Saturn Oil & Gas – Bohrprogramm steigert die Produktion

    Saturn Oil & Gas hat es geschafft, innerhalb von 18 Monaten von einem kleinen Ölproduzenten zu den TOP 10 in Kanada aufzusteigen. Am 7. September erreichte das Unternehmen eine tägliche Fördermenge von 12.000 Barrel am Tag. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht. Im vierten Quartal sollen durchschnittlich 12.500 Barrel gefördert werden und Ende 2023 sind etwa 14.250 Barrel pro Tag geplant. Im Gegensatz zu den großen Öl-Multis investiert Saturn in den Ausbau seiner Produktion. Das spiegelt auch die letzte Unternehmensnachricht vom 19. September wider.

    Das Bohrprogramm hat bislang 23 Bohrlöcher fertiggestellt, die 1.615 Barrel pro Tag produzieren, basierend auf den ersten 30 Produktionstagen (IP30). Im Schnitt liefert jedes Bohrloch 70,2 Barrel am Tag. Weitere 16 Bohrlöcher sind abgeschlossen, sie sind aber noch nicht 30 Tage in Produktion. Bis Ende November sollen weitere 21 Bohrungen niedergebracht werden. Durch die letzte Akquisition verdient das Unternehmen nun deutlich mehr. Wurde die Produktion vorher zu etwa 62 USD abgesichert, sind es nun durchschnittlich 78,49 USD bei 7.777 Barrel pro Tag. Damit werden die Hedgeverluste deutlich reduziert. Die kommenden Quartalszahlen, die spätestens Ende November verkündet werden, enthalten dann erstmals Daten zur neuen Akquisition.

    Bis dahin ist aber mit weiterem Newsflow bezüglich der Bohrergebnisse zu rechnen. Auf der Jahreshauptversammlung wurden sämtliche vorgeschlagenen Beschlüsse mit großer Mehrheit angenommen. Hervorzuheben ist dabei die Wahl von Dr. Thomas Gutschlag, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Deutschen Rohstoff AG, in das Board of Directors bei Saturn. Er bringt als langjähriger CEO der Deutschen Rohstoff viel Erfahrung mit. Wer sich ein genaueres Bild des Unternehmens machen möchte sollte sich den Vortrag von Kevin Smith auf dem International Investment Forum am 27. September nicht entgehen lassen. Die Aktie konnte sich im Gegensatz zum Ölpreis seit Mitte Juli nach oben bewegen und kostet aktuell 2,64 CAD. Die Marktkapitalisierung beträgt somit gerade einmal 157,6 Mio. CAD, was in Anbetracht der Zahlen deutlich zu niedrig ist.

    Shell – neuer Mann an der Spitze

    Shell steht vor dem Umbruch. Nachdem der Konzern aufgrund der Querelen in den Niederlanden seinen Sitz nach London verlegt hat, beginnt am 1. Januar 2023 eine neue Ära beim Konzern, denn der langjährige CEO Ben van Beurden tritt ab. An seine Stelle rückt Wael Sawan, der seit 2021 die Sparte der Erneuerbaren Energien betreut. Damit unterstreicht der Konzern die Transformation zu einem sauberen Energieunternehmen. Da noch nicht über die Berufung bezüglich des niederländischen Gerichtsurteils entschieden ist, muss man zunächst davon ausgehen, dass der Konzern bis 2030 seine CO2-Emissionen um 45% senken muss.

    Dazu passt auch die Meldung, dass der Konzern davon ausgeht, dass die neue Produktionsanlage in Pennsylvania, die 6 Mrd. USD gekostet hat, Ethan in Polyethylen umwandelt. Ethan ist ein Nebenprodukt der Erdgasproduktion. Damit eignet sich das Projekt als Kohlenstoffspeicherzentrum, indem man blauen Wasserstoff, also aus Erdgas, herstellt. Für die energiehungrigen Industrien wie die Beton- und Stahlherstellung wäre es ideal, um ihre Emissionen zu senken. Allerdings ist der Konzern hier auf die Politik und entsprechende gesetzliche Regelungen angewiesen.

    Die insgesamt 20 Analysten sehen die Aktie als Kauf an und vergeben im Schnitt ein Kursziel von 34,30 EUR. Das höchste Kursziel liegt bei 40,18 EUR. Das liegt auch daran, dass das Unternehmen mit seiner Gas-Sparte gut aufgestellt ist. Die Aktie notiert bei 26,44 EUR und erreicht damit aktuell eine Dividendenrendite von knapp über 3,1%. Die nächsten Quartalszahlen stehen am 27. Oktober zu Verfügung. Die Zahlen zum vierten Quartal wird dann schon der neue CEO präsentieren. Man darf auf seine Visionen gespannt sein.


    Sofern es zu keiner globalen Rezession kommt, dürfte der Ölpreis im Winter wieder anziehen. BP wird auch bei einem Ölpreis von 80 USD sehr gut verdienen. Ein Großteil der Gewinne geht aber in den Umbau des Konzerns. Saturn Oil & Gas investiert dagegen in den Ausbau seiner Ölproduktion. Das wird sich langfristig auszahlen. Aktuell ist die Aktie fundamental stark unterbewertet. Bei Shell könnte mit dem neuen CEO am 1. Januar 2023 eine neue Zeitrechnung beginnen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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