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04.01.2023 | 04:44

Die große Energiefrage 2023: BYD, Altech Advanced Materials, Varta, BASF – Reißt der Faden?

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  • Batterie
  • Technologie
  • Alternative Energien
Bildquelle: pixabay.com

Das Jahr 2023 startet zwar mit steigenden Aktienkursen, dennoch begibt sich Mitteleuropa in eine schwere Zeit. Denn der Auftakt ins Neue Jahr beschert den deutschen Konsumenten von Raffinerie-Produkten eine neue Situation, da der Bezug von Rohöl über die Druschba-Pipeline nun gestoppt ist. Deutschland setzt damit das in der EU beschlossene Öl-Embargo gegen Russland um und verliert über Nacht eine wichtige Belieferung von Öl. Die ostdeutsche Raffinerie in Schwedt senkte daraufhin seinen Durchsatz auf 55% und schaut sich nach anderen Lieferanten um. Ob das kurzfristig klappen wird, ist mehr als fraglich. Wenn nun am Ende des eher warmen Winters auch die Gasspeicher leer sind, stellt sich die Energiefrage erneut. Wir erkennen jetzt, wie fatal die Energie-Abhängigkeit von Russland über die letzten Jahrzehnte gewachsen ist. Wie greifbar sind die alternativen Energien und die dafür notwendigen, leistungsfähigen Energiespeicher?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: ALTECH ADV.MAT. NA O.N. | DE000A2LQUJ6 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , VARTA AG O.N. | DE000A0TGJ55 , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296

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Inhaltsverzeichnis:


    BASF – Die positiven Stimmen mehren sich

    Der Ludwigshafener Chemieriese weiß wovon er spricht, wenn es um fossile Brennstoffe geht. Kein anderer Industriezweig ist so stark abhängig von Öl- und Gas wie die chemische Energie. Dabei dienen die Energieträger nicht nur als Grundstoff für tausende von Produkten, sondern liefern auch wichtige Energie in die Verabeitungsprozesse. Gas wird z.B. für große Hitze und lokale Schäumungs- und Gasierungszwecke verwendet. Zwar konnte BASF seinen Gashunger um etwa 20% reduzieren, um einen gewissen Grundbedarf wird man in 2023 aber nicht herumkommen.

    Analysten bewerten derzeit verschiedene Seiten der Industrie. Denn zum einen haben sich zwar die Inputpreise auf der Rohstoffseite drastisch erhöht. Wegen das außerordentlichen Marktstellung bei chemischen Grundstoffen für die weiterverarbeitende Industrie hat BASF seine gestiegenen Kosten aber weitestgehend überwälzen können. Die Zahlen für das dritte Quartal 2022 lagen somit auch über den Erwartungen und die Jahresguidance wurde bestätigt. Die BASF-Aktie hat in 2022 rund 24% verloren und schickt sich an, die 50 EUR-Marke zurückzuerobern. Fundamental handelt der Wert zu einem 2023er KGV von 10 und bietet darüber hinaus 7% Rendite. JP Morgan votiert zum Jahresstart mit „Overweight“. Technisch ist eine Bewegung bis an den Widerstand von 55 EUR spielend möglich.

    Altech Advanced Materials – Eine neue Batterie im Köcher

    Auf der Suche nach geeigneten Technologietiteln der nächsten Generation, stößt man auf die noch junge Altech Advanced Materials AG (kurz AAM) aus Heidelberg. Ziel des Unternehmens ist es, am Markt für Lithium-Ionen-Batterien für die Elektromobilität durch innovatives und leistungsstarkes Anodenmaterial zu partizipieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Festkörperbatterien für den stationären Speicherbedarf.

    Mit frischen 7 Mio. EUR aus einer mehrstufigen Kapitalmaßnahme vom Herbst 2022 treibt AAM seine Investitionen nun voran. Letztlich möchte man in den kommenden Jahrzehnten einen Teil des globalen Marktes für Energiespeicher-Systeme erobern. Er wird sich laut neuester Studien im Volumen von ca. 4,4 auf über 15 Mrd. USD im Jahr 2027 mehr als verdreifachen. Zusammen mit seinem australischen Mutter-Unternehmen Altech Chemicals Ltd sowie dem Fraunhofer-Institut für keramische Technologien und Systeme (IKTS), gründete man in 2022 ein aussichtsreiches Joint Venture. Ziel der resultierenden Altech Batteries GmbH ist die Errichtung einer Produktionsanlage für Festkörperbatterien am ostdeutschen Standort Schwarze Pumpe, wo die erste Linie mit einer Jahresleistung von 100-MWh umgesetzt werden soll. AAM besitzt 18,75% an der gesamten Unternehmung, welches die Entwicklung der revolutionären CERENERGY® Natrium-Aluminiumoxid-Festkörperbatterie (SAS) vorantreibt. Es handelt sich dabei um eine ressourcenschonende Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien für die gewerbliche und industrielle Energiespeicherung unter zur Hilfenahme regenerativer Quellen. Grundstoff dieser Batterietechnologie ist Kochsalz, der große Einsatz von kritischen und umweltbelastenden Materialien wie Lithium, Kobalt, Graphit und Kupfer ist dabei obsolet.

    Neben dem CERENERGY®-Joint Venture hat AAM zusammen mit Altech Chemicals Ltd ein weiteres Kerngebiet aufgetan. Es geht hierbei um ein neuartiges und patentiertes Verfahren zur Nano-Beschichtung. Unter dem Namen „Silumina Anodes“ werden Anoden mit hochreinem Aluminiumoxid und einer Anreicherung von Silizium versehen, was die Leistungsfähigkeit einer Batterie um 15% steigert und die Lebensdauer um erstaunliche 30% verlängert. Mit diesen Parametern kann man im Markt bestimmt einen Partner finden, der die Massenproduktion in die Hand nimmt. Die Marktkapitalisierung von Altech Advanced Materials beträgt aktuell knapp 19 Mio. EUR. Die marktenge Aktie stand zwischenzeitig schon bei 6,50 EUR und kann aktuell zu 4,00 EUR erworben werden. AAM könnte in 2023 zum Gamechanger im Energiespeicher-Markt avancieren.

    BYD und Varta – Raus aus dem Keller?

    Varta-Aktionäre hatten in 2022 keinen Spaß an ihrem Papier. Nach drei Gewinnwarnungen in Folge stürzte das Technologie-Unternehmen aus Ellwangen um ganze 80% ab. Aus der Führungszentrale ist aktuell zu hören, dass die hauseigene V4Drive-Technologie zwar mit wöchentlich 10.000 Einheiten für Tests ausgeliefert wird, eine verbindliche Abnahmeerklärung gibt es aber immer noch nicht. Damit besteht nach mehrfacher Korrektur des Ausblicks und weiterhin hohen Kostenfaktoren eine latente Gefahr, dass auch 2023 ein schwieriges Jahr werden könnte. Dazu gibt es derzeit einige Eruptionen im Markt für Elektromobilität, denn der Marktführer Tesla bleibt mit seinen Verkäufen weit unter den Erwartungen. Die staatlichen Subventionen sinken in 2023 auch, damit muss sich der Konsument unter reellen Voraussetzungen für eine Mobilitäts-Technologie entscheiden. Wer das Rennen Stromer gegen Verbrenner am Ladentisch gewinnt, bleibt aus unserer Sicht weiter offen.

    Bei BYD sieht es zum Jahresbeginn zwar etwas besser aus, der Aktienkurs hatte sich nach seinem Hoch bei 41 EUR aber auch fast halbiert. Immerhin hat der chinesische Marktführer im eigenen Land die Nase deutlich vor Tesla, trotzdem sinken auch hier die Verkaufszahlen leicht. Ist das nur eine überfällige Marktkorrektur nach dem Rausch in 2022? Großinvestor Warren Buffett hat auf jeden Fall sein Investment von 26 auf 14% deutlich verringert und erstmal Milliardengewinne geerntet. BYD ist aber mittlerweile sehr gut aufgestellt und besitzt eine weltweite Anlegerbasis. Durch die Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette und der eigenen Batterie- und Chip-Produktion bleibt das Unternehmen für geopolitische Verzerrungen gut gerüstet.

    Der BYD-Kurs konnte an der 20 EUR-Marke markant eindrehen und nimmt aktuell wieder Kurs auf 25 EUR. Die Aktie ist mit einem aktuellen KGV von rund 22 zwar attraktiv, nach 70% Kursrückgang ist der Branchen-Primus Tesla aber nun nicht mehr überteuert. Der Investor sollte die gesamte Branche vorerst meiden, solange das neue Jahr keine steigenden Absatzzahlen für E-Autos liefert. Mit einem stärkeren Konjunkturrückgang wäre der angespannte Markt der E-Mobilität durch verminderte Neuanschaffungen vermutlich stark betroffen. In Berlin Grünheide stehen derzeit 3.000 Tesla-Fahrzeuge zur Auslieferung bereit, definitiv bestellt wurden sie offensichtlich noch nicht.


    Unter den aktuellen Rahmenbedingungen wird die Energiefrage zum Dreh- und Angelpunkt der Mobilität. Zwar können Subventionen die Kaufentscheidung erleichtern, dennoch werden der Verbrauchsvergleich und die Leitungskomponenten die Kaufentscheidung determinieren. Bei einer Strompreis-Verdoppelung und sinkenden Preisen für Öl- und Gas wird es für die Batterie-Antriebe sehr schwer, gegenüber Verbrennern zu bestehen. Altech Advanced Materials hat gute Lösungen für einen innovationsgetriebenen Markt im Baukasten.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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