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23.12.2024 | 04:45

Neu-Wahlen 2025 - Rückenwind für die Elektromobilität: VW, Mercedes, Ari Motors, BYD und Stellantis

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Bildquelle: pixabay.com

Die Ampel ist Geschichte, am 23. Februar wird neu gewählt. Glaubt man den aktuellen Umfragen, könnte sich eine rechts-bürgerliche Mitte durchsetzen. Für den Standort Deutschland wäre eine 180 Grad-Wende in der Wirtschaftspolitik von Nöten, um die bereits laufende Abwanderung der Industrie ins Ausland zu stoppen. Hierfür braucht es aber Anzeichen für eine konsequente Neufokussierung auf brennende Themen. Bürger sind mit hohen Preissteigerungen belastet, die E-Mobilität braucht dringend neue Anreize. Internationale Anleger haben den europäischen Märkten lange den Rücken gekehrt und investierten vorwiegend in den USA. Hoffnung bieten hierzulande die sehr niedrigen Bewertungen, welche selten über eine längere Zeit zu beobachten waren. Gerade im Automotive-Sektor gibt es gute Chancen auf einen spürbaren Turnaround.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: ARI MOTORS INDUSTRIES SE | DE000A3D6Q45 , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , BAY.MOTOREN WERKE AG ST | DE0005190003 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039 , STELLANTIS NV | NL00150001Q9

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Inhaltsverzeichnis:


    Volkswagen und BMW – Aus der Krise zur neuen Stärke

    Der deutsche Automobilmarkt ist verunsichert. Während ausländische Hersteller mit viel Innovationskraft auf den Markt drängen, haben Volkswagen und BMW derzeit schwer zu kämpfen. Für 2024 wird erwartet, dass die globalen Auslieferungen von VW auf etwa 9 Mio. Fahrzeuge zurückgehen, in 2019 waren es noch 10,9 Mio. Fahrzeuge. Nun haben sich Gewerkschaften und Management kurz vor Weihnachten auf einige Punkte geeinigt. Bei der Kernmarke VW, dem Krisenherd des Konzerns, sollen bis zum Jahr 2030 gut 35.000 Stellen sozialverträglich wegfallen. Das ist rund ein Drittel der in Deutschland Beschäftigten der Marke VW. Zugleich sinkt die Produktionskapazität in den heimischen Werken um 734.000 Einheiten. Dadurch werden erheblichen Überkapazitäten abgebaut, Schließungen von Werken und betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Die Job-Garantie, die es seit 1994 gab und die der Vorstand im Herbst gekündigt hatte, wird wieder in Kraft gesetzt und gilt bis Ende 2030.

    BMW verzeichnete in 2024 einen dramatischen Einbruch im Gewinn, ausgelöst durch schwächelndes China-Geschäft. Der scheidende Aufsichtsratschef Reithofer sieht aber gerade in Fernost die große Chance, diesen Trend umzukehren: „Mit der Neuen Klasse werden wir auch in China sehr konkurrenzfähig sein. Technologisch machen wir einen großen Sprung nach vorn“, erklärte der 68-jährige dem Manager Magazin. Neben dem E-Antrieb mit Batterie hält er diesbezüglich das Bordnetz und das Bedienkonzept für entscheidend. Die neuen Modellreihen sollen technologisch auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus China und auch in Sachen Kosten wettbewerbsfähig sein. Mit 88 bzw. 76 EUR sind VW und BMW-Aktien von ihren erreichten Tiefs technisch erstmal abgeprallt, ein Rebound ist nun wahrscheinlich geworden. Analytisch sind beide Titel mit KGVs 2025e von 3,8 bzw. 5,9 derzeit auf historischen Lows angesiedelt. Eine nennenswerte Kurserholung ist in 2025 zu erwarten.

    BYD und Stellantis – Der Kampf um Europa ist entbrannt

    Während Deutschland derzeit seine selbstverschuldeten Standortnachteile auslebt, legen ausländische Hersteller wie BYD und Tesla einen Zahn zu. Es gab kaum ein Jahr in der jüngeren Börsengeschichte, in dem innerhalb eines Sektors eine so hohe Bewertungsdifferenz beobachtet werden konnte. Der texanische E-Mobilitäts-Pionier Tesla ist mit 1,35 Bio. USD und einem KGV 2024e von 175 mittlerweile wieder höher bewertet, als alle restlichen Automobilhersteller zusammen. Wer sich die Charts der Protagonisten vor Augen hält, sieht plastisch, was gemeint ist. Tesla profitiert von der Wiederwahl Donald Trumps und gewinnt auf 12-Monatssicht knapp 70 % hinzu, während BYD mit Plus 43 % als Branchenzweiter vom Platz geht.

    Für die Zukunft des Automobilsektors gehen die Expertenmeinungen auseinander. Während Donald Trump sich für seine „America First“-Politik mit allen Handelspartnern anlegt, geht BYD den Weg einer eigenen EU-Produktion in Ungarn. Wegen der starken Teuerung der letzten Jahre blicken die deutschen Automobilhersteller hingegen auf einen schrumpfenden Heimatmarkt. Hinzu kommt eine bleibende Verunsicherung der Konsumenten in Sachen Elektromobilität. Aber: Amerikanische Produzenten werden es in der EU ebenso schwer haben, denn es drohen Gegenzölle, falls Trump seine Drohungen wahrmacht. Strahlender Gewinner könnte abermals China sein, die sowohl technologisch als auch preislich zuletzt in Europa Fuß fassen konnten und ihre Präsenz stark ausweiteten.

    Analysten auf der Plattform Refinitiv Eikon sind eher skeptisch, was die Zukunft des Sektors angeht. Ein Kuriosum stellt Tesla mit aktuell 24 Kaufempfehlungen aus 54 Meinungen dar. Interessanterweise liegt das durchschnittliche Kursziel bei 279 USD, rund 50 % unter der aktuellen Notiz. Immerhin 10 Kauf-Ratings gibt es für Stellantis, von den Investmentbanken geliebt ist BYD, hier verweisen 31 Kaufempfehlungen auf ein Kursziel von 364 CNY gegenüber einer Notiz von rund 276 CNY. Während Stellantis ein niedriges KGV 2025e von 4,8 aufweist, bezahlen BYD-Anleger schon mal den 16-fachen Gewinn.

    ARI Motors Industries SE – Mit vollen Auftragsbüchern ins Jahr 2025

    Verbleibend im E-Mobilitäts-Sektor richten wir den Blick auf einen Spezialisten für Stromer im Alltagsbetrieb. Bis jetzt wenig auf dem Radar, aber nicht minder erfolgreich ist ARI Motors Industries aus Thüringen. Angetreten als reiner Assembler von chinesischen Zulieferungen, weitete das Unternehmen seine Produktpalette mittlerweile bis in die Sprinter-Größenordnung aus. Mit den E-Alternativen liegen die Thüringer voll im Trend, denn gerade Behörden, Institutionen, Hausverwaltungen, Sport-Clubs, Betriebe der häuslichen Pflege und sonstige Dienstleister der letzten Meile benötigen kostengünstige und sparsame E-Mobile, um dem „ESG-Druck“ der EU regulatorisch standzuhalten. Derzeit werden ARI-Fahrzeuge hauptsächlich über den hauseigenen Online-Shop angeboten und durch Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Kunden vertrieben, was bereits einen sehr positiven Effekt auf den Absatz hat. ARI Motors arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung seiner Fahrzeugpalette. So hat sich das Sortiment von ursprünglich zwei Fahrzeugvarianten auf mittlerweile über 50 verschiedene Versionen ausgeweitet, um den vielfältigen Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.

    Geschäftsführender Direktor Thomas Kuwatsch kommentiert: „2024 war für uns ein Jahr, das trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der geopolitischen Unsicherheiten, einige wichtige Highlights und Erfolge hervorbrachte. Denn gerade in Krisenzeiten schätzen viele Käufer das gute Preis-Leistungs-Verhältnis unserer Fahrzeuge, wir können daher auf einen stabilen Bestelleingang blicken. Durch Zuverlässigkeit, guten Service und die Seriosität in unseren Rahmenverträgen konnten wir größere Bestellmengen sichern. Für 2025 erwarten wir aufgrund der schwachen Konjunktur einen Absatz von bis zu 500 Fahrzeugen, wenn der Trend zu großvolumigen Bestellungen anhält und sich die Konjunktur wieder erholt.“

    Mit nur 3,9 Mio. EUR Marktkapitalisierung ist die Bewertung der Thüringer für den bis jetzt geleisteten Aufbau beachtlich klein, denn immerhin will der innovative Hersteller seinen Umsatz im laufenden Jahr auf 8,4 Mio. EUR mehr als verdoppeln. Neuigkeiten zum Geschäftsverlauf 2024 und einen aktualisierten Ausblick gibt es auf der zum 17.01.2025 anberaumten Hauptversammlung in Borna. Höchst spannend!

    Klare Favoriten im Automobil-Sektor waren die E-Experten BYD und Tesla. Europäische Hersteller litten hingegen unter schlechten Rahmenbedingungen. Ein Revival im kommenden Jahr kann aber erwartet werden, denn die Bewertungen befinden sich auf einem 10-Jahrestief. Quelle: Refinitiv Eikon 21.12.2024

    Aus Anlegersicht waren in 2024 die Aktien von BYD und Tesla als Blockbuster zu bezeichnen. Vieles spricht dafür, dass es innerhalb des Automotive-Sektors bald eine Rotation geben wird. Denn Turnaround-Investoren lauern bereits bei VW, BMW und Stellantis. ARI Motors könnte in 2025 wiederum positiv überraschen, denn die Auftragsbücher sind voll. Risikobewusste Investoren steigen nun auf den niedrigen Niveaus ein. Eine Streuung über mehrere Standbeine macht Sinn und senkt das Portfoliorisiko.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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